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Grausame Insekten-Kämpfe bei Social Media: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen „Insect Wars“

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Grausame Insekten-Kämpfe bei Social Media: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen „Insect Wars“

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    Was in der Natur Teil des Überlebens ist, wird auf Social Media zur qualvollen Show – hier werden Insektenkämpfe für Klicks und Reichweite inszeniert.
    Was in der Natur Teil des Überlebens ist, wird auf Social Media zur qualvollen Show – hier werden Insektenkämpfe für Klicks und Reichweite inszeniert. Foto: Pawich Sattalerd, stock.adobe.com (Symbolbild)

    Unzählige Ameisen attackieren eine Hornisse, eine Gottesanbeterin fällt über einen Zwerghamster her und frisst ihn bei lebendigem Leib, eine Kamelspinne stürzt sich auf einen Skorpion – solche Szenen kennzeichnen die sogenannten „Insect Wars“-Clips, die immer wieder auf Social Media kursieren. Videos, in denen Insekten in inszenierte, grausame Kämpfe mit anderen Insekten, Amphibien oder Nagetieren gezwungen werden. Der Deutscher Tierschutzbund geht juristisch dagegen vor, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Doch wie ist der Stand des Verfahrens? Und wie sollte man selbst reagieren, wenn man auf solche Videos stößt?

    Brutale Insekten-Kämpfe: Was steckt hinter den „Insect Wars“?

    Es ist kaum auszuhalten – und trotzdem schauen Millionen hin: Brutale Insektenkämpfe gehen auf Social Media viral. Wie der Deutsche Tierschutzbund erklärt, erreichen entsprechende Videos enorme Reichweiten. Allein ein Instagram-Account mit dem Namen „Insect Wars“ kommt auf 1,2 Millionen Follower, einzelne Clips des Accounts erreichen sogar sechsstellige Aufrufzahlen – Dimensionen, die laut dem Tierschutzbund „bei tierquälerischen Inhalten selten“ sind. Auch über Plattformen wie Snapchat, X oder TikTok verbreiten sich die Videos.

    Zu sehen sind Szenen, in denen körperlich überlegene Insekten auf kleinere Wirbeltiere losgehen, sie verstümmeln oder mit ihrem Gift töten. Für die Fachreferentin des Tierschutzbundes, Nina Brakebusch, ist dabei klar: „Die gezeigten Szenen haben nichts mit Natur zu tun.“ Stattdessen würden gezielt Tiere zusammengebracht, die sich in freier Wildbahn so nie begegnen würden – etwa ein Zwerghamster mit einer Gottesanbeterin, eine Ratte mit einem Hundertfüßer oder ein junger Gecko mit einer Grille. Solche Konstellationen würden „natürlicherweise so nicht stattfinden“, erklärt Brakebusch.

    Die Tiere sind dabei völlig schutzlos und haben oft keine Chance, zu entkommen. Wie Clips des besagten Instagram-Accounts zeigen, wird die Flucht gezielt verhindert – etwa indem eine Hornisse mit einem Holzstück fixiert oder Tiere mit Pinzetten zusammengedrängt werden, um Kämpfe bewusst zu provozieren.

    Anzeige gegen „Insect Wars“: Wie wird gegen Tierquälerei vorgegangen?

    Bereits im April 2025 hatte der Deutsche Tierschutzbund nach eigenen Angaben bei der Staatsanwaltschaft Hamburg eine Anzeige wegen Tierquälerei erstattet. Das Verfahren wird dort unter dem Aktenzeichen 7106AR12/25 geführt. Gefordert wird ein konsequentes Vorgehen gegen die Verantwortlichen. Das schließt sowohl den Account „Insect Wars“ als auch weitere bislang unbekannte Accounts ein, die derartige Videos verbreiten.

    Eine öffentliche Stellungnahme zum Stand der Ermittlungen gibt es bislang nicht. Auf Anfrage teilte die Staatsanwaltschaft unserer Redaktion mit, dass die Prüfung des Verfahrens weiterhin andauere. Der Tierschutzbund erklärte auf Anfrage, man werde „in Kürze eine erneute Sachstandsanfrage stellen, um den Vorgang bei der Staatsanwaltschaft in Erinnerung zu rufen“.

