Manuka-Honig ist ein spezieller Honig vom anderen Ende der Welt: Neuseeland. Das Nahrungsmittel wird von Honigbienen aus dem Blütennektar der Südseemyrte gewonnen. Die Pflanze gehört zu den Myrtengewächsen, die eine wohl hierzulande bekanntere Gattung haben: den Teebaum. Wie dieser ist die Südseemyrte (Leptospermum scoparium, auch Manuka-Strauch) in Gebirgsregionen zu finden, außerdem im südöstlichen Australien. Bei den Einwohnern Neuseelands (Maori) ist der Manuka-Honig dem Vernehmen nach schon lange für seine heilende Wirkung bekannt, mittlerweile gibt es auch in Europa und andernorts viele Menschen, die an die Vorzüge des Naturprodukts glauben. Neben dem gesundheitlichen Aspekt geht es bei diesem besonderen Honig auch um Schönheit.
Was macht Manuka-Honig zu einem Heilmittel?
Die TU Dresden beschäftigt sich schon lange mit dem Phänomen Manuka und kam 2013 zu folgender Erkenntnis: „Was dafür verantwortlich ist, wusste man lange Jahre nicht. Wir konnten zeigen, dass eine Verbindung namens Methylglyoxal für diese antibakterielle Wirksamkeit verantwortlich ist.“ Wie die Drogeriemarkt-Kette DM erläutert, handelt es sich bei dem Wirkstoff (auch MGO genannt) um ein Zuckerabbauprodukt, das interessanterweise nicht im ursprünglichen Nektar der Südseemyrte zu finden ist: Stattdessen entsteht die Substanz offenbar erst nach der Verarbeitung durch die Bienen. Erstaunlich ist dabei, dass der benannte MGO-Wert etwa hundertmal so hoch ist, wie im herkömmlichen Honig. Diese Wirkung dürfte der Hauptgrund sein, warum die Süßspeise zu einem Exportschlager Neuseelands geworden ist, führt das Wissensportal Geo.de aus.
Methylglyoxal ist im Manuka-Honig in exorbitanten Konzentrationen enthalten, führen die Dresdner Forscher aus – die auch eine spezielle Analyse-Methode zum Nachweis der Authentizität entwickelten. Wissenschaftlerin Jana Rückriemen erklärte damals: „Das Methylglyoxal ist eine Zuckerabbau-Komponente, die letztendlich aus den Zuckern, die ja zuhauf im Honig vorhanden sind, entsteht.“ Dem Institut zufolge liegt der MGs-Gehalt bei etwa 700 bis 1000 Milligramm pro Kilogramm. "Entsprechend hohe Mengen an Methylglyoxal findet man in keinem anderen Lebensmittel", erklärte ihr Kollege Thomas Henle, Professor für Lebensmittelchirurgie. Allerdings ist der MGO-Gehalt je nach Südseemyrte unterschiedlich hoch.
Welche Wirkung wird Manuka-Honig zugeschrieben?
Ziemlich alle bekannten Honigsorten enthalten Wasserstoffperoxid, das medizinischen Erkenntnissen zufolge eine antiseptische Wirkung besitzt und auch in der Wundversorgung zum Einsatz kommt. Wissenschaftsportale berichten über die antibakterielle Eigenschaft von Methylglyoxal, um Infektionen zu behandeln. Ob jedoch der konventionell erhältliche Manuka-Honig der Gesundheit förderlich ist, ist zumindest fraglich. Für derartige Zwecke gibt es nämlich spezielle Varianten, schildert die Wissenschaftsplattform Spektrum.de: So gibt es für die Gesundheitsbranche speziellen, als Medizinprodukt zugelassenen Manuka-Honig (sterilisiert). Erreger können damit abgetötet und die Wundheilung beschleunigt werden. MGO kann zudem wohl gegen manche Keime besser wirken als gängige Antibiotika. Auch bei Pilzerkrankungen wie Flechten oder Fußpilz wird eine heilende Wirkung attestiert, so das Ärzteportal Quimeda.
Dabei sollte es sich um medizinischen Manuka-Honig handeln: Denn laut Spektrum.de überleben zwar keine Bakterien in dem Wirkstoff, sehr wohl jedoch deren Sporen. Werden diese Clostridien dann über die Wunde aufgenommen, können sie sich demnach im Körper vermehren und potenziell lebensgefährliche Neurotoxine erzeugen, so das Portal weiter. Über den Unterschied zu "normalem" Manuka-Honig schreibt übrigens Medizin-transparent.at: "Medizinischer oder therapeutischer Honig (...) wird speziell vorbehandelt, etwa mit Gammastrahlen, sodass er keine Verunreinigungen oder Keime enthält, (...) die zu unerwünschten Nebenwirkungen führen."
Kann Manuka-Honig auch schädlich sein?
Wie erwähnt, sollte die Wundversorgung mit Manuka-Honig nur unter Vorbehalt einer ärztlichen Rücksprache erfolgen. Dazu ist wie mit vielen Nahrungsmitteln auch bei Manuka-Honig von einer Überdosierung abzuraten. Denn trotz der entzündungshemmenden Wirkung gilt: Der Zuckergehalt von Honig beträgt um die 70 Prozent, das bedeutet im Hinblick auf Kalorien und möglicher Folgen für den Stoffwechsel ist die Süßspeise mit Vorsicht zu genießen.
Manuka-Honig ist teuer – aufgepasst vor Fälschungen
Letztlich gibt es drei negative Aspekte, die bei Manuka-Honig zu erwähnen sind: Zum einen handelt es sich um ein Produkt, das auf einem langen Weg transportiert wird und daher aus ökologischen Gesichtspunkten bemängelt werden kann. Darüber hinaus werden für die köstliche Süßspeise mit der heilenden Wirkung höhere Preise fällig als für herkömmlichen Honig. Freilich sind die Transportkosten ein Grund dafür, jedoch kommt auch der jeweilige Methylglyoxal-Gehalt zum Tragen: Je höher dieser Wert ist, desto besser die antiseptische Wirkung.
Ein weiterer Punkt ist, dass bei der wachsenden Beliebtheit von Manuka-Honig auch der Handel mit Fälschungen eine Rolle spielt. Bereits in aller Welt wurden Manuka-Honigprodukte entdeckt, die in Wirklichkeit gar keine MGO-Inhaltsstoffe enthielten – womit der gesundheitliche Effekt hinfällig ist. Die Dresdner TU um Lebensmittelchemiker Henle stellte dies auch in Deutschland fest: Derartige Angebote würden mit erdachten Angaben wie zum Beispiel "active plus oder active 10" in Reformhäusern stehen oder im Internet angeboten. Wie Verbraucher und Verbraucherinnen mögliche Fälschungen erkennen können: Auf der Verpackung von "echtem" Manuka-Honig sind Prüfsiegel zum Methylglyoxal-Gehalt (MGO) vorhanden, oder aber die neuseeländische Bezeichnung UMF. Hierfür entrichten die neuseeländischen Imker und Händler eine Lizenzgebühr. Manche Produkte weisen diesbezüglich eine "Fernmark Licence Number" aus, ein spezifisches Trademark-Zeichen.