Startseite
Icon Pfeil nach unten
Panorama
Icon Pfeil nach unten

Protest gegen den Zaun im Görlitzer Park: Sicherheit oder Symbolpolitik?

Berlin

Der umstrittenste Zaun Berlins: Warum der Görli abgeriegelt werden soll

  • |
  • |
  • |
  • |
    Der Widerstand gegen den Zaunbau im Herzen Berlins bleibt ungebrochen.
    Der Widerstand gegen den Zaunbau im Herzen Berlins bleibt ungebrochen. Foto: Soeren Stache/dpa

    Mit dem Aufzeigen von Grenzen ist das in Berlin so eine Sache. Die Bewohnerinnen und Bewohner der einstmals geteilten Stadt reagieren empfindlich, wenn es um Einschränkungen geht. Selbst dann, wenn sie einem guten Zweck dienen könnten, wie im Fall des Zauns rund um den Görlitzer Park. Für eine klare Trennung zwischen Dealern und Kriminellen auf der einen und unbescholtenen Bürgern auf der anderen Seite soll das Bauwerk im Berliner Bezirk Kreuzberg sorgen. Doch der Protest gegen den Zaun reißt nicht ab.

    Zuletzt versammelten sich Hunderte Menschen im „Görli“ zum „Rave against the Zaun“. Mit Musik, viel Bass und Redebeiträgen machten sie deutlich, was sie von den Bauarbeiten im Park halten: nichts. Der tanzende Protest richtete sich gegen jene Mehrheit im Berliner Senat, die den Park mithilfe des Zauns künftig nachts komplett abriegeln will.

    Der Görli im Herzen Berlins ist ein Brennpunkt

    Der Görlitzer Park liegt beschaulich im Herzen Kreuzbergs. Es gibt Grünflächen, Sportplätze und einen kleinen Kinderbauernhof. Touristen, die auf der Suche nach einem Rest Berliner Subkultur sind, werden hier fündig. Gleichzeitig gilt der Park als Brennpunkt, als Ort, an dem es Drogen und Gewalt gibt. Die Berliner Polizei hat den Görli und den angrenzenden Wrangelkiez als „kriminalitätsbelasteten Ort“ eingestuft. Das erlaubt besondere polizeiliche Befugnisse wie verdachtsunabhängige Kontrollen.

    Im Berliner Sicherheitsdiskurs ist der Görlitzer Park seit Langem ein zentraler Schauplatz. Der Zaun ist Teil eines Konzepts, das der Senat 2023 nach ebenfalls langer Diskussion beschlossen hat. Anlass für die Zuspitzung der Debatte war eine mutmaßliche Gruppenvergewaltigung im Park. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erklärte, durch die nächtliche Abriegelung wolle man Straftaten verhindern und den Park sicherer machen.

    Der Widerstand gegen den Zaunbau ist groß

    Ursprünglich sollte der Zaun bereits 2024 fertiggestellt sein. Doch es gab massiven Widerstand – nicht nur von Anwohnerinnen und Anwohnern, sondern auch von der Bezirksverwaltung. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg klagte 2024 jedoch erfolglos vor dem Verwaltungsgericht gegen den Senat. Dabei geht es nicht allein um den Zaun an sich. Der Görli ist wie kaum ein anderer Platz in der Hauptstadt zum Symbol für die Unfähigkeit des Senats geworden, die Probleme der Stadt in den Griff zu bekommen: die starke Vermüllung oder die Veränderung der Kieze durch den Tourismus.

    Laut Polizei wurden im Görli vergangenes Jahr 936 Straftaten registriert – das war fast die Hälfte aller Straftaten, die in Berliner Parks gemeldet wurden, darunter rund 190 Gewaltdelikte wie Körperverletzungen oder Raub sowie 173 Diebstähle. Die hohe Zahl der Straftaten hängt aber auch mit der intensiven Polizeipräsenz zusammen: 2024 verbrachten Einsatzkräfte rund 10.000 Stunden im Park. In den angrenzenden Bereichen, etwa an der Reichenberger Straße, der Wrangelstraße oder in Alt-Treptow, liegt die Kriminalitätsbelastung sogar noch deutlich höher. Von Januar bis September 2024 wurden dort rund 9.000 Straftaten verzeichnet – ein Vielfaches der Zahlen im Park selbst.

    Gegner des Zauns halten dessen Bau für reine Symbolpolitik

    Der Senat verteidigt den Zaun als notwendige Maßnahme, nachdem frühere Versuche, den Görli sicherer zu machen, gescheitert sind. Kritikerinnen und Kritiker sprechen hingegen von Symbolpolitik. Die Bedenken richten sich vor allem gegen die grundsätzliche Logik des Projekts. Viele bezweifeln, dass der Zaun überhaupt geeignet ist, die Probleme zu lösen. Sie warnen davor, dass sich die Delikte einfach auf andere Straßen und andere Uhrzeiten verlagern dürften.

    Zumal: Eine nächtliche Schließung trifft alle gleichermaßen, auch unbeteiligte Besucherinnen und Besucher. Zivilgesellschaftliche Initiativen sehen darin eine unnötige Einschränkung. Ihr Argument: In Zeiten, in denen Innenstädte zunehmend kommerzialisiert sind, blieben öffentliche Parks wichtige Rückzugsorte – frei von Konsumzwang.

    Die Kosten für den Zaun um den Görli sind hoch

    Außerdem stoßen die hohen Kosten für das Projekt angesichts des Berliner Sparkurses auf immer größeres Unverständnis. Allein für den Bau sind rund 1,2 Millionen Euro eingeplant. Mit weiteren Ausgaben summieren sich die Gesamtkosten auf mehr als zwei Millionen Euro. Für das jährliche „Schließmanagement“ rechnet der Senat zusätzlich mit 800.000 Euro. Protestierende fordern stattdessen mehr Investitionen in Sozialarbeit, Suchthilfeprogramme sowie Ausstiegsangebote für Dealer. Der Widerstand gegen den Zaun bleibt trotz laufender Bauarbeiten hör- und sichtbar. Womöglich sogar mit Erfolg. Mit der Errichtung wurde zwar kürzlich begonnen. Zu sehen ist allerdings noch nicht viel.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 2 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren