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Männer und Mode: So finden Sie den perfekten Stil

Interview

„Gott wäre das Leben langweilig, wenn ich immer dasselbe anziehen müsste“

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    Ben Bernscheider findet: „Wenn der Männermodewelt in Deutschland etwas fehlt, ist das der Eklektizismus.“
    Ben Bernscheider findet: „Wenn der Männermodewelt in Deutschland etwas fehlt, ist das der Eklektizismus.“ Foto: Rike Bernscheider-Fehrs

    Hallo Herr Bernschneider, lassen Sie uns über das Problemthema Männer und Stil sprechen. Wann kam Ihnen die Idee zu Ihrem neuen Buch „100 Staple Pieces - die Wunschliste des modernen Gentleman“?

    BEN BERNSCHNEIDER: Das hat sich organisch ergeben. Mit dem Thema bin ich auf Instagram vor Jahren eingestiegen. Lustigerweise hat der Ullstein-Verlag davor einen Roman von mir auf Eis gelegt, stattdessen wollten sie eben dieses Sachbuch machen. Und dann habe ich mich hingesetzt und eineinhalb Jahre geschrieben.

    In Ihrem Buch versammeln Sie 100 Ihrer Meinung nach unverzichtbare Stücke einer Herrengarderobe – von der Barbour-Jacke übers Hawaii-Hemd bis zum Weekender. Was davon braucht man unbedingt?

    BERNSCHNEIDER: Das kann man gar nicht so sagen. Wenn der Männermodewelt in Deutschland etwas fehlt, ist das der Eklektizismus. Das ist auch okay, denn man muss sich nicht für Mode interessieren. Aber wer gerne auch mal – wie es Frauen übrigens ständig tun – in andere Rollen schlüpfen will, der kann das mit unterschiedlichster Kleidung tun. Bei Männern gilt allerdings oft, wenn sie eine Jeans und ein Hemd gefunden haben, dann gehen sie mit dem Look eine Art monogame Beziehung ein. Das war's dann – für immer! Ich würde aber grundsätzlich niemandem sagen, was das Beste oder das Wichtigste ist. Ich würde beispielsweise einem Menschen, der nicht gerne Anzug trägt, nie zu einem Anzug raten. Viele verbinden Anzug mit Arbeit und Spießigkeit und lehnen ihn schon darum ab. Das ist eigentlich schade. Denn der Anzug ist für mich das feierlichste, das schönste Kleidungsstück für Männer. Aber noch einmal: Ich will definitiv niemandem vorschreiben, was er anziehen soll.

    Apropos Anzüge, sind die nicht doch so ein bisschen Old Fashion aus der Vorboomerzeit? Inzwischen schlurfen doch selbst die Bankmanager in Sneakers und Jeans durchs Büro. Wie sehen Sie das?

    BERNSCHNEIDER: Das mag zwar sein. Ich sehe das aber nicht so. Ich sehe sogar, dass der Old-Money-Look wiederkommt. Die Mode war ja zuletzt so, dass sich, ausgehend von den Jugendtrends, viele kleideten wie die Gangsterrapper. Heute will man lieber wieder am Kamin sitzen und seinen Golden Retriever streicheln, als am Bahnhof mit Knarre rumzulaufen. Kürzlich hat sich die Frau eines Journalisten bei einem Interview mit mir über die Kleidung der Chefs ihres Mannes aufgeregt, die jetzt weitab der 50 Sneakers zu den Anzügen tragen. Ich meine, das sieht einfach unfassbar stillos aus. Das liegt meiner Meinung nach vor allem im Trend, weil die Leute jünger wirken wollen. Ich finde es aber nicht gut, wenn man seine Midlife-Crisis über Klamotten austrägt. Jeder findet es doch peinlich, wenn sich einer jünger kleidet. Der große Bonus, den wir haben, ist Classic Menswear. Das hat sich seit hundert Jahren nicht verändert. Da gibt es ein paar Regeln, beispielsweise, wie lang ein Sakko sein soll, die sollte man beachten. Ich behaupte, dass niemand, der gerne einen Anzug trägt, darin schlecht ausschauen wird. Und wenn sich ein Chef, der sich das leisten kann, ein paar Crockett & Jones-Schuhe für 600 Euro zu kaufen, dann soll er das doch tun.

