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Schauspielerin Désirée Nosbusch übers Älterwerden, fiese Betrugsmaschen und den letzten Willen

Interview

Désirée Nosbusch: „Es ist geklärt, wie meine Beerdigung aussehen soll“

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    „Leb jeden Tag, als wäre er der erste – das finde ich grandios“, sagt Schauspielerin und TV-Moderatorin Désirée Nosbusch.
    „Leb jeden Tag, als wäre er der erste – das finde ich grandios“, sagt Schauspielerin und TV-Moderatorin Désirée Nosbusch. Foto: Ronny Hartmann, afp/dpa

    Frau Nosbusch, Erben birgt ein hohes Konfliktpotenzial, weil dabei der Verlust eines Menschen mit emotionalen, finanziellen und rechtlichen Herausforderungen einhergeht. Haben Sie selbst Erfahrungen damit?

    DÉSIRÉE NOSBUSCH: Ich habe damit keine persönlichen Erfahrungen. Als mein Vater starb, war es für meinen Bruder und mich selbstverständlich, dass alles an unsere Mutter ging. Ehrlich gesagt habe ich mir über das Erben nie viele Gedanken gemacht, weil es für mich untrennbar mit einem Verlust verbunden ist – und darüber denkt man nicht gerne nach.

    Jetzt spielen Sie in dem ZDF-Thriller „In fremden Händen“ aber eine Hochstaplerin, die einen wohlhabenden Witwer nach einem Sturz isoliert und ausnimmt. Wie fühlt sich eine Rolle für eine Schauspielerin an, in der man einen alten Mann betrügt?

    NOSBUSCH: Ich habe das Drehbuch in einem Zug durchgelesen. Das ist für mich immer ein gutes Zeichen – wenn ich keine Pause mache und nicht zwischendurch etwas anderes erledige, dann hat mich eine Geschichte wirklich gepackt. Mein erster Gedanke war trotzdem: Kann und will ich so eine Frau überhaupt spielen? Ich hatte Angst, aus ihr eine Karikatur der „bösen Betrügerin“ zu machen. Eigentlich wollte ich Autor und Regisseur Christian Bach schon absagen. Aber nach unserem Gespräch – und dem Wissen, dass dieser Fall tatsächlich so passiert ist, mit allen rechtlichen Konsequenzen – habe ich verstanden, dass es nicht um eine vereinfachte Zeichnung geht, sondern um eine reale, komplexe Figur.

    Der Film warnt vor Erbschleicherei. Hat die intensive Beschäftigung mit diesem Thema Ihre Sicht auf Pflege und Vertrauen im Alter verändert?

    NOSBUSCH: Vielleicht hat mich dieses Thema im richtigen Moment gefunden. Meine Mutter ist 87, und wie viele ältere Menschen kennt sie diese Form der Einsamkeit, die mit dem Älterwerden einhergeht. Wir als Kinder können vieles organisieren, wir können da sein – aber wir können den Schmerz über den schleichenden Verlust von Unabhängigkeit nicht nehmen. Bei meiner Mutter waren es erst die Augen, dann musste sie den Führerschein abgeben. Für einen Menschen, der immer aktiv und selbstständig war, ist das ein tiefer Einschnitt. Diese innere Einsamkeit macht verletzlich. Als wir damals das Elternhaus aufgegeben haben und sie zu meinem Bruder gezogen ist, war mir noch bewusster, in welcher sensiblen Lebensphase sich ältere Menschen befinden. Dass sie in so einer Gefühlslage anfällig für Menschen sind, die ihnen Nähe oder Fürsorge vorspielen, kann ich sehr gut nachvollziehen. Und ja, ich rufe meine Mutter regelmäßig an, wenn ich wieder von einer neuen Betrugsmasche höre.

    Désirée Nosbusch (Mitte) im ZDF-Thriller „In fremden Händen".
    Désirée Nosbusch (Mitte) im ZDF-Thriller „In fremden Händen". Foto: Susanne Bernhard, ZDF/dpa

    Haben Sie sich selbst schon einmal mit dem Thema Testament befasst?

