Gibt es doch noch Hoffnung auf eine Versöhnung im britischen Königshaus? Nach Jahren des Schweigens, scharfer Worte und öffentlicher Distanz scheint sich jedenfalls erstmals wieder eine Tür zu öffnen. In einem diskreten Londoner Club trafen sich vergangene Woche enge Vertraute von König Charles III. und Prinz Harry – ein erstes Abtasten?
Offiziell soll das Treffen laut Insidern rein informellen Charakter gehabt haben. Man habe sich „auf einen Drink“ getroffen, hieß es. Die Gespräche sorgten dennoch für Schlagzeilen im Vereinigten Königreich. Die Tageszeitung The Independent stellte ein mögliches Ende des Konflikts in den Raum. „Folgt nun ein Wiedersehen zwischen Vater und Sohn?“, fragte die Times. Viele deuteten das Treffen als einen ersten Schritt zur Wiederherstellung der Beziehung zwischen dem ausgewanderten – oder eher: geflüchteten – Prinzen und dem Rest der königlichen Familie.
Seit dem „Megxit“ und Prinz Harrys Autobiografie sind die Fronten verhärtet
Das wäre ein Wendepunkt. Denn spätestens seit dem sogenannten „Megxit“ im Jahr 2020, als Harry und seine Frau Meghan ihre royalen Pflichten niederlegten und gemeinsam nach Kalifornien zogen, sind die Fronten verhärtet. Auf den Paukenschlag folgten öffentliche Interviews, darunter das viel beachtete Gespräch mit der US-Talkshow-Ikone Oprah Winfrey, in dem das Paar dem Königshaus mangelnde Unterstützung und rassistische Tendenzen vorwarf.
Weitere Spannungen zwischen Montecito, wo Harry und Meghan jetzt leben, und Palast brachte Harrys Autobiografie „Spare“ (deutscher Titel: „Reserve“), in der er besonders seinen Bruder William scharf kritisierte. Bei einem Streit soll dieser Harry etwa so heftig gestoßen haben, dass er sich beim Sturz auf eine Hundeschüssel verletzte. Seitdem gilt das Verhältnis zwischen den Brüdern als tief zerrüttet. Zu einem persönlichen Treffen zwischen den Royals kam es zuletzt nicht mehr. Umso größer scheinen nun die Hoffnungen auf eine langsame Annäherung.
Laut Pauline Maclaran, Royal-Expertin an der Royal Holloway University of London, sollten die Gespräche jedoch nicht überbewertet werden. „Bislang handelte es sich offenbar lediglich um ein Treffen der Kommunikations- und PR-Teams beider Seiten. Was genau besprochen wurde, ist nicht bekannt“, sagte sie gegenüber unserer Redaktion. Einige Beobachter brächten das Gespräch mit Mutmaßungen über eine mögliche Verschlechterung des Gesundheitszustands von König Charles III. in Verbindung, erklärt die Expertin. Der Monarch war im Februar 2024 im Rahmen einer Behandlung wegen einer gutartigen Prostatavergrößerung mit einer Krebsdiagnose konfrontiert worden und befindet sich seither in Therapie. Gibt es also Anlass zur Sorge?
Thronfolger Prinz William gilt als wenig kompromissbereit
Maclaran vermutet einen anderen Beweggrund hinter der Kontaktaufnahme. „Ich denke, dass Harry selbst den Wunsch nach einem Treffen mit seinem Vater vorantreibt“, sagte sie. „Er hat wiederholt betont, wie sehr er sich ein persönliches Gespräch wünscht und womöglich zeigt sich sein Vater nun offen, auszuloten, ob und wie das stattfinden könnte.“ Auch strategische Überlegungen könnten eine Rolle spielen: „Harry und Meghans öffentliche Wahrnehmung ist derzeit eher schwach.“ Auf der Insel ist das Paar mittlerweile unbeliebt, wie Umfragen zeigen. Eine neue Nähe zum Königshaus könnte helfen, ihre Marke wieder zu stärken.
Eine echte Versöhnung dürfte sich jedoch als Balanceakt gestalten. „Dass zwischen Harry und seinem Vater wieder Vertrauen entsteht, halte ich für extrem schwierig“, so die Expertin. „Der König weiß genau: Was er sagt, könnte früher oder später öffentlich werden“, sei es durch Interviews oder Bücher. Harry hingegen habe nicht viel zu verlieren. Für ihn bedeute jedes Gespräch Sichtbarkeit. Hinzu kommt ein weiteres Hindernis: Prinz William, der Thronfolger, gilt als deutlich weniger kompromissbereit. „Charles muss auch seinen älteren Sohn im Blick behalten, der eine Versöhnung offenbar kategorisch ablehnt.“
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