Herr Waalkes, darf man Sie eigentlich im Interview einfach so mit Otto ansprechen?
OTTO WAALKES: Ich bitte darum. Meinen zweiten Vornamen höre ich nicht so gern.
Der lautet Gerhard. Also: Otto, Sie haben gerade 77. Geburtstag gefeiert. Wie war die Party? Und wo?
OTTO: Feuchtfröhlich. Ich war nämlich auf See.
Die Zahl 77 steht in der Numerologie ja oft für Selbstfindung und spirituelles Erwachen, in der christlichen Tradition für Vollendung oder einen wichtigen Wendepunkt. Was könnte erwachen in Ihnen oder sich in Ihrem Leben wenden?
OTTO: Dies Gedicht von F.W. Bernstein sagt wohl alles, es heißt „Warnung an alle“: „In mir erwacht das Tier./ Es ähnelt einem Stier./ Das ist ja gar nicht wahr,/ in mir sind Tiere rar./ In mir ist's nicht geheuer,/ da schläft ein Zuckerstreuer./ Und wenn der mal erwacht,/ dann gute Nacht!“
Oha! Otto, Sie wirken auf Außenstehende noch so fit, als wären Sie einem Jungbrunnen entstiegen. Gibt es da ein Geheimnis, einen befreundeten Schönheits-Doc beispielsweise? Oder macht Lachen doch keine Falten? Man sagt ja zumindest, es sei die beste Medizin überhaupt.
OTTO: In medizinischen Fragen bin ich nicht bewandert, aber Komplimente tragen auch zur Gesundheit bei. Dankeschön!
Zu Ihrem Geburtstag hat der Piper-Verlag nun ein Büchlein mit dem malerischen Titel „Kunst in Sicht“ herausgebracht. Wie kam es dazu?
OTTO: Die Bilder waren da – fehlte nur noch der Text. Und fertig war das Buch.
Sie, wie soll man sagen, verwandeln dabei weltbekannte Kunstwerke von Manet, Monet oder Magritte zu „Otto-Art“. Was hat Sie dazu inspiriert?
OTTO: Ich wollte vor allem wissen, wie die alten und jüngeren Meister ihre Werke gemacht haben. Und kopieren geht über studieren. Und noch darüber geht das Parodieren als aufrichtigste Form der Verehrung.
Und über allen thront der Ottifant. Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie eigentlich Ihren ersten Ottifanten gezeichnet?
OTTO: Auch das steht im Buch, sogar gereimt. Ich ging noch zur Schule und zeichnete gern, vor allem Karikaturen meiner Lehrer. Als ich mich selbst im Profil zeichnen wollte, kam dabei etwas anderes heraus: der Ottifant.
Sie haben in Ihren frühen Jahren mal ernsthaft Malerei studiert. Welcher Witzbold hat Sie dann auf die Idee gebracht, es mit der Komik zu versuchen?
OTTO: Ich glaube, zum Komiker wird man nicht gemacht, dazu wird man geboren.
Ihre Fans kennen Sie nur ausgelassen, witzig und heiter. Gab es in Ihrem Leben auch Momente, in denen Otto traurig war? Und wie darf man sich den traurigen Otto vorstellen?
OTTO: Natürlich gab es solche Momente – aber vorstellen müssen Sie sich den traurigen Otto nicht, das fällt sogar mir selbst schwer.
Wann wussten Sie, dass Sie Komiker werden wollten und nicht Liedermacher oder Maler?
OTTO: Ich war beides tatsächlich – ich habe Malerei studiert und wollte mir mein Studium mit Protestsongs verdienen. Das ging irgendwie immer schief, und über meine Entschuldigungen hat das Publikum gelacht. Bei den Entschuldigungen ist es dann geblieben.
Und was bedeutet Ihnen Ihre Kunst im Vergleich zur Musik und zur Komik?
OTTO: Schwer zu sagen... Malen ist eine andere Form von Geistesgegenwart, es gibt da nicht sofort ein Richtig oder Falsch wie bei einem falschen Ton oder einem missglückten Gag. Man fühlt sich daher freier.
Stehen Sie regelmäßig an der Staffelei oder malen Sie frei?
OTTO: Wenn ich Zeit und Lust habe, gehe ich in mein kleines Atelier und male – selten in freier Natur, denn meine Vorbilder gibt es ja schon.
Und da ist ja noch der Film. Für Ihren ersten Otto-Film sollen Sie sogar Michael Jackson angerufen haben, um ihm Ihre Version von „Thriller“ am Telefon vorzuspielen und genehmigen zu lassen. Kannte der Sie?
OTTO: Nein – aber seinen eigenen Song hat er sofort wiedererkannt.
Woher hatten Sie eigentlich die Telefonnummer von ihm?
OTTO: Ich glaube, wir waren damals bei derselben Plattenfirma.
Sie sind ja inzwischen im gereiften Otto-Alter und so ein Filmprojekt ist ziemlich aufwendig. Dürfen Ihre Fans vielleicht dennoch auf einen weiteren Film hoffen?
OTTO: Hoffen dürfen sie – das tue ich auch. Ich würde gern einen Piratenfilm machen, vielleicht auf einem Raumschiff. Und dann meldet der Ausguck: „Kunst in Sicht“!
Zur Person
Otto Waalkes wurde am 22. Juli 1948 im ostfriesischen Emden geboren. Seit Jahrzehnten im Geschäft, gehört er unverändert zu den bekanntesten und beliebtesten Komikern Deutschlands. „Otto – Der Film“ von 1985 zählt zu den erfolgreichsten deutschen Kinofilmen. Sein Buch „Kunst in Sicht“ – mit einem Vorwort von Udo Lindenberg – ist kürzlich im Piper Verlag erschienen (176 Seiten, 26 Euro).
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