    NOSBUSCH: Ich habe das alles geregelt. Wissen Sie, ich lebe allein mit meinem Hund und bin viel unterwegs. Wenn mir morgen etwas passieren sollte – was ich natürlich nicht hoffe –, dann möchte ich meinen liebsten Menschen keine Unordnung hinterlassen. Niemand soll sich in einem Moment der Trauer fragen müssen: Wie wollte sie beerdigt werden? Gibt es eine Patientenverfügung? Deshalb habe ich vor etwa eineinhalb Jahren alles festgelegt. Meine Kinder wissen, was ich mir wünsche. Es ist geklärt, was mit meinem Hund geschieht, wie meine Beerdigung aussehen soll – all das. Und offen gesagt: Es tut gut, das einmal niederzuschreiben. Dann ist es aus dem Kopf. Vor allem aber entlastet es die Kinder und Hinterbliebenen. Sie müssen in ihrem Schmerz keine Entscheidungen treffen, von denen sie nicht wissen, ob sie in meinem Sinne wären. Wenn man das regelt, erleichtert man es den anderen.

    Treffen Sie Vorkehrungen, dass Sie später nicht auch einmal in die Fänge von Betrügern geraten?

    NOSBUSCH (LACHT): Ich glaube, durch meine vielen Jahre in der Film- und Fernsehbranche – mit all den Thrillern und Krimis – habe ich inzwischen einen ganz guten Riecher entwickelt, wenn etwas nicht stimmt. Aber man soll ja niemals nie sagen.

    Désirée Nosbusch, hier bei einer Moderation im Jahr 1984, war schon früh ein Fernsehstar.
    Désirée Nosbusch, hier bei einer Moderation im Jahr 1984, war schon früh ein Fernsehstar. Foto: Jörg Schmitt, dpa

    Sie haben einmal gesagt: „Ich würde lügen, wenn ich sage, das Älterwerden fällt mir jeden Tag leicht.“ Was nervt oder besorgt Sie besonders – und was gefällt Ihnen daran?

    NOSBUSCH: Mir gefällt am Älterwerden eine gewisse Gelassenheit. Dieses Nicht-mehr-alles-um-jeden-Preis-Gefühl. Ich überlege heute sehr genau, warum und wofür ich etwas mache. Zeit ist kostbarer geworden. Und ich habe gelernt, Nein zu sagen, ohne jemanden zu verletzen – das konnte ich früher nicht so gut. Ich umgebe mich bewusster mit Menschen, die mir guttun, und verbringe weniger Zeit mit denen, die mir Energie nehmen. Insofern ist mein Leben sogar leichter geworden. Was mich manchmal beschäftigt, ist die Endlichkeit. Man ertappt sich bei dem Gedanken, noch dieses oder jenes beginnen zu wollen – und merkt dann: Vielleicht reicht die Zeit nicht für alles. Und da ist auch die Frage: Wo will man alt sein? Meine Kinder werden vermutlich in Amerika leben, ich bin in Luxemburg. Dass sie nicht einfach im Nachbardorf sind, ist ein schmerzlicher Gedanke. In diesem Zusammenhang denke ich oft an eine New Yorker Autorin, deren Arzt zu ihr sagte: „Sie müssen jeden Tag so leben, als wäre er der letzte.“ Ich finde das furchtbar – das erzeugt doch nur Druck. Alles wäre das letzte Mal. Sie hat diesen Gedanken umgedreht und gesagt: „Leb jeden Tag, als wäre er der erste.“ Das finde ich grandios. Das ist mein neues Lebensmotto.

    Zur Person

    Désirée Nosbusch (61), luxemburgische Moderatorin und Schauspielerin, wurde schon als Kind für Radio und Fernsehen entdeckt. Weil sie mehrere Fremdsprachen fließend spricht, moderierte sie viele Jahre lang für verschiedene Sender internationale Großveranstaltungen, Preisverleihungen und Galas. In den vergangenen Jahren drehte sie vor allem Kriminalfilme. Aus einer früheren Ehe hat sie zwei Kinder. Der Thriller „In fremden Händen“ läuft an diesem Montag um 20.15 Uhr im ZDF.

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