Als es in der italienischen Stadt L’Aquila im April 2009 zu einem schweren Erdbeben kam, hatten die dort lebenden Erdkröten bereits Tage zuvor ihr Laichverhalten eingestellt. Drei Jahre später, im Januar 2012, spuckte der Ätna Feuer. Wenige Stunden zuvor verhielten sich die Ziegenherden am Fuß des Vulkans unruhig. Heißt das etwa, Tiere spüren, wenn sich eine Naturkatastrophe anbahnt? Früher als die Menschen mit ihren Messgeräten? Das belegen zumindest Daten des Forschungsprojekts Icarus. Es stattet verschiedenste Lebewesen mit Sendern aus, um Schlüsse auf ihr Verhalten ziehen zu können. Was sich vor über zehn Jahren ausschließlich auf dem Planeten Erde abspielte, soll größere Dimensionen annehmen. Die Forscher richten ihre Blicke ins Weltall – und das schon zum zweiten Mal.
Antenne auf russischem Teil der ISS angebracht
Für die Forscherinnen und Forscher des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie in Radolfzell am Bodensee war es 2018 ein Meilenstein: Gemeinsam mit der russischen Raumfahrtbehörde installierten sie auf der Internationalen Raumstation eine Antenne. Diese leitete die Informationen der Tiersender an eine riesige Datenbank, auf die die ganze Welt Zugriff hatte. Doch mit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine riss der Datenstrom ab. Für die Experten eine bittere Enttäuschung.
Aufschluss über Artensterben, Tierwanderungen und Naturkatastrophen
Seit mehr als 20 Jahren arbeitet das Team rund um den Biologen und Ornithologen Martin Wikelski daran, das Verhalten der Tierwelt zu erforschen. Dabei geht es ihnen nicht nur darum, Naturkatastrophen vorhersagen zu können: An Zugvögeln befestigte Sender zeigen etwa, welche Routen die Tiere auf ihrem Weg gen Süden nehmen. Die Daten von Nashornherden sollen Aufschluss darüber geben, wo sich die Tiere aufhalten – um sie vor Wilderern zu schützen. Seuchen wie Schweinepest oder Vogelgrippe sollen durch die Messungen frühzeitig erkannt werden.
Neue Satelliten von Münchner Startup entwickelt
Damit das Abschalten der Antenne auf der ISS nicht das Ende von Icarus bedeutete, suchten die Experten in den vergangenen Jahren nach einer Lösung. Mit dem Münchner NewSpace-Startup Talos entwickelten sie eine neue Technologie. Diese ist nicht nur kleiner, kostengünstiger und leistungsstärker. Sondern macht die Forschungsarbeit vor allem unabhängig von äußeren Einflüssen. Anstelle der ISS setzt das Team auf Kleinsatelliten. Sie wiegen gerade einmal 30 Kilogramm. Bis Ende 2026 sollen mindestens fünf davon in den Orbit geschickt werden und in einer Entfernung von rund 500 Kilometern um die Erde kreisen. Die Satelliten empfangen die Daten der Tiere und schicken sie zurück Richtung Erde. Die Forscher erwarten tägliche Updates, die sie der ganzen Welt über eine Plattform zur Verfügung stellen wollen.
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