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Warum sich jetzt in der Fastenzeit gerade die Leber regenerieren kann

Interview

So schnell bekommen Sie Ihre Leber wieder fit: Expertentipps zur Fastenzeit

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    Viele nehmen sich jetzt in der Fastenzeit vor, auf Alkohol zu verzichten. Gerade der Leber tut dies besonders gut. Ihre Erkrankungen sind auf dem Vormarsch.
    Viele nehmen sich jetzt in der Fastenzeit vor, auf Alkohol zu verzichten. Gerade der Leber tut dies besonders gut. Ihre Erkrankungen sind auf dem Vormarsch. Foto: Robert Michael, dpa (Symbolbild)

    Herr van Thiel, Sie sind Patientenberater bei der Deutschen Leberhilfe e.V.. Über die sogenannte Fettleber wird immer intensiver informiert, nimmt sie so stark zu?

    INGO VAN THIEL: Ja, die Fettleber nimmt stark zu. Im Schnitt ist jeder Vierte betroffen, sie ist längst eine stille Epidemie. Denn sie ist eine Wohlstandserkrankung: Mit jedem Pfund steigt das Risiko für die Erkrankung und mit Übergewicht kämpfen immer mehr Menschen. Auch Diabetes und der Alkoholkonsum sind ein Riesenproblem. Ebenso der Bewegungsmangel.

    Wie gefährlich ist eine Fettleber?

    VAN THIEL: Dies ist individuell unterschiedlich, aber harmlos ist eine Fettleber nie. Sie begünstigt Bluthochdruck, Herz- und Gefäßerkrankungen und auch Typ-2-Diabetes. Ein Teil der Betroffenen mit Fettleber bekommt zusätzlich eine Leberentzündung. Spätestens dann ist auch die Leber selbst gefährdet. Sie kann dann über Jahre hinweg vernarben, bis eine Zirrhose entsteht. Das Organ kann seine lebenswichtigen Funktionen dann immer schlechter wahrnehmen – ohne Leber geht es nicht. Auch das Risiko für Leberkrebs steigt bei Zirrhose erheblich.

    Woran kann man merken, dass man eine Fettleber hat?

    VAN THIEL: Viele Patienten merken keine Symptome, weil das Lebergewebe selbst keine Schmerzsignale aussendet. Wenn die Leber durch die Verfettung oder eine Entzündung vergrößert ist, kann sie aber auf das umliegende Gewebe drücken, dann spüren Betroffene Druckschmerzen im Oberbauch.

    Es können aber nicht alle vorsorglich zum Ultraschall oder zum Leberfacharzt gehen...

    VAN THIEL: Nein, natürlich nicht. Ein Ultraschall beim Hausarzt sollte aber bei Verdacht ruhig mal gemacht werden, vor allem bei Übergewicht, Diabetes oder wenn regelmäßig Alkohol konsumiert wird. Eine Fettleber sieht man oft schon im Ultraschall. Und allgemein sollten beim Gesundheitscheck auch die Leberwerte geprüft werden. Wenn die erhöht sind, sollte abgeklärt werden warum. Nicht nur wegen einer Fettleber. Es gibt viele Ursachen, gegen die man heute viel tun kann: Hepatitis-Infektionen, Alkohol, Nebenwirkungen von Medikamenten, manchmal auch seltene Stoffwechsel- und Autoimmun-Erkrankungen. Die Fettleber ist einer der häufigsten Gründe und lässt sich oft schon durch gesunden Lebensstil beheben.

    Ingo van Thiel ist Patientenberater und Redakteur bei der Deutschen Leberhilfe e.V.
    Ingo van Thiel ist Patientenberater und Redakteur bei der Deutschen Leberhilfe e.V. Foto: Ingo van Thiel

    Eine Fettleber liegt aber nicht nur am Lebensstil, oder?

    VAN THIEL: Der Lebensstil ist für die Lebergesundheit ganz entscheidend, aber es gibt auch Menschen mit Normalgewicht, die sportlich sind, sich gut ernähren und trotzdem eine Fettleber entwickeln. Da sollte dann weiter geschaut werden. Es gibt noch mehr Risikofaktoren, beispielsweise eine ungünstige Fettverteilung. Wenn Menschen mehr Viszeralfett aufweisen, sich also mehr Bauchfett ansammelt, fördert dies Entzündungen und führt dazu, dass die Leber mehr Fett speichert. Auch Typ-2-Diabetes, Zöliakie, also eine Glutenunverträglichkeit, Erbkrankheiten wie die Eisen- oder Kupferspeicherkrankheit sowie Medikamente wie Cortison können zu einer Fettleber führen. Eine Hepatitis-C-Infektion kann auch zu einer Fettleber führen, vor allem eine Virusvariante, die als Genotyp 3 bezeichnet wird. Hepatitis C ist aber mit Medikamenten heute fast immer heilbar. Neben Fettleber gibt es noch viele andere Lebererkrankungen, die unbehandelt auch zu einer Zirrhose und auch zu Leberkrebs führen können. Deswegen ist beispielsweise auch eine Impfung gegen Hepatitis B so wichtig.

