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Mafia-Mord: 30 Jahre Attentat auf Mafia-Jäger Falcone

Attentat auf Richter

30 Jahre Mafia-Mord an Richter Falcone: "Die Mafia vergisst nicht"

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    Drogenhandel, Müll- und Waffendeals: Die Mafia ist vielleicht nicht mehr so präsent wie noch in den 90er Jahren, doch sie lebt – und floriert.
    Drogenhandel, Müll- und Waffendeals: Die Mafia ist vielleicht nicht mehr so präsent wie noch in den 90er Jahren, doch sie lebt – und floriert. Foto: Alessandro Di Meo, dpa

    Palermo, ein schwüler Samstagabend im Mai. Giovanni Falcone und seine Frau Francesca Morvillo kommen aus Rom. Falcone ist Richter und Mafia-Jäger. Dementsprechend gut beschützt wurde er in den 90ern, eine Hochzeit der Mafia. Er sitzt am Steuer seines Autos, als gegen 18.00 Uhr nahe dem sizilianischen Ort Capaci 500 Kilogramm Sprengstoff unter der Straße explodieren. Der Begleitwagen schleudert durch die Luft, Falcones Auto stürzt in den Bombenkrater. Der 53-Jährige und seine Frau sterben – und mit ihnen drei Leibwächter. Sie sind Opfer der sizilianischen Cosa Nostra geworden. Der Mafia.

    Mafia-Mord an Richter Falcone: Jahrestag als Anlass für neue Attentate?

    Wer der Mafia in die Quere kommt, spielt mit seinem Leben. Das war damals so und ist es auch heute noch. Erst kürzlich sollte in Kalabrien ein Anschlag auf den Staatsanwalt Nicola Gratteri verübt werden. Die Mafia nutzt gerne solche Jahrestage wie den "Strage di Capaci", das Blutbad von Capaci, um zu zeigen, dass es sie noch gibt – auch, wenn es etwas stiller um sie geworden ist.

    "Die Cosa Nostra vergisst nicht", sagte Falcone nur wenige Tage vor seinem Tod in einem Interview: "Die Mafia ist ein Panther; wendig, brutal und hat das Gedächtnis eines Elefanten." Damals warb der Richter für seine Idee einer "Superprocura", eine Art Super-Staatsanwaltschaft, die den Mafia-Bossen das Handwerk lehrt. Inzwischen gibt es diese.

    23. Mai 1992: Die Mafia verwandelt die A 29 bei Palermo mit 500 Kilo TNT-Sprengstoff in einen Ort, der an ein Schlachtfeld erinnert. Giovanni Falcone, seine Frau und drei Polizisten finden den Tod.
    23. Mai 1992: Die Mafia verwandelt die A 29 bei Palermo mit 500 Kilo TNT-Sprengstoff in einen Ort, der an ein Schlachtfeld erinnert. Giovanni Falcone, seine Frau und drei Polizisten finden den Tod. Foto: Nino Labruzzo, dpa

    Zusammen mit seinen Kollegen legte Falcone damals den Grundstein im Kampf gegen die gefürchtete Cosa Nostra. "Richter Falcone hat eine neue Ermittlungsmethode, später bekannt als "Follow the money" (Folge dem Geld), erarbeitet", erklärt Lorena Di Galante, Chefin des zweiten Reviers der nationalen Antimafia-Ermittlungsdirektion (Dia).

    Mordanschläge auf Mafia-Jäger: Falcone starb nicht alleine

    Dadurch wurde es möglich, Banküberweisungen der Mafia zu verfolgen und Geldbewegungen zu rekonstruieren. Dies sei heute die Grundlage aller Mafia-Ermittlungen: Sie legen Verflechtungen in die Gesellschaft offen und zeigen Beziehungen in Politik und Wirtschaft.

    Falcone ist nicht der einzige Mafia-Jäger, der seinen Einsatz mit dem Leben bezahlte. Nur wenige Wochen nach dem "Blutbad von Capaci" tötete die Mafia den Juristen Paolo Borsellino. Er war ein Kindheitsfreund von Falcone und starb ebenfalls durch eine Autobombe in Palermo. Er besuchte gerade seine Mutter.

