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Nachruf auf Giorgio Armani: Der Meister der schlichten Eleganz stirbt mit 91 Jahren

Mode

Nachruf auf Giorgio Armani: Der Meister der schlichten Eleganz ist tot

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    Bis ins hohe Alter arbeitete Armani Tag für Tag. (Archivbild)
    Bis ins hohe Alter arbeitete Armani Tag für Tag. (Archivbild) Foto: Claudio Onorati, ANSA/dpa

    Es ist diese legendäre Szene aus einem Film über sein Lebenswerk, die Giorgio Armanis Mode-Revolution wohl am besten beschreibt: Mit einer Schere löst der Italiener das Futter aus einem Sakko, reißt dann mit roher Gewalt die Schulterpolster heraus, entfernt Schritt für Schritt das gesamte Innenleben des klassischen Jacketts. Und genau das ist es letztlich, was Armani ausmachte: Mit dieser radikalen Art der Reduzierung, einer bewussten Beschränkung aufs Wesentliche revolutionierte er Ende der 70er Jahre erst die Männer-, später dann auch die Damenmode. Der Modeschöpfer, der vielen als der letzte große seiner Art galt, hat einen unverkennbaren Stil geprägt: lässig und edel, eine schlichte Eleganz, die niemals steif wirkt.

    Armani, der nun im Alter von 91 Jahren gestorben ist, erfand nicht nur das Sakko neu, er machte auch das T-Shirt zum Anzug salonfähig. Wie sonst hätte Don Johnson in der Achtzigerjahre-Kultserie „Miami Vice“ so auftreten können – als Florida-Cop mit weißem T-Shirt zum pastellfarbenen Sakko, die Ärmel nach oben gekrempelt. Und dann dieser Satz, den Johnson als „Sonny Crockett“ dahin nuschelte: „Ich trage Armani und du die Maschinenpistole.“

    Für seine Landsleute galt der Italiener als ein wohl gealterter Mann – immer schlank, stets gebräunt, mit weißem Haar, ein Vorzeige-Italiener schlechthin. So kannte man ihn bei den Modeschauen in Paris, aber vor allem in Mailand, wo er zu Hause war und neue Kollektionen schon mal im Keller seines Wohnhauses zeigte.

    „Wir sehen uns im September“, sagte Armani noch zuletzt

    Im Juni fehlte der Star-Designer erstmals krankheitsbedingt bei der Mailänder Modewoche. An seinem 91. Geburtstag am 11. Juli bedankte sich der Italiener mit einer großen Zeitungsanzeige in mehreren italienischen Zeitungen für all die guten Wünsche und Nachrichten, die ihn deshalb erreichten. Zugleich kündigte er für September sein Comeback an. Er schloss damals mit den Worten: „Vielen Dank. Wir sehen uns im September.“

    Gearbeitet hat der Modeschöpfer bis zuletzt. Als ihn die Mailänder Universität im Mai 2023 zum Ehrendoktor ernannte, trug Armani Talar und Schärpe, wie es sich zum Doktorhut gehört. In seiner Dankesrede sagte er: „Diese Arbeit ist für mich das Leben, ein ständiger Akt der Liebe.“

    Dabei war die Mode nicht unbedingt das Naheliegendste. Armani, der in Piacenza, eine Autostunde von Mailand entfernt, aufwuchs, wollte eigentlich Arzt werden. Doch das Medizinstudium hielt er nur zwei Jahre durch. Beim Militärdienst in einem Hospital merkte er, dass das nicht seine Welt war. Der Sohn eines Buchhalters und einer Hausfrau jobbte zuerst als Schaufensterdekorateur für die italienische Kaufhauskette La Rinascente in Mailand. Später stieg er dort zum Einkäufer auf, traf dort den vier Jahre älteren Designer Nino Cerruti und entwarf von 1964 an Mode. Einfach so. Später gestand er einmal, er sei froh, keine klassische Schneiderlehre gemacht zu haben. Er hätte sich wahrscheinlich sonst nicht so radikal aufs Wesentliche beschränken können.

    Mitte der Siebzigerjahre gründete Armani mit seinem Lebensgefährten Sergio Galeotti eine eigene Firma: die Giorgio Armani SpA. Das war die Keimzelle eines Konzerns, der heute viele Milliarden wert ist: Das Geld kam anfangs durch Mode herein, dann auch durch Kosmetik, Uhren, Schmuck und Hotels. Seit Galeottis frühem Tod 1985 gehörte das Unternehmen Armani allein. Er lebte, soviel man weiß, auch allein weiter. Eigene Kinder hatte er nie, er hinterlässt zwei Nichten und einen Neffen. An die Börse ging er nie. Alle Übernahmeangebote lehnte er ab. Rund um den Globus gehören zum Konzern heute 8700 Beschäftigte, mehr als 2000 Geschäfte, oft in besten Lagen, mit einem Jahresumsatz von mehr als 2,3 Milliarden Euro. Armanis persönliches Vermögen wird auf sieben Milliarden geschätzt. (mit dpa)

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