    Die Ermittlungen laufen also noch. Das bedeutet allerdings auch, dass die Videos weiterhin online abrufbar sind. Auch ein Vorgehen der Social-Media-Plattformen ist bisher nicht erkennbar. Die Videos wurden weder entfernt noch der Account gesperrt.

    Tierquälerei auf Social Media: Wird die Verbreitung unterbunden?

    Die Verbreitung solcher Videos auf Social-Media-Plattformen effektiv zu unterbinden, gelingt bislang offenbar nicht. Der „Insect Wars“-Account mit seinen gewalttätigen Inhalten ist weiterhin online – ohne erkennbare Einschränkungen. Die Plattform Meta, zu der unter anderem Instagram und Facebook gehören, verfügt zwar über Richtlinien, die Tierquälerei und gewaltvolle Inhalte ausdrücklich untersagen. So schreibt der Konzern in seinen Content-Richtlinien, dass „übermäßig gewalttätige Inhalte oder Inhalte, die Ausbeutung erleichtern, koordinieren oder fördern (einschließlich […] Tierquälerei)“ verboten sind.

    Dennoch seien diese Regelungen, wie der Deutschen Tierschutzbund unserer Redaktion mitteilt, „weder hinreichend noch werden sie wirksam umgesetzt“. Vieles werde gar nicht erkannt oder erst verspätet gelöscht. Der Tierschutzbund zweifelt zudem daran, ob die Plattformen ein echtes Interesse an der konsequenten Entfernung solcher Inhalte haben. Schließlich könnten die Videos „durch die hohen Klickzahlen die Werbeeinnahmen der Plattformen erhöhen.“

    Um wirksam gegen solche Inhalte vorzugehen, möchte der Tierschutzbund laut eigenen Angaben weiterhin Druck auf Plattformen ausüben. Gleichzeitig können auch einzelne Nutzer dazu beitragen – etwa indem sie entsprechende Inhalte melden oder Beiträge teilen, die über Tierquälerei aufklären.

    Insekten-Tierquälerei: Wie sollte man reagieren, wenn man im Netz darauf stößt?

    Tierquälerei ist im Netz weitverbreitet. Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes werden solche Überlebenskämpfe gezielt provoziert, um auf Social-Media-Plattformen Reichweite zu erlangen.

    „Tiere werden dabei absichtlich verletzt oder in (gefährliche) Situationen gebracht, die Stress oder Angst in ihnen auslösen, nur um Aufmerksamkeit, Likes/Klicks oder Follower zu generieren“.

    Deutscher Tierschutzbund

    Um Tierquälerei auf Social Media entgegenzuwirken, rät der Tierschutzbund Nutzerinnen und Nutzern, die auf derartige Inhalte stoßen, zu folgendem Verhalten:

    • Keine Interaktion: Schon das bloße Ansehen tierschutzwidriger Videos kann deren Verbreitung fördern. Jede Form von Interaktion – ob Like, Kommentar oder Teilen – signalisiert dem Algorithmus Relevanz und erhöht die Reichweite zusätzlich.
    • Keine Unterstützung fragwürdiger „Petfluencer“: Accounts, bei denen der Eindruck entsteht, dass nicht das Wohl der Tiere, sondern deren Inszenierung im Vordergrund steht, sollten nicht unterstützt oder weiterverfolgt werden.
    • Inhalte melden: Auffällige oder tierschutzrelevante Beiträge sollten konsequent gemeldet werden. So können Plattformen auf problematische Inhalte aufmerksam gemacht werden.

    Neben den Insektenkämpfen sind auf Social Media auch Videos von Haustieren in Kostümen oder die unkritische Darstellung von Qualzuchten problematisch. Ebenfalls verbreitet sind Tierrettungsvideos. Allerdings handele es sich dem Tierschutzbund zufolge dabei nicht immer um echte Hilfseinsätze. In manchen Fällen würden Tiere absichtlich in gefährliche oder lebensbedrohliche Situationen gebracht, um anschließend möglichst spektakuläre Rettungsszenen zu inszenieren.

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