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Pizza und Pasta: Wird die italienische Küche jetzt Weltkulturerbe? Unesco entscheidet an diesem Mittwoch

Unesco

Wird die italienische Küche jetzt Weltkulturerbe?

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    Als ab den 1970ern immer mehr Deutsche in Italien Urlaub machten, kamen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus: echte Pizza, Pasta al dente, Espresso an der Bar!
    Als ab den 1970ern immer mehr Deutsche in Italien Urlaub machten, kamen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus: echte Pizza, Pasta al dente, Espresso an der Bar! Foto: Arno Burgi, dpa

    Die italienische Küche soll Teil des immateriellen Weltkulturerbes werden. Das hat Italien bei der Weltkulturorganisation Unesco beantragt. Deren zuständiger Ausschuss tagt noch bis Samstag in Neu-Delhi, die Entscheidung soll bereits an diesem Mittwoch fallen. Und man kann sagen: Italien wartet gespannt. 66 Vorschläge aus 56 Ländern liegen der Kommission vor, darunter das Jodeln in der Schweiz, die Schwimmbadkultur in Island oder das hinduistische Lichterfest Diwali. Zur italienischen Küche hat man als Mensch nördlich der Alpen aber ja selbst meist einen ganz eigenen Bezug – angefangen bei der Tiefkühlpizza, nicht al dente gekochten Nudeln oder „dem Italiener“ von nebenan.

    In Deutschland begann alles mit den „Gastarbeitern“ in den 1950ern

    Der Effekt einer Würdigung durch die Unesco? Einer Untersuchung der Sapienza-Universität Rom zufolge haben die Kurse der neapolitanischen Pizzabäcker nach der Anerkennung 2017 um 283 Prozent zugenommen. Nach der Anerkennung des Trockenmauerbaus auf der Mittelmeer-Insel Pantelleria im Jahr 2018 sei dort der Tourismus um 9,7 Prozent gestiegen, heißt es. Und auch den Prosecco-Hügeln im Valdobbiadene bescherte die Aufnahme in die Unesco-Liste ein Plus von 45 Prozent touristischer Einrichtungen.

    Nun will erstmals eine ganze Bewegung, eben die italienische Nationalküche, aufgenommen werden. Nicht auszudenken, wie Franzosen und Spanier auf ein Ja reagieren werden! Dass als Folge von Innsbruck bis Norderney dann mehr Pasta konsumiert wird, ist aber unwahrscheinlich. Ohnehin gehört die italienische Küche längst zum mitteleuropäischen Kulturerbe, sie nistete sich hier gewissermaßen Jahrzehnt für Jahrzehnt mehr ein.

    Die ersten Gastarbeiter im Wirtschaftswunderland waren Italiener. Sie brachten neue Essgewohnheiten mit.
    Die ersten Gastarbeiter im Wirtschaftswunderland waren Italiener. Sie brachten neue Essgewohnheiten mit. Foto: Hans Heckmann, dpa

    Begonnen hat alles mit den „Gastarbeitern“ in den 1950ern, die neue Essgewohnheiten und Eisdielen mitbrachten. Es folgten die ersten Ristoranti und Trattorie mit im Süden gar nicht existenten Gerichten wie „Pizza Wurstel“ oder „Spaghetti Bolognese“. Von den 1970ern an wagten sich zunehmend Urlauberinnen und Urlauber nach Italien und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus: echte Pizza, Pasta al dente, Espresso an der Bar. Ein Markt tat sich auf, und Spaghetti, Tomatensoße, Olivenöl und Parmesan wurden auch in nördlichen Supermärkten, sogar in Feinkostläden angeboten.

    Dank Italien wurde unser Leben süßer

    Das Leben im Norden wurde – dank Italien – süßer. Heute kommt ja kaum noch jemand ohne Cappuccino, Aperitivo oder Antipasti aus. Das Erfolgsrezept: Die italienische Küche ist einfach, frisch, bezahlbar und gesund. Sie vermittelt Gefühle, weckt Urlaubs-Erinnerungen: „Weißt du noch, Schatz, diese unglaublichen Spagehtti Vongole in Riccione?“

    Wenn also die italienische Küche für uns schon eine derart große Bedeutung hat, wie stark müssen sich Italienerinnen und Italiener mit ihr identifizieren? Kein Volk räumt dem Gespräch über Rezepte, Lebensmittel, Gerichte und Details zu Zubereitung und Verzehr mehr Raum ein als das Italiens, könnte man sagen. Die Autoren des Dossiers, das Italien eingereicht hat, sagen es so: Das Kochen in Italien „geht über die bloße Nahrungsaufnahme hinaus und wird zu einer komplexen und vielschichtigen Alltagspraxis“. Es handele sich um ein „lebendiges Erbe, gegründet auf einem soliden Wissensfundament, gefestigten Ritualen und überlieferten Gesten, die im Laufe der Zeit eine unvergleichliche Verschmelzung kulinarischer Gewohnheiten, den raffinierten und kreativen Umgang mit Rohstoffen und Zubereitungsmethoden geformt haben“.

    „Essen ist in erster Linie ein kultureller Ausdruck“

    Tatsächlich können Italiener stundenlang über die Vorzüge der breitrandigen neapolitanischen oder der flachen römischen Pizza diskutieren, die Zubereitung des Ragus nach Bologneser Art analysieren, von gefüllten sizilianischen Reisbällchen namens Arancini schwärmen, über ligurische Pesto-Varianten debattieren oder Erlebnisse im Zusammenhang mit dem Verzehr neapolitanischer Parmigiana ausbreiten. Der Streit über die Herkunft des Tiramisus oder Sakrilege wie die Verwendung von Sahne bei der Herstellung einer Carbonara sind längst „Klassiker“: Die Diskussionen darüber scheinen nie zu enden.

    Der Streit über die Herkunft des Tiramisus macht immer wieder Schlagzeilen – in Italien wie in Deutschland.
    Der Streit über die Herkunft des Tiramisus macht immer wieder Schlagzeilen – in Italien wie in Deutschland. Foto: Lotte Glatt, dpa

    Essen ist ein Gefühl in Italien, ein verbindendes Gefühl in polarisierenden Zeiten. Es ist Teil der Identität Italiens und seiner regionalen Unterschiede. „Die Anerkennung der Küche als Weltkulturerbe würde zu einem Paradigmenwechsel führen“, sagt Pier Luigi Petrillo, einer der beiden Kuratoren des Antrags. „Es würde bestätigen, dass Essen in erster Linie ein kultureller Ausdruck ist.“

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