Ein feines Surren kündigt ihn an: Durch das zum Windsor Great Park führende Palasttor rollt ein E-Scooter in den Hof, am Lenker Prinz William im dunklen Anzug und Turnschuhen. Er bremst neben Eugene Levy, bekannt aus Filmen wie „American Pie“ und der preisgekrönten Serie „Schitt’s Creek“, der überrascht lacht und kurz in die Hände klatscht; danach folgt eine kurze Begrüßung, ohne großen Pomp. Der Auftakt setzt den Ton der Folge und steht überdies symbolisch für die Gangart des zukünftigen Monarchen: weniger Pracht, mehr Nähe.
In der Apple-TV+-Serie „The Reluctant Traveler“ (sinngemäß: „Der widerwillige Reisende“) besucht der kanadische Schauspieler und Komiker Hotels rund um die Welt und lässt sich von Einheimischen sowie prominenten Gästen herumführen. In der laufenden Staffel trifft Levy unter anderem den Jazz-Sänger Michael Bublé sowie den früheren indischen Cricketstar Rahul Dravid. Seit dem 3. Oktober ist nun die Folge mit Prinz William abrufbar. Ein Aufeinandertreffen, das Levy später als „nur schwer überbietbar“ beschreiben wird.
Am Ende geht Prinz William mit seinem Gast sogar ins Pub
Der Royal führt den Schauspieler durch „sein“ Windsor – ein Städtchen gut eine Autostunde westlich von London, in dem er mit Prinzessin Catherine und den Kindern George, Charlotte und Louis lebt. Im Zentrum des Ortes liegt Windsor Castle, das älteste durchgehend bewohnte Schloss der Welt. Hier verbrachte die im September 2022 verstorbene Königin Elizabeth II. in den letzten Jahren ihres Lebens die meiste Zeit; William wohnt mit seiner Familie jedoch nicht auf Windsor Castle, sondern in Adelaide Cottage, einem Anwesen nur wenige Gehminuten entfernt. Zum Schloss bemerkt der Prinz: „Wir nutzen es für die Arbeit und für Besprechungen.“
Als der 78-jährige Schauspieler im Rahmen der Führung beim Anblick alter Büsten und Ölgemälde sein Staunen über die Pracht äußert, kontert der Prinz amüsiert: „Das bieten wir allen an.“ Der Satz ist ein augenzwinkernder Hinweis darauf, dass solche VIP-Touren natürlich eigentlich nicht üblich sind; tatsächlich erhält Levy einen seltenen Blick hinter die Kulissen. Entscheidend ist dabei weniger Windsor Castle als Ort, sondern die ungewohnt lockere Begegnung. Denn William lässt seinen Gast vergleichsweise nah an sich heran, nimmt ihn mit zu einem Spaziergang mit Familienhund Orla, den der Kanadier zur Begrüßung mit mitgebrachten Leckerchen versorgt. Am Ende machen sie sogar einen Abstecher ins Pub. Dabei streifen sie, an einem schlichten Holztisch sitzend, viele Themen, die ansonsten oft tabu sind: die Familie, die Arbeit und die Zukunft der Monarchie. Aus dem Umfeld des Prinzen heißt es, der 43-Jährige habe sich in der Öffentlichkeit noch nie so verletzlich gezeigt.
William will die britische Monarchie behutsam modernisieren
Im Mittelpunkt der Gespräche zwischen den beiden Männern steht unter anderem Williams Blick in die Zukunft. Auf Levys Hinweis, unter ihm könne sich die Monarchie wandeln, antwortet der Prinz: „Veränderung steht auf meiner Agenda – Veränderung zum Guten“. Er betont, er fürchte Wandel nicht, sehe ihn vielmehr als Aufgabe. Die Botschaft: Es wird Modernisierung geben, jedoch ohne das Fundament zu beschädigen. William hatte seit Längerem erkennen lassen, dass er die Monarchie behutsam modernisieren will, wenn er erst einmal König ist, doch in diesem Interview benannte er diesen Kurs so klar wie selten. Royal-Experten vermuten eine Annäherung an ein skandinavisch geprägtes Modell, eine schlankere, klarer auf Wirkung und Kosten geprüfte Monarchie.
Dazu kommt ein seltener persönlicher Ton. William beschreibt 2024 als das „härteste Jahr“ seines Lebens – geprägt von den Krebserkrankungen seines Vaters, König Charles III., und seiner Frau Catherine. Er spricht von Momenten, die ihn „an nicht besonders gute Orte“ geführt hätten. Und: Es seien die Medien, „Spekulation und ständige Beobachtung, die diesen Job etwas schwerer machen als andere“, betont er bei einem Glas Cider im Pub „The Two Brewers“ in Windsor. Bemerkenswert klar formuliert William in diesem Zusammenhang auch seine Grenzen gegenüber der Presse. Geprägt von der eigenen Kindheit, sagt er, wolle er seine Kinder vor übergriffiger Aufmerksamkeit durch den Boulevard schützen. „Es geht darum, die Linie zu kennen und zu wissen, was man bereit ist, hinzunehmen.“ Für die Zuschauer wird deutlich: Hier spricht ein künftiger König, der führen will, seine Familie jedoch ins Zentrum stellt.
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