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Schauspieler Armin Rohde: „Ich müsste definitiv mehr schlafen“

Interview

Schauspieler Armin Rohde: „Ich müsste definitiv mehr schlafen“

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    Der Schauspieler Armin Rohde sagt, die Dummheit auf der Welt mache ihm aktuell Angst.
    Der Schauspieler Armin Rohde sagt, die Dummheit auf der Welt mache ihm aktuell Angst. Foto: Henning Kaiser, dpa

    Hallo Herr Rohde, vor 15 Jahren lief mit der Komödie „Ein Schnitzel für drei“ der erste Film der sogenannten „Schnitzel“-Reihe mit Ihnen. Jetzt steht mit „Das Millionen-Schnitzel“ eine neue Produktion an. Was erwartet die Zuschauer?

    Armin Rohde: Wieder gute Unterhaltung. Die Dreharbeiten sind ein bisschen wie Familientreffen. Die beiden Figuren haben inzwischen sogar ein Eigenleben entwickelt. Selbst wir Schauspieler halten uns manchmal raus, weil die Figuren schon wissen, was sie zu tun haben. Es wird also echt lustig.

    Wie funktioniert das, wenn sich der Schauspieler aus der Rolle raushält?

    Rohde: Das heißt, die Rolle entwickelt in diesem Fall fast autonom eine ganz eigene Persönlichkeitsstruktur, die sich von meiner abkoppelt. Besser kann ich es leider nicht beschreiben.

    Kann man sagen, diese Rolle ist Ihnen auf den Leib geschnitten?

    Rohde: Nein. Ich habe ja über 200 Film- und Theaterrollen gespielt. Und ich glaube, nicht eine einzige war so, wie ich privat bin.

    Im Film spielen Sie zwei Ruhrpott-Originale. Macht das besonders Spaß, im ureigenen Dialekt zu spielen?

    Rohde: Sagen wir mal so: Der Dialekt fällt mir gewissermaßen aus dem Maul. Aber bei mir ist es so, wenn ich einen Norddeutschen spiele, höre ich mich nach einer Woche in Hamburg auch wie ein Einheimischer. Mir macht das Spaß, diese folkloristischen Klischees zu erfüllen. 

    SIE UND IHR FREUND SIND IN DER FILMREIHE JA MEISTENS ZIEMLICH PLEITE, DIESMAL HABEN SIE BEIDE WIEDER EINE GROSSE IDEE, MIT DER SIE REICH WERDEN WOLLEN: Sie wollen ein Rezept für Schnitzel-Panade verkaufen. Kann das gut gehen?

    Rohde: Na ja, wenn man die beiden Stehaufmännchen des Schicksals kennt, dann stehen sie ja für viele Menschen, deren Alltag in dieser Welt heute immer schwieriger zu bewältigen ist. Denn das, was aktuell in der Welt passiert, ist beunruhigend bis beängstigend. Ich persönlich sage allerdings: Bange machen gilt nicht! Darum halte ich es auch wichtig, dass wir im Fernsehen kleine Lagerfeuer anzünden, wie wir mit diesem Film. Da zeigen wir, worum es im Leben geht und was eigentlich wichtig ist: Freundschaften, ein Dach über dem Kopf, was zu essen. Das ist das, was zählt.

    Sie spielten überzeugend einen Fleischbrater. Können Sie eigentlich privat auch Schnitzel zubereiten?

    Rohde: Ein perfektes Schnitzel nicht. Dabei habe ich eine große Affinität zum Kochen. Die ist übrigens noch größer geworden, seit ich bei einer Kochshow vom Drei-Sterne-Koch Thomas Bühner gecoacht worden bin. Und ich kann wirklich aus allen Dingen, die im Kühlschrank sind, immer etwas Leckeres improvisiert zubereiten. Auch asiatische Suppen liegen mir. Aber ich kann nicht sagen, ich mache ein Fünf-Gänge-Menü. Oder eben ein perfektes Schnitzel. 

    Sie sind gläubiger Buddhist. Die essen gewöhnlich nicht so viel Fleisch. Wie halten Sie es mit der Religion?

