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Honigbienen in Gefahr: Tödliches Virus wird von Hummeln übertragen

Insekten

Honigbienen in Gefahr: Tödliches Virus wird von Hummeln übertragen

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    Sie produzieren nicht nur Honig, sondern tragen maßgeblich zum Erhalt des Ökosystems bei: Honigbienen sind fleißige Arbeiter. Ein Virus kann ihr Leben jedoch frühzeitig beenden.
    Sie produzieren nicht nur Honig, sondern tragen maßgeblich zum Erhalt des Ökosystems bei: Honigbienen sind fleißige Arbeiter. Ein Virus kann ihr Leben jedoch frühzeitig beenden. Foto: Frank Rumpenhorst, dpa (Symbolbild)

    Es ist Sommer, die Sonne scheint, leises Summen erklingt über einer bunten Blumenwiese. Während die Honigbienen geschäftig von Blüte zu Blüte fliegen, brummen die Hummeln schwerfällig durch die Luft. Das Miteinander der beiden Bienenarten wirkt friedlich, ein Zusammenspiel der Natur – doch mit tödlichem Risiko. Denn: Inmitten des Insektenkonzerts hat ein Virus leichtes Spiel.

    An einem Tag fliegt jede Honigbiene etwa 30-mal aus und besucht 200 bis 300 Blüten, schreibt der Deutsche Imkerbund. Doch die fleißigen Arbeiter können krank werden: Überkommt sie ein plötzliches Zittern, sodass sie nicht mehr fliegen können und wenig später sterben, steckt häufig das Akute Bienenlähmungsvirus (ABPV) dahinter, wie der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) berichtet.

    Lange nahm die Forschung an, dass der Erreger von der Honigbiene selbst stammt und auf andere Arten überspringt. Eine im Fachjournal Ecology Letters veröffentlichte Studie kommt nun jedoch zu einem überraschenden Ergebnis: Die Ausbreitung von ABPV in Bestäuber-Gemeinschaften betrifft nicht eine einzelne Art, sondern ist auch zwischen verschiedenen Bienenarten möglich. Nach neuesten Forschungserkenntnissen ist die Steinhummel der Hauptüberträger für die tödliche Krankheit ABPV.

    ABPV-Übertragung zwischen Arten möglich: Welche Rolle spielen Schlüsselwirte?

    Im Rahmen einer großangelegten Feldstudie haben Forscher der Universitäten Halle und Göttingen herausgefunden, welche Viren sich tatsächlich in Bienengemeinschaften verbreiten und welche Arten als Schlüsselwirte für Krankheiten fungieren. Dazu analysierten sie laut der Georg-August-Universität Göttingen insgesamt 1.725 Bienen verschiedener Arten. Sie identifizierten so unterschiedliche Hauptwirte für mehrere Viren:

    • Honigbienen seien demnach die wichtigsten Überträger für das Flügeldeformationsvirus (DWV) und das Black Queen Cell Virus (BQCV)
    • Steinhummeln gelten als zentraler Wirt für das Akute Bienenlähmungsvirus (ABPV)

    Die Hummel fungiert bei einer ABPV-Infektion als eine Art „stiller Überträger“: Während die Wildbienenart selbst kaum geschädigt wird, verläuft eine Infektion bei Honigbienen tödlich.

    Wie wird der tödliche Virus unter verschiedenen Bienenarten übertragen?

    Die Übertragung von ABPV erfolgt dort, wo sich Honigbienen und Hummeln begegnen: auf Blüten. Beim Sammeln von Nektar und Pollen kommen die Insekten mit belastetem Material in Kontakt, etwa über Pollenreste oder Ausscheidungen anderer Tiere. Nach Angaben der Studie ist für die Infektionsraten nicht allein die Anzahl der Bienen an einem Standort relevant, sondern der Kontakt zu sogenannten „Schlüsselwirten“.

    Entscheidend für die Ausbreitung ist dabei der direkte oder indirekte Kontakt zwischen Arten, etwa wenn verschiedene Bienen dieselben Blüten besuchen. Je stärker sich die Nahrungsquellen der Insekten überschneiden, desto höher ist das Infektionsrisiko. Die Struktur des Netzwerks, also wie stark die Bienen untereinander verknüpft sind, oder die Gesamtzahl der Insekten spielt dagegen eine geringere Rolle als bisher angenommen.

    Warum droht Honigbienen durch ABPV eine besondere Gefahr?

    Nach einer Ansteckung mit dem Akuten Bienenlähmungsvirus sterben Honigbienen meist innerhalb von fünf bis acht Tagen. Die Krankheit kann zudem ganze Bienenvölker auslöschen, berichtet der Landesverband der Imker in Mecklenburg-Vorpommern. Infizierte Tiere würden Symptome wie Zittern oder Flugunfähigkeit zeigen. Nach MDR-Angaben stellt die Krankheit auch für Imker eine Bedrohung dar, wirtschaftlich wie ökologisch.

    Für die Verbreitung des Virus ist laut der Studie die sogenannte „Ressourcenüberlappung“ ein wichtiger Faktor. Gemeint ist damit, wie häufig verschiedene Arten dieselben Blüten besuchen. Je stärker sich Hummeln und Honigbienen Nahrungsquellen teilen, desto größer ist das Infektionsrisiko.

    Die Steinhummel ist in Deutschland weitverbreitet. Ein infiziertes Tier kann Honigbienen mit ABPV anstecken.
    Die Steinhummel ist in Deutschland weitverbreitet. Ein infiziertes Tier kann Honigbienen mit ABPV anstecken. Foto: Heiko Bellmann, dpa (Symbolbild)

    Somit kann eine geringe Blütenvielfalt ein höheres Ansteckungsrisiko bedeuten, da sich Arten in dem Fall stärker überschneiden. Gleichzeitig haben einige Arten zwar hohe Viruswerte, tragen aber wenig zur Ausbreitung bei, wenn sie kaum Kontakt zu anderen Arten haben.

    Was hilft gegen die Ausbreitung der Bienenkrankheit?

    Eine mögliche Gegenmaßnahme ist laut Studie einfach: mehr und vielfältigere Blühflächen. Wenn sich Bienen und Hummeln auf mehr Blüten verteilen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie direkt nacheinander dieselbe Blüte besuchen – und damit verringert sich auch das Infektionsrisiko.

    „Je mehr Platz und Nahrungsangebot Bienen haben, desto unwahrscheinlicher werden Infektionen“, erklärt der Biologe und Studien-Co-Autor Robert Paxton im Interview mit dem MDR. Schutz- und Kontrollmaßnahmen müssten zudem mehrere Arten berücksichtigen, nicht nur Honigbienen. Wer Bienen also schützen will, muss das gesamte Ökosystem im Blick behalten.

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