    Haben Sie eigentlich persönlich ein Lieblingskleidungsstück, auf das Sie nie verzichten würden?

    BERNSCHNEIDER: Ja. Und ich finde es auch ganz wichtig, Lieblingskleidungsstücke zu haben. Ich habe beispielsweise jahrelang auf einen Burberry-Trenchcoat gespart. Zu dem hatte ich sogar eine emotionale Beziehung. Damals habe ich angefangen, begehrenswerte Kleidungsstücke zu kaufen. Wenn man bei jedem Kleidungsstück in seinem Schrank Herzklopfen bekommt, dann beginnt das Gegenteil von Fast-Fashion-Konsum im Kleinen. Ich liebe beispielsweise Chinos, habe auch 15 davon, und möchte nie auf ein Oxford Botton-Down-Hemd, einen Pulli von Ralph Lauren oder ein gutes Poloshirt verzichten. Ich lebe meine Wünsche aus. Ich liebe so viele Styles. Gott wäre das Leben langweilig, wenn ich immer dasselbe anziehen müsste!

    Um mal mit Grönemeyer zu fragen: Wann ist der Mann denn heute ein Mann? Und wie sieht heute ein perfekter Gentleman aus? Gibt es den noch?

    BERNSCHNEIDER: Na, klar gibt es den Gentleman noch! Stil zu haben, ist ja auch mehr, als nur bestimmte Klamotten zu tragen. Das bedeutet vor allem, empathisch und respektvoll gegenüber anderen zu sein. Und das wird nie aus der Mode kommen! Pünktlich sein oder andere Dinge, die sich als respektvoll erwiesen haben, gehören auch zu einem Gentleman. Und natürlich halte ich Frauen wie auch Männern die Tür auf. So eine Einstellung fehlte zuletzt bei vielen, denn die Kids suchten ihre Vorbilder im Handy statt bei Menschen mit Lebenserfahrung. Dieses Gentlemansein hat übrigens gar nichts mit Gleichberechtigung zu tun, auch wenn manche Frauen in feministischer Manier sagen: Ich muss mir von keinem Mann die Tür aufhalten lassen, denn das kann ich auch selbst.

    Ist „Gentlemansein“ also mehr eine Frage des Charakters?

    BERNSCHNEIDER: Es ist zu 90 Prozent eine Charaktereigenschaft und zu 10 Prozent Klamotte, die aber wiederum aus dem Charakter resultiert. Ein Gentleman fällt auch nicht durch seine Kleidung auf, er ist jemand, der zuhören kann, es ist der leise Mann. Es ist keiner, der um jeden Preis auffallen will.

    Welchen Rat würden Sie jungen Männern geben, die ihren eigenen Stil finden wollen?

    BERNSCHNEIDER: Ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren. Sich nicht von der Peergroup unter Druck setzen lassen nach dem Motto: Du musst jetzt Hoodie tragen! Ich würde sagen: Hör auf dein Herz und suche dir popkulturelle Vorbilder. Und wenn deine Eltern sagen: Wie siehst du denn aus, aber du fühlst dich wohl in der Klamotte, dann lehne dich gegen deine Eltern auf. Denn das ist eine der besten und stärksten Schulen, um seinen eigenen Stil zu finden.Z

    Zur Person

    Ben Bernschneider, 1976 in Wesel geboren, ist ein deutscher Autor, Regisseur, Fotograf sowie Influencer und Webvideoproduzent. Gerade ist von ihm sein Buch „100 Staple Pieces. Die Wunschliste des modernen Gentleman“ (Ullstein extra, 224 Seiten, 22,99 Euro) erschienen.

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