    Rohde: Na, das wird öffentlich immer etwas übertrieben. Ich war früher katholischer Messdiener, bin aber mit 20 Jahren aus der Kirche ausgetreten. Nachdem ich von Hermann Hesse ,Siddartha‘ gelesen habe, habe ich mich mit Buddhismus beschäftigt. Aber ich bin nie ein orthodoxer Buddhist geworden. Mir gefällt am Buddhismus, dass es eine friedliche Philosophie ist, in deren Namen meines Wissens auch selten Bekehrungskriege geführt worden sind. Der Buddhismus hat ja auch Ähnlichkeiten mit der stoischen Schule. Vielleicht bin ich am Ende sogar mehr Stoiker als Buddhist. Mir gefällt bei beiden der pragmatische Ansatz, die Idee der kleinen Schritte. Man muss sich nie das ganz Große vornehmen, um dann frustriert zu sein, wenn es nicht klappt. Es reicht, jeden Tag einen kleinen Schritt in die richtige Richtung zu tun.

    Sie tragen den buddhistischen Namen Karma Geleg Palsang. Wie kamen Sie denn dazu und was bedeutet das?

    Rohde: Ja! (er lacht) Ich habe damals mit Freunden in einer Wohngemeinschaft in Wuppertal gelebt. Alle waren schon zum Buddhismus übergetreten, ich war der letzte Christ. Dann gab es da einen großen Raum, in den 70 bis 80 Leute reinpassten. Da wurde ein tibetischer Lama eingeladen. Er streute Reis über mein Haupt und war auch sonst sehr freundlich und souverän. Da gab es auch eine Frau, die mir gut gefiel - und ich dachte, sie würde es cool finden, wenn ich mich zum Buddhisten weihen ließe. So kam ich zum Namen Karma Geleg Palsang, was angeblich übersetzt so viel heißt wie: der mit seinen Taten glücklich unterwegs ist. Ob das stimmt, weiß ich nicht (er lacht). Für einen Melancholiker wie mich ist dieser Name jedenfalls eine ständige Ermunterung.

    Sie haben als junger Mann vor der Karriere auch als Hilfsarbeiter, Reisebegleiter und Postsortierer gearbeitet. Träumten Sie als damals auch davon, reich zu werden?

    Rohde: Nein, damals war ich einfach nur froh, die Schule hinter mich gebracht zu haben. Ich hatte den Traum, dass mir von da an niemand mehr sagen sollte, was ich zu tun habe. Nun hatte ich aber erst einmal Jobs, wo genau das der Fall war. Und auch als Schauspieler bekommt man ja Regieanweisungen. Aber geträumt reich zu werden, habe ich nie. Ich wollte für mich immer etwas finden, in dem ich mich aufgehoben und frei fühlen durfte. Das war mein Traum. Als ich damals die Aufnahmeprüfung an der Folkwang-Schule in Essen machte, konnte ich nicht bis zum Ende bleiben, weil ich abends Vorstellung hatte. Ich werde es nie vergessen, als mich damals meine Mutter in der Pause anrief und sagte: ,Armin, sie haben dich genommen‘. Es war, als hätten sich die Himmelspforten geöffnet. Inzwischen ist noch eine zweite Leidenschaft dazu gekommen: die Fotografie. Ach, übrigens, meine Bilder werden erstmals im April im Ruhrmuseum Essen ausgestellt. Zum Thema Migration habe ich 15 Menschen fotografiert.

    Was war Ihr bisher größter Traum?

    Rohde: Ich habe als Junge, nachdem ich den Filmklassiker ‚Easy Rider‘ gesehen habe, immer davon geträumt, nach Amerika zu gehen. Englisch war mein Hobby, ich dachte sogar ans Auswandern in die USA. Als ich in den Siebzigern für ein Jahr in den USA lebte, wurde damals ein Job als Englisch- und Spanischlehrer angeboten. Und möglicherweise hätte aus mir ein Lehrer in Maine werden können. Rückblickend bin aber froh, dass es anders gekommen ist.

    Sind Sie jemand, der selbst gut mit Geld umgehen kann?

