Der weite Blick in die Landschaft, die frische Luft in den Lungen, das Blümchen am Wegesrand, umsummt von einer der Bienen, die das Insektensterben bislang verschont hat. Und da hinten, ein Feldhase! Achtsamkeit bei jedem Schritt, so eine Wanderung, die reinste Meditation! Wären da nicht … diese Mitwandernden. Die, die quatschen und plappern und kichern, ihre Umwelt akustisch belasten und Wildtiere verschrecken. Entschuldigung, das ist ein Naturschutzgebiet! Beim Wandern gibt es, wie so oft, zwei Sorten Menschen: die kontemplativen und die kommunikativen. Die mit dem heiligen Ernst und die Spaß-orientierten.
Der unterschätzte Wanderwitz
Für Letztere gibt es im mittelfränkischen Rohr jetzt ein neues Ausflugsziel: einen Witze-Wanderweg. Sie kennen doch den berühmten Wanderwitz? (Das Genre, nicht den Politiker, natürlich!) Der geht zum Beispiel so: „Ein schwäbisches Ehepaar fällt beim Wandern in eine Gletscherspalte. Am nächsten Tag hören sie eine Stimme: 'Ist da jemand?' Hier ist das Rote Kreuz!' Darauf schreit der Schwabe zurück: 'Mir gäbet nix!'“ Gletscherspalten gibt es auf dem zwölf Kilometer langen Rundweg in Franken freilich nicht, dafür 20 interaktive Witz-Stationen („Vollpfosten“). Neben angebrachten Witzen führen QR-Codes dort zu Videos, in denen Menschen Witze erzählen, Kabarettisten aus der Region, aber auch Amateurhumoristen wie ein Waldarbeiter, der Pfarrer, Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr oder vom örtlichen Schnupfkub.
Umweltbelastend lautes Lachen ist hier nicht nur erlaubt, sondern tourismusamtlich erwünscht. Und wer Lach- und Beinmuskeln eine Pause gönnen will, sucht sich entlang der Route einfach einen Keks unter einem Baum. Also ein schattiges Plätzchen. Und genießt den weiten Blick in die Landschaft, die frische Luft in den Lungen. Halt, einer geht noch: „Was läuft über Berg und Tal und ist orange? – Eine Wanderine!“