Hallo Frau Stappenbeck, man sagt, Sie seien ein sehr gesundheitsbewusster Mensch. Sind Sie das schon immer gewesen oder gab es da ein Schlüsselerlebnis?
STEFANIE STAPPENBECK: Ein konkretes Erlebnis, ja. Ich habe vor vielen Jahren mit Monika Bleibtreu „Die Manns” gedreht. Sie erzählte mir, dass ihr Arzt ihr gesagt hatte: Wenn sie so weitermache, habe sie noch drei Jahre. Rauchen, Trinken, lange Nächte in der Kantine – das Theaterleben eben. Monika hat daraufhin den Schalter umgelegt. Und bei mir ist dasselbe passiert, in genau dieser Nacht.
Weil Sie auch zu viel geraucht und getrunken haben?
STAPPENBECK: Ja. Ich habe noch in dieser Nacht aufgehört zu rauchen. Und weil Rauchen bei mir direkt mit Rotwein gekoppelt war, ließ ich auch das. Als ich drei Wochen später wieder ein Glas trank, wurde mir erst klar, was das für eine Droge ist. Ich wollte das Leben klar wahrnehmen. Seitdem trinke ich Alkohol nur noch sehr selten.
Wie sieht Ihr Weg zur Gesundheit aus?
STAPPENBECK: Ich bin überzeugt, dass ein gesunder Körper eine gesunde Seele braucht. Also bin ich beides angegangen – mit verschiedenen Coaching-Methoden, mit Blutanalysen, Ernährung, Supplementen. Den Anstoß, auch die Seele ernst zu nehmen, gab mir damals zusätzlich eine Diagnose: ein beginnender Burnout. Da war klar: So kann ich nicht weitermachen. Die Schäden und Traumata, die wir in uns tragen, schaden am Ende uns selbst – und anderen.
Sie stimmen sich täglich positiv mit Dankbarkeitsritualen ein, um gut in den Tag zu starten. Wie darf man sich Ihren heutigen Morgen vorstellen?
STAPPENBECK: Ich bin da nicht dogmatisch – habe kein festgezurrtes Ritual. Was ich konsequent versuche: die letzte halbe Stunde vor dem Einschlafen und die erste nach dem Aufwachen für positive Gedanken zu nutzen. Das Unterbewusstsein ist in diesen Phasen zugänglicher als tagsüber. Ein Dankbarkeitstagebuch habe ich ein dreiviertel Jahr lang geführt – aber das war nicht mein Weg.
Sie tragen einen sogenannten Vitalring und Sie interessieren sich für ‚Biohacking‘ und Schlaftracker. Was ist die wichtigste Erkenntnis über Ihren Körper, die Sie durch dieses ‚Vermessen‘ gewonnen haben?
STAPPENBECK: Dass ich aufgehört habe, mich von schlechten Zahlen stressen zu lassen. Wenn ich um ein Uhr einschlafe und um sechs der Wecker klingelt, schaue ich auf den Ring – und sehe vielleicht trotzdem über eine Stunde REM- und eine Stunde Tiefschlaf. Dann weiß ich: Der Tag wird funktionieren. Früher hätte mich das in Panik versetzt. Die Herzratenvariabilität zeigt mir außerdem, wie entspannt mein Nervensystem wirklich ist – unabhängig davon, wie voll der Drehtag war. Das ist eine sehr ehrliche Rückmeldung.
Und Sie ernähren sich sehr bewusst. Sie essen gerne Gemüse, achten auf Ihren Blutzucker und trinken viel. Am Set ist das vermutlich gar nicht so leicht. Wie bekommen Sie das geregelt?
STAPPENBECK: Am Set ist eine komplette Bioernährung natürlich schwer durchzuhalten. Aber es ist beliebt geworden, morgens zum Frühstück warmes Gemüse zu essen oder Bioeier und ein gutes Butterbrot oder in der Pfanne geschwenkte Möhrchen oder Zucchini. Manchmal nehme ich mir auch Reste meines eigenen Abendbrotes mit.
Wie vereinbaren Sie als vielbeschäftigte Schauspielerin den Leistungsdruck mit dem Wunsch, gesund alt zu werden?
STAPPENBECK: Das ist tatsächlich mehr Arbeit als man denkt. Beim Film sieht ja alles immer so leichtfüßig aus. Aber das stimmt nicht. Es sind schon lange Tage, und wir Schauspieler sind ein bisschen wie Leistungssportler. Wir rennen hin und her, und alles ist anstrengender, als ich selbst glaube. Im vergangenen Herbst hatte ich mal wieder einen Bluttest gemacht. Da stellte sich heraus, dass alle Werte ganz okay waren – außer mein Energiewert. Der war unter aller Sau! Da musste ich mir mal Faulenzen erlauben, weil der Körper ziemlich erschöpft war. Übrigens ich bin dankbar, dass ich mir das alles leisten kann. Mein Geld investiere ich nicht in Klamotten, sondern in Gesundheit.
Wie alt wollen Sie eigentlich werden?
STAPPENBECK: Ähm. Meine Lieblingszahl ist elf – und ganz spontan würde ich sagen: 111. Aber bitte fit!
Seit zehn Jahren sind Sie als Linett Wachow an der Seite von Florian Martens bei „Ein starkes Team“ im Einsatz. War das ein Traum von Ihnen, die Rolle so lange zu spielen oder entsprang dies eher dem Zufall?
STAPPENBECK: Das war Zufall, wie mein Leben von Zufällen geprägt ist. Ich schmiede zwar gerne Pläne, aber dann passiert es doch anders. Zum Beispiel, dass ich Schauspielerin geworden bin. Ich habe zwar als Kind davon geträumt, aber das nicht wirklich zielstrebig verfolgt. Es war bei mir eher ein Ruf des Schicksals, dem ich fröhlich gefolgt bin. Ich habe ja gleich angefangen zu arbeiten und gleich an hochkarätigen Häusern, die sich manche als Ziel ihrer Karriere vornehmen. Wenn ich darauf zurückschaue, dann schlackern mir da die Ohren. Dass ich nun heute so lange bei einer Produktion arbeite, überrascht mich sehr. Aber es ruft mich auch nicht krass irgendwo anders hin. Außerdem ist es mir ja möglich, andere Filme zu drehen wie gerade „Mama ist die Best(i)e“ mit Adele Neuhauser. Solange ich mir diese Vielfalt erhalten kann, mache ich das gerne. Was mir ein bisschen fehlt, ist Theater, aber das hängt mit meinem Kind zusammen, das ich nicht einfach längere Zeit alleine lassen kann. Gerade lasse ich mich außerdem auf ein neues Abenteuer ein.
Auf welches?
STAPPENBECK: Ich verbreite gerne am Set mein Wissen über Familienaufstellung. Ich habe da verschiedene Ausbildungen gemacht. Seit Jahren sagen die Kolleginnen und Kollegen, ich sollte endlich mal Geld für meine Beratungen nehmen. Jetzt gibt es den Ruf, ernsthaft Klientinnen anzunehmen. Und da werde ich jetzt tatsächlich mal eine Rechnung schreiben. Ich denke, ich fange erst mal bei Frauen an, bei Männern kenne ich mich noch nicht so gut aus.
Zur Person
Stefanie Stappenbeck, geboren 1974 in Potsdam und aufgewachsen in Berlin, ist eine Schauspielerin. Seit zehn Jahren spielt sie die Rolle der Linett Wachow in der Krimi-Serie „Ein starkes Team“. Der Film „Mama ist die Best(i)e“ ist ebenfalls im ZDF Streamingportal abrufbar.
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