Hallo Frau Englund, seit 500 Folgen spielen Sie im Dauerbrenner „Notruf Hafenkante“ die Polizistin Melanie Hansen. Könnten Sie sich vorstellen, im richtigen Leben mal einen Einsatz zu leiten?
SANNA ENGLUND: Ich habe riesengroßen Respekt vor der Arbeit der echten Polizisten. Darum bin ich tatsächlich froh, dass ich ein Drehbuch zur Hand habe, das mir ‚vorschreibt‘, wohin sich Situationen bewegen und wie ich sie souverän und möglichst gerecht beeinflussen kann.
Wie haben Sie sich auf die Rolle als Streifenpolizistin vorbereitet?
ENGLUND: Als ich 2006 bei der „Hafenkante“ begonnen habe, konnte ich ein Praktikum bei der Polizei machen. Ich war in Hamburg auf der Wache in St. Georg und durfte im Streifenwagen mitfahren und die echten Kollegen aus dieser Perspektive beobachten. Aktuell haben wir immer noch Polizistinnen und Polizisten, die uns im Zweifel beraten und Drehbücher checken.
Was ist denn das Schwierigste für eine Schauspielerin daran, eine Polizistin darzustellen?
ENGLUND: Am wichtigsten war es erst mal, die richtige Haltung zu finden. Da half es schon allein, in eine Uniform zu steigen. Der richtige Ton der Ansprachen ist wichtig, oh – und die Funksprüche. Da tat ich mir anfangs schwer, sie knapp und professionell schnell herauszuhauen. Mittlerweile ist es Routine. Am unangenehmsten finde ich aber Verhaftungen. Vor allem, wenn man mit Gegenwehr rechnen muss und dann das Gefummel mit den Handschellen.
Sie sind durchaus wehrfähig, haben eine Kampfsportausbildung, machen die meisten Stunts selbst. Haben Sie sich dabei schon mal verletzt?
ENGLUND: Lange vor „Notruf Hafenkante“ habe ich bei „Hinter Gittern“ die Rolle einer Gefangenen gespielt. Da musste ich mich unter Aufsicht unserer Stuntkoordinatoren herumprügeln und viele Situationen kämpferisch lösen. Das hat mir Spaß gemacht. Ab da interessierte ich mich auch für Kampfsport. Kleine Autostunts habe ich immer gerne gemacht. Heute haben wir dafür kaum mehr Zeit. Meist werden Stuntprofis ans Set geholt, die solche Szenen doubeln.
Haben Sie privat ein Gewehr oder eine Pistole daheim? Oder sind Sie im Schützenverein?
ENGLUND: Nein. Aber ich lebe mit Jagdhunden. Und weil ich denen wenigstens ansatzweise ein artgerechtes Jagdleben gönnen wollte, habe ich den Jagdschein gemacht und somit auch den Umgang mit Waffen gelernt. Das war mir im Umgang mit Filmwaffen tatsächlich hilfreich.
Hat man nach all den Jahren nicht mal die Nase voll von all den Notrufen oder könnten Sie das auch bis zur Rente spielen?
ENGLUND: Ich finde es erstaunlich – diese Jahre sind so schnell vorbeigezogen. Ich durfte diese Rolle immer weiterentwickeln und so bin ich jedes Jahr mit neuem Elan rangegangen. Ein Routinegefühl hat sich bei mir bisher nicht eingestellt. Wir sind auch immer mehr als Team zusammengewachsen und sind stolz darauf, dass wir uns stetig weiterentwickeln und mit unseren Figuren älter werden dürfen.
Was macht den Erfolg dieser Serie aus?
ENGLUND: Jede Figur hat ihren besonderen Charakter. Wir erzählen actionreich, modern und behandeln spannende aktuelle gesellschaftliche Themen. Dazu kommen als rote Fäden durch die Staffeln die Hintergrundgeschichten der Polizistinnen, Polizisten und Ärzte. Ich glaube, die sind auch mit der Grund, warum sich unsere treuesten Zuschauer so emotional mit der Serie verbunden fühlen.
Zur besonderen Episodenbesetzung der 500. Folge zählen auch Smudo, Das Bo und der bekannte Kollege Ludwig Trepte. Wie war der Dreh?
ENGLUND: Ich war leider in dieser Folge nicht direkt mit ‚an der Front‘. Denn meine Melanie hat ja Karriere gemacht und durfte vorwiegend vom Revier aus die Fäden ziehen. Ich selbst freue mich über die neuen Aufgaben als Revierleiterin. Das ist auch wieder eine ganz neue Herausforderung, auch wenn ich den alten Zeiten der Rolle als Streifenpolizistin ein wenig nachtrauere.
Die Deutschen lieben Krimiformate. Was, glauben Sie, fasziniert die Menschen so daran?
ENGLUND: Die Krimis vermitteln am Ende ein Gefühl von Sicherheit. Man kann sich auf seine Filmhelden in den Ermittlerrollen verlassen – sie werden die Fälle ja meistens aufklären. Der Zuschauer ist in der Beobachterrolle eines spannenden Falles, ohne selbst drinzustecken. Da wird die kleine Sensationslust befriedigt – mit einem Happy End für die Gerechtigkeit.
Sie arbeiten in Hamburg, leben aber mit Ihrem Mann und Ihrem Hund am Starnberger See. Ist die Pendelei nicht bisweilen anstrengend?
ENGLUND: Wir haben zwar lange am Starnberger See gelebt, sind aber kürzlich an den Comer See gezogen. Wir wollten uns noch einmal verändern. Ich mag es, meinen Alltag zu Hause zu lassen, nach Hamburg zu reisen und mich dann ganz auf den Job zu konzentrieren. Das Pendeln macht mir dabei nichts aus. Ich nutze die Reisen immer gerne für mich und meine letzten Vorbereitungen für den Job.
Sie gelten privat als Naturliebhaberin und wandern gerne. Wo tun Sie das am liebsten?
ENGLUND: Städte erobere ich mir am liebsten zu Fuß und noch lieber verbringe ich meine Zeit in der Natur. Als Hundehalterin ohnehin. Kurzum, die Natur ist mein Fitness-, Yoga- und Denkstudio in einem.
Man kann nachlesen, dass Sie für viele Ihrer Fans als Traumfrau gelten. Bekommen Sie da auch mal Liebesbriefe oder Ähnliches?
ENGLUND: Nicht so extrem, wie ich das von anderen Kolleginnen mitbekomme. Vielleicht wirke ich in meiner Uniform zu einschüchternd (sie lacht). Aber im Ernst, ich bekomme mehr Briefe von weiblichen Fans, die mich als Vorbild, Inspiration und Mutmacherin betrachten. Das rührt mich und da bin ich auch ein bisschen stolz darauf, dass ich die jungen Frauen so gut erreiche.
Zur Perso
Sanna Englund ist 50 Jahre alt, Tochter eines Lehrer-Ehepaares aus Schweden und Schauspielerin. Neben „Notruf Hafenkante“ war sie unter anderem schon bei „Großstadtrevier“, „Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei“ und „Die Rosenheim-Cops“ zu sehen.
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