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Proteste in Athen: Offenbar verschuldeter Rentner erschießt sich öffentlich

Proteste in Athen

Offenbar verschuldeter Rentner erschießt sich öffentlich

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    Nachdem sich ein 77-jähriger Rentner in Athen öffentlich selbst hingerichtet hatte, kam es zu spontanen Protesten gegen die griechische Sparpolitik. Dabei gab es heftige Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei.
    Nachdem sich ein 77-jähriger Rentner in Athen öffentlich selbst hingerichtet hatte, kam es zu spontanen Protesten gegen die griechische Sparpolitik. Dabei gab es heftige Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Foto: ARIS MESSINIS / AFP

    Auf offener Straße hat sich ein  77-jähriger Mann im Zentrum von Athen mit einem Schuss in den Kopf getötet. Bevor er sich erschoss, rief er Medienberichten zufolge, dass er seinen Kindern keine Schulden  hinterlassen wolle. Die Polizei wollte das zunächst nicht  bestätigen.

    Proteste nach Selbstmord des Rentners

    Euro-Krise: Diese Finanzbegriffe sollten Sie kennen

    Staatsanleihen: Sie sind für Staaten die wichtigsten Instrumente, um ihre Finanzierung langfristig sicherzustellen. Der ausgebende Staat sichert in der Regel die Rückzahlung der Summe plus einen festen Zinssatz zu einem festgelegten Zeitpunkt zu. Die Laufzeiten liegen bei bis zu 30 Jahren.

    Auktion: Dies ist der bevorzugte Weg für Staaten, um ihre Schuldpapiere zu verkaufen. Einige Tage vor dem Verkauf werden Summe und Laufzeiten der Anleihen bekannt gemacht. An einem festgelegten Tag können dazu berechtigte Investoren ihre Gebote abgeben. Die Bieter mit den günstigsten Geboten erhalten den Zuschlag. In der Euro-Krise haben einige Staaten, darunter auch Deutschland, bei Auktionen auch schon nicht genug Käufer gefunden. Andere Staaten mussten höhere Zinsen als geplant bieten, um ihre Papiere loszuwerden.

    Primär- und Sekundärmarkt: Die Neuausgabe von Staatsanleihen wird als Primärmarkt bezeichnet. Danach werden sie wie gewöhnliche Wertpapiere weitergehandelt, am sogenannten Sekundärmarkt. Er funktioniert wie ein Gebrauchtwarenmarkt - bereits ausgegebene Staatsanleihen werden während ihrer Laufzeit weiterverkauft. Dabei können sie im Laufe der Zeit an Wert zunehmen oder verlieren. Ein Verkauf vor Ablauf der Laufzeit kann also Gewinn bringen - oder Verlust.

    Zins: Dies ist die Summe, die ein Schuldner - bei Staatsanleihen also der Staat - pro Jahr zusätzlich zahlen muss, damit er für eine bestimmte Zeit Geld geliehen bekommt. Bei den Staatspapieren haben die Zinsen für kriselnde Länder wie Italien in den vergangenen Wochen ständig neue Höchstwerte erreicht. Bei einer Neuausgabe zehnjähriger Staatsanleihen musste das Land zuletzt mehr als sieben Prozent Zinsen bieten - schon sechs Prozent Zinsen gelten als kritischer Wert, ab dem Länder wie Irland oder Griechenland um internationale Hilfe bitten mussten.

    Rating: Rating ist das englische Wort für Bewertung. Es wird für die Noten benutzt, die Prüfunternehmen - die Ratingagenturen - vergeben, um die Kreditwürdigkeit von Staaten zu beurteilen. Verschlechtern diese Unternehmen etwa wegen hoher Schulden die Note eines Landes, ist von einer Herabstufung die Rede. Das betroffene Land muss dann höhere Zinsen zahlen, um sich Geld zu leihen.

    Rendite: Damit wird im Prinzip der tatsächliche Gewinn bezeichnet, den ein Käufer von Schuldpapieren am Ende eines Jahres macht. Depotgebühren werden dabei eingerechnet genauso wie Kursgewinne oder -verluste. Die Rendite liegt derzeit in der Regel höher als der Zinssatz, der bei der Erstausgabe für die Staatsanleihen festgelegt wurde. Denn aufgrund der krisenhaften Entwicklung verlangen die Investoren am Sekundärmarkt Risikoaufschläge, wenn sie Staatspapiere kaufen. Unterm Strich zahlen sie damit für eine Anleihe also einfach weniger - und machen am Ende einen größeren Gewinn. An der aktuellen Rendite orientiert sich der künftige Zinssatz, der für neue Staatsschuldtitel bezahlt werden muss.

    Spread: Damit wird der Unterschied am Markt bei der Rendite von zwei Staatsanleihen angegeben. Dieser Wert, der in Basispunkten oder Prozentpunkten angegeben wird, ist umso höher, je größer das Risiko eines Zahlungsausfalls eines Landes ist. In der Euro-Krise sind die zehnjährigen Staatsanleihen Deutschlands ein Referenzwert, weil diese als besonders sicher gelten: Wenn also der «Spread» für Frankreich auf zwei Prozentpunkte steigt, dann bedeutet dies, dass das Land einen um diesen Wert höheren Zinssatz als Deutschland bei einer Neuausgabe von Schuldpapieren zahlen muss.

    Zeugen berichten, dass es nach dem Selbstmord des Mannes zu spontanen Protesten gegen die griechische Sparpolitik kam, bei denen es Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gab. Einige  Einsatzkräfte wurden vor dem Parlament im Zentrum der griechischen  Hauptstadt mit Molotowcocktails beworfen.

    Regierungschef Papademos: Es ist tragisch

    "Es ist tragisch, dass einer unserer Bürger sich das Leben  genommen hat", erklärte Regierungschef Lucas Papademos. "In diesen  schwierigen Momenten für unsere Gesellschaft, Regierung und Bürger  müssen wir Menschen unterstützen, die in Not sind." Im Gedenken an den Rentner versammelten sich später rund tausend Menschen in den Straßen Athens und legten am Fuße einer Zypresse Blumen, Kerzen und  Trauerbotschaften nieder.

    Der Mann hatte sich in unmittelbarer Nähe des Syntagma-Platzes erschossen, wo seit zwei Jahren Kundgebungen gegen die Sparpolitik der Regierung stattfinden. Die tiefe Wirtschaftskrise im hochverschuldeten Griechenland  geht mit Massenarbeitslosigkeit und einbrechenden Gehältern und  Renten einher. Zugleich haben Depressionen und Selbstmorde in  jüngster Zeit stark zugenommen. afp

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