    Blutbad von Capaci: Wendepunkt in der italienischen Geschichte der Mafia

    Bis dahin herrschte in Italien eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber der Mafia und anderen organisierten Verbrechen. Viele profitierten davon, bekamen Arbeit und Sicherheit. Die Anschlagserie rüttelte Italien allerdings wach: Die Justiz suchte nach den Drahtziehern, Zeugen packten aus und brachen mit der Omertà – die Schweigepflicht der Mafia gegenüber von Behörden. Viele landeten danach hinter Gittern, wie etwa Cosa Nostra-Größen wie der mächtige Mafia-Boss Salvatore "Toto" Riina, der "Boss der Bosse", aus dem kleinen Ort Corleone, dessen Name vielen aus dem Film "Der Pate" ein Begriff ist.

    Marlon Brando im legendären Mafia-Film „Der Pate“. In Bayern sind 136 Personen bekannt, die der italienischen Mafia zugerechnet werden.
    Marlon Brando im legendären Mafia-Film „Der Pate“. In Bayern sind 136 Personen bekannt, die der italienischen Mafia zugerechnet werden. Foto: dpa

    30 Jahre ist Falcone tot. Die Mafia in Italien lebt weiter. Fast wöchentlich werden Mafiosi festgenommen und Güter in Millionenhöhe beschlagnahmt. Wie viele Anhänger die Mafia in Italien noch hat, ist unbekannt. Gewiss ist: Seit 1992 wurden mehr als 11.000 Menschen im Zusammenhang mit der Mafia festgenommen. Außerdem wurden Güter im Wert von rund 7,68 Milliarden Euro beschlagnahmt.

    30 Jahre nach Attentat: So gefährlich ist die Mafia heute

    Besonders aktiv ist die Mafia nach wie vor im Süden, wo die Strukturen etwa gleich geblieben sind. Hier dominieren mehrere Organisationen verschiedene Teile des Landes: die Camorra herrscht in Kampanien, die 'Ndrangheta in Kalabrien, die Cosa Nostra auf Sizilien, dazu kommen verschiedene Mafia-Clans in Apulien. Sie alle haben Ableger; nicht nur im ganzen Land, sondern auf der ganzen Welt.

    Was sich allerdings geändert hat: Blutige Mafia-Kriege dominierten die 1980er und 1990er Jahre. Rund 1000 Tote gab es dabei. Heute ziehen es die Clans dagegen vor, "still" zu operieren, sagt der Staatsanwalt der Antimafia-Direktion, Salvatore Dolce.

    Seit den 1990er Jahren hat die Mafia ihre Strategie geändert: Sie ist abgetaucht und setzt auf neue Einnahmequellen aus erneuerbaren Energien oder der Abfallentsorgung in den Städten. Die Mafia-Clans sind also stiller geworden, aber nach wie vor tief ins gesellschaftliche Leben verwebt.

    Mafia heute: Der gefährlichste Clan kommt aus Kalabrien

    Der gefährlichste Clan sei seit einigen Jahren "'Ndrangheta", erklärt Dolce. Sie sei auch in den reichen Regionen im italienischen Norden und der Hauptstadt Mailand aktiv. Und es gibt starke Verbindungen ins Ausland, nach Deutschland, in die Schweiz, nach Kanada und sogar Australien. Hier seien sie vor allem im Handel oder der Gastronomie tätig.

    'Ndrangheta soll über beträchtliche wirtschaftliche Ressourcen aus dem internationalen Drogengeschäft, Glücksspiel, Erdöl-Handel sowie Erpressung und Vetternwirtschaft bei öffentlichen Bauvorhaben verfügen.

    Sie lebt also noch, die Mafia – und der 23. Mai ist für Italien ein wichtiger Tag des Gedenkens und des Mahnens. Für Staatspräsident Sergio Mattarella, gebürtig aus Palermo, hat der Jahrestag eine besonders persönliche Bedeutung: Sein Bruder Piersanti wurde 1980 als Regionspräsident von Sizilien von der Mafia ermordet.

    (mit dpa)

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