Die Elektromobilität ist in Deutschland angekommen, entwickelt sich aber nicht so schnell weiter, wie es die Bundesregierung gern hätte. Neben der teils geringen Reichweite der Elektroautos schreckt Autofahrerinnen und Autofahrer hierzulande auch die Ladeinfrastruktur ab. In den meisten Städten und Regionen gibt es nicht genügend Lademöglichkeiten. Die schwarz-rote Koalition hat dieses Problem erkannt – und will es angehen. Zu diesem Zweck wurde nun der „Masterplan Ladeinfrastruktur 2030“ ins Leben gerufen. Wie die Bundesregierung das Laden „so selbstverständlich wie Tanken“ machen möchte, wie im Papier steht, erfahren Sie hier.
Masterplan zur Ladeinfrastruktur in Deutschland: 41 Maßnahmen, fünf Handlungsfelder
Der Masterplan wurde am Mittwoch, 19. November 2025, vom Bundeskabinett beschlossen. Kurz darauf stellte das Bundesministerium für Verkehr (BMV) die wichtigsten Punkte des Papiers vor. „Die Maßnahmen des Masterplans Ladeinfrastruktur 2030 werden das Ladeangebot für die Kundinnen und Kunden verbessern“, erklärte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU): „Gleichzeitig sollen sie es der Ladebranche einfacher machen, attraktive Produkte anzubieten. Jetzt geht es darum, die Maßnahmen konsequent und zügig umzusetzen.“
Konkret geht es im Masterplan um 41 Maßnahmen, die dazu führen sollen, dass die Ziele rund um den Ausbau der Ladeinfrastruktur, die Union und SPD im Koalitionsvertrag festgehalten haben, erreicht werden. Die Maßnahmen können in fünf zentrale Handlungsfelder eingeordnet werden, wie die Bundesregierung zusammenfasste.
- Nachfrage und Investitionen stärken.
- Wettbewerb stärken und Preistransparenz erhöhen.
- Umsetzung vereinfachen und beschleunigen.
- Nutzerfreundlichkeit und Innovation steigern.
- Integration ins Stromnetz verbessern.
Im Masterplan der Bundesregierung finden sich unter anderem Impulse für das bidirektionale Laden, mit dem das eigene Auto zum Kraftwerk werden und nicht nur Strom aufnehmen, sondern auch ins Netz einspeisen kann. So sollen Fortschritte bei der Digitalisierung dafür sorgen, dass der Zustand der Stromnetze transparenter wird. Auch eine rechtliche Grundlage soll geschaffen werden. „Durch den Gesetzentwurf sollen klare Vorgaben für das bidirektionale Laden im Stromsteuerrecht geschaffen werden. Hierdurch wird verhindert, dass Nutzerinnen und Nutzer von E-Fahrzeugen zum Versorger und Steuerschuldner werden“, steht hierzu im Masterplan. Die Bundesregierung will zudem „weitere Vereinfachungen und Entlastungen“ rund um das System „Vehicle-to-Grid (V2G)“ prüfen.
Auch interessant: Derzeit wird getestet, wie E-Autos während der Fahrt laden können. Elektroautos sollten nicht zu schonend gefahren werden, da dies die Reichweite beeinflusst. Außerdem können mit Elektroautos Steuern gespart werden.
Laden von E-Autos: Masterplan sorgt auch für Kritik
Der Ausbau der Ladeinfrastruktur wurde in Deutschland zuletzt vorwiegend durch bürokratische Hürden ausgebremst, analysiert ZDF heute. Diese soll der Masterplan nun abbauen und für mehr Tempo und Investitionskraft sorgen. Ein ambitioniertes Ziel, welches zu viel versprechen könnte, meinen Kritiker. „Vieles darin ist grundsätzlich richtig, doch eine schnelle Umsetzung ist unwahrscheinlich“, kommentierte beispielsweise Christina Kunkel von der Süddeutschen Zeitung (SZ).
Eine ähnliche Meinung vertritt der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). „Der Masterplan setzt das richtige Ziel: Ladeinfrastruktur als Schlüssel des Mobilitätswandels“, begrüßte ZDK-Präsident Thomas Peckruhn das Vorhaben der Bundesregierung in einer Stellungnahme. Der ZDK mahnte in dieser aber auch an, dass „die Umsetzung stärker an der Realität des Marktes und den Erfahrungen aus dem täglichen Kundendialog ausgerichtet werden“ müsse. Außerdem würden die Perspektiven von Handel und Kunden kaum in dem Papier vorkommen.
Im Rahmen der BMV-Ladeinfrastruktur-Konferenz in Berlin diskutierten am 20. November 2025 rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über den Masterplan und dessen Umsetzung. Die großen deutschen Autobauer rüsten immer mehr auf Elektromobilität um, nachdem sie den Trend zunächst verschlafen hatten, wie Frank Schwope, Autoexperte und Lehrbeauftragter an der Fachhochschule des Mittelstands Berlin im Gespräch mit autohaus.de klarstellte. „Von einer echten Krise sind die deutschen Automobilhersteller noch weit entfernt“, gab Schwope aber auch Entwarnung. Der Masterplan zur Ladeinfrastruktur könnte nun auch für die Autobauer eine Chance darstellen.
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