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Skandal um Bestattungsinstitut: War fremde Asche in der Urne?

England

Der Fall Hull: Angehörige erhalten leere Urnen oder falsche Asche

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    Wie in einem „Horrorfilm“: In Hull sollen Angehörige mit fremder Asche oder leeren Urnen getäuscht worden sein.
    Wie in einem „Horrorfilm“: In Hull sollen Angehörige mit fremder Asche oder leeren Urnen getäuscht worden sein. Foto: Thomas Frey, dpa (Symbolbild)

    Es gibt kaum eine Familie in Hull, die nicht jemanden kennt, der bei „Legacy Independent Funeral Directors“ die Beerdigung eines Angehörigen organisieren ließ. Gute Bewertungen und günstige Preise überzeugten viele. Das Bestattungsinstitut galt als seriös und verlässlich. Umso größer war der Schock, als die Polizei, einem Hinweis folgend, im Frühjahr 2024 in einer Filiale unweit des Zentrums der Hafenstadt im Nordosten Englands nach einer Durchsuchung dutzende unbestattete Leichname entdeckte. Der Verdacht: Die Betreiber der Einrichtung sollen Verstorbene nicht ordnungsgemäß kremiert, sondern die Angehörigen mit fremder Asche oder leeren Urnen getäuscht haben.

    Polizei: „komplexe, langwierige und äußerst sensible“ Ermittlungen

    Im Fokus der Ermittlungen steht der Bestatter und Leiter des Unternehmens, Robert Bush. Er wurde im vergangenen April nach monatelangen „komplexen, langwierigen und äußerst sensiblen“ Ermittlungen, wie es vonseiten der Polizei hieß, in 30 Fällen wegen der Verhinderung einer rechtmäßigen und würdevollen Bestattung angeklagt. Sowie in 30 Fällen wegen Betrugs – durch falsche Darstellung im Zusammenhang mit den auf dem Gelände des Bestattungsunternehmens sichergestellten Verstorbenen.

    Am Mittwoch bekannte sich der 47-Jährige nun im Rahmen einer Anhörung vor dem Strafgericht in Hull in insgesamt 35 Fällen schuldig. Hinter einer verglasten Anklagebank, nur wenige Meter von betroffenen Familien entfernt, sprach er leise, als er einräumte, Angehörige dutzender Verstorbener getäuscht zu haben, deren Leichname in Räumen von „Legacy Independent Funeral Directors“ gefunden worden waren.

    Bis zum Beginn der Hauptverhandlung ist der Angeklagte auf freiem Fuß

    Besonders schwer wiegen vier Fälle, in denen Bush Asche an Eltern ausgab und ihnen – nicht wahrheitsgemäß – versicherte, dies seien die Überreste ihrer Kinder. Die Mütter hatten die Kinder während der Schwangerschaft verloren. In 30 weiteren Anklagepunkten – Vorwurf der Verhinderung einer rechtmäßigen und würdevollen Bestattung – plädierte Bush auf nicht schuldig. Seine Aussagen riefen zum Teil ein hörbares Raunen auf der Zuschauertribüne hervor. Der Bestatter wurde noch am Mittwoch auf Kaution entlassen. Bis zum Beginn der Hauptverhandlung ist er auf freiem Fuß. Der Prozessauftakt wurde auf den 5. Oktober 2026 datiert. Verhandelt wird dann voraussichtlich mehrere Wochen lang vor dem Strafgericht in Sheffield.

    Seit dem Frühjahr 2024 waren die Ermittlungen in dem Fall auf Hochdruck gelaufen. Mehr als 120 Polizeikräfte waren damit befasst, während bei einer eigens eingerichteten Hotline Hunderte Anrufe von Angehörigen eingingen. Viele Kunden des Unternehmens mussten in quälender Ungewissheit darüber leben, was mit den sterblichen Überresten ihrer Liebsten geschehen war. Eine Frau, deren Ehemann im November 2023 gestorben war, beschrieb ihre Situation im Frühjahr 2024 als zermürbend. „Ich kann nicht weinen, nicht wütend sein. Ich fühle mich einfach nur wie betäubt“, sagte sie. Andere Betroffene sprachen von einem Gefühl, als befänden sie sich in einem „Horrorfilm“. Schließlich mussten sie sich fragen, wen sie eigentlich begraben hatten.

    Einige Angehörige haben nun erschütternde Gewissheit

    Eine Antwort auf diese Frage zu geben, war nicht in allen Fällen möglich. Die Ermittlungen gestalteten sich schwierig, da sich Asche nach einer Kremation forensisch in der Regel nicht eindeutig einer Person zuordnen lässt. „Leider wird die DNA durch die hohe Temperatur, die bei einer Einäscherung erforderlich ist, so stark zerstört und abgebaut, dass wir kein brauchbares DNA-Profil mehr gewinnen können“, erklärte im vergangenen Jahr Thom McLoughlin, damals stellvertretender Polizeipräsident der Grafschaft Humberside. Während einige Familien mittlerweile die erschütternde Gewissheit erhielten, dass ihnen fremde Überreste übergeben worden waren, wird für viele andere wohl auf Dauer unklar bleiben, ob sich in den Urnen tatsächlich die Asche ihrer verstorbenen Angehörigen befindet.

    Der Skandal um das Bestattungsinstitut „Legacy Independent Funeral Directors“ hat in den vergangenen Monaten in ganz Großbritannien politische Reaktionen ausgelöst. Aus Regierungskreisen hieß es, man prüfe die Branche grundsätzlich. Kritiker monieren seit Längerem, dass Bestattungsunternehmen auf der Insel zwar Standards einhalten müssen, aber keiner engmaschigen staatlichen Aufsicht unterliegen. Verbraucherschützer fordern verbindliche Zulassungen, unangekündigte Kontrollen und transparente Beschwerdewege. Auch in der Branche selbst wächst der Druck, klare Leitlinien zu etablieren – auch um das durch den Fall tief erschütterte Vertrauen in sie wiederherzustellen.

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