Schule neu denken: Nicht weniger als das plant die Schweizer Gemeinde Belp, die zwischen Bern und Thun gelegen ist. Ab dem Schuljahr 2026/27 soll es dort eine Vier-Tage-Woche für Schülerinnen und Schüler geben. Das Pilotprojekt startet im Schulhaus Hohburg. Die Kinder können freiwillig daran teilnehmen. In der Berufswelt haben solche Versuche bereits messbare Erfolge erzielt, wie ein geringeres Stresslevel oder eine gestiegene Produktivität durch höhere Motivation. Doch die kürzere Schulwoche hat auch einen Haken.
46 Wochen soll die Schule künftig offen sein – die sogenannte Jahresschule. Aus 13 Wochen Ferien werden nur noch sechs. Der Unterricht dauert dann von 8 Uhr bis 16.30 Uhr. Die Idee zum Versuch hatte die Leiterin der Abteilung Familie und Bildung in Belp, Daniela Schädeli. Inspiriert habe sie ein Fernsehbeitrag über eine dänische Schule. Angelegt ist das Pilotprojekt zunächst auf sechs Jahre. Die Pädagogische Hochschule Bern will wissenschaftlich begleiten und forschen. Auf die Unterstützung des Kantons Bern kann Belp ebenfalls zählen. Der Bildungsdirektionssprecher Yves Brechbühler sagt: „Schulversuche erproben innovative Unterrichtsformen und Schulstrukturen, die Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Volksschule generieren können.“
Vier-Tage-Woche: Schulprojekt soll Eltern entlasten
Ziel des Versuchs ist es, den Familien die Last von den Schultern zu nehmen. Lange Ferien bringen hohen Betreuungsaufwand für Eltern mit sich, der nicht immer einfach mit dem Beruf zu vereinbaren ist. Zudem müssten die Kinder nicht mehr zwischen Schule und Tagesschule, so heißt in der Schweiz die Ganztagsschule, hin und her wechseln. Es gibt aber auch Kritik an dem Konzept. Unter anderem, dass die Schülerinnen und Schüler die langen Ferien nötig hätten, um sich vom stressigen Schulalltag zu erholen. Sechs Wochen Ferien seien schlicht zu wenig.
Ob das Pilotprojekt ähnliche Erfolge erzielen kann, wie in der Berufswelt, wird sich erst zeigen. Denn es gibt noch eine Hürde zu überwinden: Damit der Versuch überhaupt zustande kommt, müssen sich bis Ende Januar 18 Kinder dafür entscheiden, die Jahresschule zu besuchen. Bei den Beteiligten in der 12.000-Einwohner-Gemeinde Belp herrscht aber Optimismus, dass das auch klappen wird.
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