Ob Lisa del Giocondo bewusst war, welches Nachleben sie haben würde? Ob sie ahnte, dass ihr Porträt, das Leonardo da Vinci gemalt hat, sie Jahrhunderte später in die Sphäre der Superstars katapultieren würde? Denn im Louvre findet vor ihrem Gemälde tagtäglich ein Spektakel statt. Die Menschen drängen sich, um einen Blick auf Mona Lisa zu erhaschen, oder vielmehr, um ein Foto von ihr mit dem eigenen Smartphone zu schießen. Wenn Lisa del Giocondo, die von 1479 bis 1537 lebte, diesen Trubel jeden Tag durchstehen müsste, sie hätte wahrscheinlich schon längst ihr geheimnisvolles Lächeln verloren.
Mediziner aus Texas analysiert Da Vincis Mona Lisa
Apropos Geheimnis. Ein Mediziner aus Texas hat sich auf dem Europäischen Kongress für Adipositas festgelegt: Leonardo da Vinci habe ihr nicht aus Jux und Dollerei oder falscher Farbauswahl einen Gelbstich mitgegeben, vielmehr habe sie möglicherweise unter einer schweren Schilddrüsenunterfunktion gelitten. Was dann laut Dr. Michael Yafi zu den üppigeren Körperproportionen geführt haben könnte. In Kunstgeschichtsseminaren auf dieser Seite des Atlantiks hörte man diese These schon vor 20 Jahren.
Kunstgeschichte zeigt Üppigkeit als früheres Schönheitsideal
Doch Yafi holte dann weiter aus, denn die Kunstgeschichte sei voller Beispiele, die zeigten, dass Üppigkeit vor Jahrhunderten als Schönheitsideal – vor allem auch in der Kunst – galt. Seine Quintessenz, mit der ihn die Bild zitiert: „Wenn Ärzte sehen, dass Fettleibigkeit über Jahrhunderte hinweg als etwas Positives angesehen wurde, wird ihnen das helfen, weniger urteilsvoll und empathischer zu sein.“ Einfühlsame Ärzte wünschen wir uns doch alle. Und falls Ärzte doch mal schonungslos urteilen wollen: gerne über kunsthistorische Figuren, die stecken das leichter weg.
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