    Rohde: Sagen wir mal so: Ich gebe sehr gerne Geld aus, habe mir aber im Laufe der Jahre klargemacht, dass es sinnvoll ist, von 100 verdienten Euro wenigstens fünf zurückzulegen. Aber es ist richtig, dass ich kein Schwabe bin und beispielsweise Preisgelder gerne für Tierschutz oder für ein Hospizprojekt spende.

    Was bedeutet es für Sie, von Ihren Gagen etwas an Menschen, die es nötig haben, zurückgeben zu können?

    Rohde: Das macht mich glücklich. Wenn ich bei solchen Shows Geld gewinne, was sollte ich Klügeres und Gescheiteres tun, als es für gemeinnützige Zwecke zu spenden. Für mich ist das die einzige sinnvolle Verwendung.

    Das ist wahrscheinlich auch gut für das Karma.
    Rohde (lacht): Höchstwahrscheinlich. Aber darüber denke ich in dem Moment gar nicht nach. Ich kann mich ganz gut verteidigen. Viele können das aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht, darum halte ich es für eine Menschenpflicht, zu helfen. Und Tieren sowieso, denn die können teilweise noch nicht einmal schreien, wenn sie Schmerzen haben. 

    Sie werden im April 71 Jahre. Hat sich dadurch in den Prioritäten in Ihrem Leben etwas geändert?

    Rohde: Nicht wirklich. Ich denke mir immer: Scheiße, Rohde, das hört sich richtig erwachsen an! Ein Journalist wollte kürzlich mit mir über das Thema alter weißer Mann reden...

    …und was haben Sie ihm geantwortet?

    Rohde: …dass ich in solchen Kategorien nicht denke. Die gehen mir sozusagen am Arsch vorbei. Wenn jemand glaubt, mit solchen Einordnungen einen Maßstab an jemanden anlegen zu können, um sich eine Bewertung desjenigen leichter zu machen, dann sage ich: „Nicht mit mir!“ Mir war immer schon egal, wie einer aussieht, welche Hautfarbe jemand hat oder woran jemand glaubt. Letzten Endes ist nur entscheidend, ob man mit jemandem klarkommt.

    Zum Thema Alter haben Sie gesagt, dass Sie sich vor dem Tod nicht fürchten.

    Rohde: Vor dem Tod fürchte ich mich tatsächlich nicht. Aber vielleicht davor, dass ich Dinge ungeregelt zurücklasse. Ich würde gelassener sterben, wenn ich wüsste, dass ich für die Menschen, die mir wichtig sind, Verhältnisse geschaffen habe, in denen sie in Sicherheit sind.

    Fürchten Sie überhaupt irgendetwas?
    Rohde: Ja. Dummheit in Verbindung mit Aggression, Gier und großer Fresse. Das erleben wir ja gerade weltweit in der Politik. Die Dummheit macht mir aktuell am meisten Angst. Einstein sagte, das Weltall ist unendlich und wahrscheinlich auch die Dummheit. Aber ich persönlich lasse mich nicht einschüchtern. Von niemandem! Denn dann hätten die Herren der Finsternis, die zurzeit die Welt regieren, ja gewonnen.

    Wie sehen Sie denn Donald Trump in diesem Zusammenhang?

    Rohde: Man sieht, dass die rechte Agenda 2025 von langer Hand vorbereitet wurde. Ich glaube aber nicht, dass so ein Populist wie Trump den Menschen dauerhaft einreden kann, er sei einer von ihnen und dem Volk gleichzeitig die Taschen leert. Ich bin gespannt, ob sich dieses neue rechte System nach Trump halten wird.

    Zurück zu Ihnen. Ihrer Meinung nach soll man im Leben jede Sekunde nutzen. Wie tun Sie das? 

    Rohde: Bei mir war es immer schon so, dass mir ein Tag mit 24 Stunden zu kurz ist. Das führt dazu, dass ich zu oft am Schlaf spare. Gerade bringe ich mir beispielsweise neue fotografische Techniken mit Blitzlicht bei. Früher dachte ich, den Blitz benutzen nur Anfänger – denkste! Mit dem Blitz umzugehen, ist eine Kunst für sich. Das studiere ich gerade bis spät in die Nacht. Und um halb neun klingelt meistens schon wieder das Telefon. Ich müsste definitiv mehr schlafen!

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