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Nahost: Wie Erdogan den Einfluss der Türkei im Nahen Osten ausweiten will

Nahost

Wie Erdogan den Einfluss der Türkei im Nahen Osten ausweiten will

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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will eine neue Allianz im Nahen Osten bilden.
    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will eine neue Allianz im Nahen Osten bilden. Foto: Vyacheslav Prokofyev, dpa

    „Türken, Kurden, Araber.“ Fast hypnotisch wiederholte Recep Tayyip Erdogan diesen Dreiklang. Der türkische Präsident nutzte eine Grundsatzrede nach Beginn der Entwaffnung der Terrorgruppe PKK, um seine Vision für die Zukunft seines Landes und des Nahen Ostens vorzustellen. „Türken, Kurden, Araber“ – etwa 20-mal sprach Erdogan seine Vision aus, wie er eine neue Allianz im Nahen Osten schmieden und den Einfluss der Türkei in der Region ausweiten will.

    Nach 40 Jahren soll der Krieg mit der PKK enden

    Bei der Tagung der Regierungspartei AKP stand Erdogan vor der Aufgabe, seinen konservativ-nationalistischen Anhängern zu erklären, warum er sich mit dem lange als Kindermörder verteufelten Gründer der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan, auf ein Ende des mehr als 40-jährigen Kurdenkrieges geeinigt hat. Die PKK hatte am Freitag im Nordirak die ersten Waffen abgegeben. Der Schmerz über den Tod von Soldaten und Zivilisten sei nicht vergessen, sagte Erdogan am Samstag. Doch die Entwaffnung der PKK eröffne für die Türkei und den Nahen Osten ein neues Kapitel.

    Die Türkei gehe im Bündnis mit Kurden und Arabern einer strahlenden Zukunft entgegen, sagte Erdogan und verwies auf die Vergangenheit dieser Zusammenarbeit; große Teile des Nahen Ostens gehörten jahrhundertelang zum türkischen Osmanenreich. Der türkische Journalist und AKP-Kenner Rusen Cakir kommentierte, Erdogan entwerfe eine „neu-osmanische“ Vision einer Region unter türkischer Führung.

    Erdogan erinnert an die Geschichte des osmanischen Reichs

    Gemeinsam hätten Türken, Kurden und Araber die Region geprägt, sagte Erdogan: Bagdad, Damaskus, Aleppo, Jerusalem, Istanbul und Ankara zählten zum gemeinsamen Erbe. „Vom Chinesischen Meer bis zur Adria“ habe das gemeinsame Einflussgebiet gereicht. Wann immer Türken, Kurden und Araber in der Geschichte einig gewesen seien, hätten sie gewonnen. Wann immer sie sich vom Westen auseinanderdividieren ließen, hätten sie verloren. Nun entstehe ein neues „Jerusalem-Bündnis“.

    Erdogan habe in der Rede deutlich gemacht, „dass die regionalen Interessen der Türkei nicht auf die eigenen Grenzen beschränkt werden können“, sagte Hüseyin Cicek, Türkei-Experte an der Universität Wien, im Gespräch mit unserer Redaktion.

    Was der Begriff „Jerusalem-Bündnis“ bedeutet

    Der Begriff „Jerusalem-Bündnis“ zeigt, dass Erdogan in Israel den regionalen Hauptgegner der Türkei sieht. Die israelische Regierung, die mit Erdogan wegen des Gaza-Krieges im Clinch liegt, befürchtet, dass die Türkei ihren Einfluss über Syrien bis an Israels Grenzen ausweiten könnte. Umgekehrt wirft Erdogan den Israelis vor, bis an die türkische Südgrenze vorrücken zu wollen. Nach israelischen Luftangriffen auf syrische Militärstützpunkte, die für die Stationierung türkischer Soldaten vorgesehen waren, einigten sich beide Seiten im Frühjahr auf Gespräche, um eine Eskalation zu verhindern. Der Interessenskonflikt bleibt aber bestehen.

    Unterstützung für Erdogans anti-israelische Linie kommt von PKK-Chef Öcalan. Er sagte laut Medienberichten, Israel wolle die Kurden gegen die Türkei instrumentalisieren. Diese Position ebnete Erdogan den Weg für den Friedensschuss mit der PKK. Mit Öcalans Segen will er mit seiner nationalistischen Partnerpartei MHP und der legalen kurdischen Partei DEM über gesetzliche Reformen zugunsten der Kurden beraten. Erdogan deutete an, dass es eine Amnestie für kurdische Häftlinge geben könnte, konkrete Aussagen vermied er. Auch den Namen der größten Oppositionspartei, der säkulären CHP, erwähnte Erdogan nicht. Seine Regierung setzt die CHP seit Monaten mit der Verhaftung von Spitzenpolitikern unter Druck. Nun will der Präsident die CHP bei den Beratungen über Reformen ausgrenzen.

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