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Interview: Frank Plasbergs Abschied: "Ich werde das Fernsehen nicht vermissen"

Interview

Frank Plasbergs Abschied: "Ich werde das Fernsehen nicht vermissen"

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    Blumen zum Abschied: Für Frank Plasberg ist nach mehr als 20 Jahren Schluss bei "Hart aber fair".
    Blumen zum Abschied: Für Frank Plasberg ist nach mehr als 20 Jahren Schluss bei "Hart aber fair". Foto: O. Hausen/Breuel-bild, dpa

    Herr Plasberg, am Montag haben Sie zum letzten Mal „Hart aber fair“ moderiert. Warum ist nach mehr als 20 Jahren Schluss?
    FRANK PLASBERG: Weil ich mich gefragt habe, was in meinem Alter nach so vielen Sendungen noch ein spannendes Projekt für mich sein kann. Und das kann eigentlich nur ein selbstbestimmter, gut organisierter Abschied sein. Im Oktober letzten Jahres habe ich damit angefangen und mit dem Sender gesprochen. Der WDR war erstaunt, als ich damit kam, hat es dann aber verstanden und hat auch die Chance darin gesehen, dieses Format in eine neue Zeit zu führen.

    Ihr Nachfolger Louis Klamroth ist 33 Jahre jung…
    FRANK PLASBERG: Er ist etwa halb so alt wie ich, wir überspringen also sozusagen eine Nachfolgegeneration, die um die 40, 45 Jahre alt wäre. Das tun wir, weil wir an Louis glauben. Das Format ist nicht von meiner Person abhängig, es heißt ja auch nicht „Plasberg“, sondern verträgt auch eine andere Moderationsfigur.

    Louis Klamroth übernimmt ab Januar die Sendung "Hart aber fair".
    Louis Klamroth übernimmt ab Januar die Sendung "Hart aber fair". Foto: Geisler-fotopress / Christoph Hardt / Christoph Hardt

    Haben Sie Ratschläge für ihn?
    FRANK PLASBERG: Ich habe keine Tipps für ihn, das hätte ich mir in diesem Alter auch nicht gefallen lassen. Ab Januar ist es seine Sendung. Ich gucke mir das künftig montags im Fernsehen an, was Louis macht. Er wird es anders machen als ich, ganz klar, aber die DNA von „Hart aber fair“ wird sich nicht ändern.

    Und die wäre?
    FRANK PLASBERG: Wir haben uns immer als Straßenkind unter den Talksendungen bezeichnet. Mehr Arena als Salon und immer nah dran an den Menschen. Wir leben in einer Zeit, wo sich in der Gesellschaft Blöcke gegenüberstehen, da ist eine Debattensendung essenziell wichtig. Deshalb wird der Ansatz, eine Diskussionssendung zu pflegen statt auf Einzelinterviews zu setzen, bleiben.

    Wie hat sich die Debattenkultur geändert, seit Sie damals mit der Sendung begonnen haben?
    FRANK PLASBERG: Ich gehe nicht mit denen, die sagen, dass alles verhärteter geworden ist. Das Publikum akzeptiert auch ruhigere Sendungen, wenn das Thema stimmt und eine hohe persönliche Betroffenheit bietet.

    Welcher Auftritt ist Ihnen nach fast 750 Folgen denn in besonderer Erinnerung geblieben?
    FRANK PLASBERG: Wenn wir Betroffene vor die Kamera holen, die 75 Minuten zwischen talkenden Vollprofis sitzen und durchstehen müssen, dann haben wir eine ungeheure Verantwortung. Einmal war das besonders der Fall, da hatten wir einen Mann zu Gast, der an Alzheimer litt und erste deutliche Symptome hatte. Im Gespräch, das wir ausnahmsweise aufgezeichnet hatten, sind ihm hier und da die Gedanken weggeglitten. Er hat sich dann die Aufzeichnung mitten im Studiopublikum angeschaut und sich selber dabei zugesehen – das hat mich sehr bewegt.

    Sind Sie einem der Politiker persönlich näher gekommen?
    FRANK PLASBERG: Nicht wirklich, nach der Sendung gibt es ein Abkühlbier mit den Gästen und ihrer Begleitung. Das ist es. Ja, es gab schon mal Einladungen, in Berlin mit dem ein oder anderen Essen zu gehen, aber da haben meine Frau und ich immer nein gesagt. Der einzige Politiker, dem ich vielleicht näher gekommen bin, den ich aber auch nicht duze, ist Karl Lauterbach. Wir reden nach Sendungen auch mal über gesellschaftliche Entwicklungen, übers Leben. Wenn ich sehe, welchen Preis er für sein Engagement zahlt, dass er Bodyguards hat wie ein hochgefährdeter Bundeskanzler: Es ist beeindruckend, was dieser Mann als Überzeugungspolitiker auf sich nimmt.

    Werden Sie das Fernsehen denn nicht vermissen?
    FRANK PLASBERG: Ich werde sicherlich die Redaktion von „Hart aber fair“ vermissen, diese Truppe, mit der ich durch dick und dünn gegangen bin. Das Fernsehen werde ich nicht vermissen. Wenn man so eine Sendung macht, hat man ständig eine Art Schleier über seinem Leben. Immer guckt man: Was passiert gerade, liegen wir noch richtig mit dem Thema, müssen wir andere Gäste einladen? Das geht den ganzen Tag so. Ich erhoffe mir, dass ich loslassen kann.

    Sie machen seit Jahren Yoga. Haben Sie damit angefangen, um auf diese Art den Stress zu kompensieren?
    FRANK PLASBERG: Ja, das hat genau was damit zu tun. Ich kann an meiner Körperspannung erkennen, welcher Wochentag ist. Am Sonntag zieht das schon an, und am Montag, am Sendetag steht man stundenlang unter Anspannung. Das macht die Muskeln hart... Deshalb habe ich mit Yoga angefangen, das entspannt mich. Ich mache das seit fast 20 Jahren jeden Mittwochmorgen, und dieser Termin ist mir heilig.

    Frank Plasberg und seine Frau Anne Gesthuysen schauen sich tief in die Augen.
    Frank Plasberg und seine Frau Anne Gesthuysen schauen sich tief in die Augen. Foto: Henning Kaiser (dpa)

    Was sind Ihre privaten Pläne? Mehr Zeit für die Familie?
    FRANK PLASBERG: Ich habe eigentlich nie etwas aufgeschoben nach dem Motto: „Das mache ich nach der Rente“. Ich habe mir schon immer so viel Zeit für meine Familie genommen wie eben möglich. Mehr Zeit für meinen Sohn? Der ist jetzt fast zwölf, der will das vielleicht gar nicht (lacht). Das größte Abenteuer für mich ist es jetzt mal, nichts zu machen.

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