    Leberkrebs nimmt auch zu.

    VAN THIEL: Ja. Für diesen Trend gibt es drei große Hauptursachen: Fettleber, Alkohol und unbehandelte Hepatitis-Infektionen, vor allem Hepatitis B und C.

    Nun startet die Fastenzeit. Die Leber scheint nach allem, was Sie sagen, vom Fasten besonders zu profitieren?

    VAN THIEL: Wenn man keine Nulldiät macht, die ja oft einen Jo-Jo-Effekt nach sich zieht, dann ist die Fastenzeit ideal, gerade die Leber zu entlasten. Die Leber kann sich erstaunlich gut wieder regenerieren, wenn auch nicht unbegrenzt. Eine Zirrhose geht meist nicht mehr weg, selbst hier kann sich Gewebe aber manchmal wieder ein bisschen erholen. Eine Fettleber lässt sich dagegen oft komplett rückgängig machen und sogar Vernarbungen können sich wieder zurückbilden. Man hat es hier wirklich selbst in der Hand, auch wenn es nicht immer leicht fällt.

    Abnehmen, mehr Bewegung, kein Alkohol – das sind für viele schon Herausforderungen...

    VAN THIEL: Sie sagen es. Motivation ist hier wichtig und auch die Freude am Essen soll nicht verloren gehen: Für die Leber muss man nicht radikal hungern. Bei Fettleber wird in den Leitlinien zum Beispiel eine mediterrane Kost empfohlen: mit viel Gemüse und Obst, Vollkornprdukten, Olivenöl, mehr Fisch als rotem Fleisch, die ist oft wirklich lecker. Gut, das Glas Wein, das bei mediterraner Diät manchmal mit genannt wird, sollte man bei Fettleber doch besser weglassen. Wie wir durch neue Studien wissen, gibt es keine harmlose Alkoholmenge. Hier die Fastenzeit zu nutzen und auf Alkohol zu verzichten, kommt der Leber sehr zugute. Und ich muss auch nicht gleich der große Sportler für meine Leber werden. Täglich spazierzugehen, tut der Leber auch schon sehr gut, hier zählt wirklich jeder einzelne Schritt und vor allem die Regelmäßigkeit. Und man spürt durch eine Änderung im Lebensstil auch schnell Positives: man fühlt sich viel besser, hat mehr Energie, ist klarer im Kopf.

    Die Leber ist ein lebenswichtiges Organ. Sie kann sich auch erstaunlich gut wieder regenerieren, was für einen Verzicht von Alkohol, eine ausgewogenere Ernährung und mehr Bewegung spricht.
    Die Leber ist ein lebenswichtiges Organ. Sie kann sich auch erstaunlich gut wieder regenerieren, was für einen Verzicht von Alkohol, eine ausgewogenere Ernährung und mehr Bewegung spricht. Foto: Zacharie Scheurer, dpa

    Oft heißt es, dass bestimmte Lebensmittel, etwa bitterstoffreiche Salate wie Radicchio, die Leber heilen können. Was ist da dran?

    VAN THIEL: Eine einseitige Ausrichtung auf bestimmte Lebensmittel bringt aus meiner Sicht eher nichts und wird auch in Leitlinien nicht empfohlen. Wie gesagt, die Leber profitiert am meisten von einer ausgewogenen Kost. Was man übrigens trinken darf, ist Kaffee. Ihm wird sogar eine leicht unterstützende Wirkung für die Leber nachgesagt.

    Um abzunehmen, setzen immer mehr Menschen auf die so genannte Abnehmspritze. Gibt es hier Bedenken für die Lebergesundheit?

    VAN THIEL: Das sollte von Fall zu Fall zusammen mit dem Arzt entschieden werden. Bei hohem Übergewicht und wenn es den Betroffenen anders gar nicht möglich ist, Gewicht abzubauen, kann die Abnehmspritze ein Weg sein. Problematisch ist der oft beobachtete Jo-Jo-Effekt, sobald die Menschen die Spritze absetzen.

    Jetzt wurde auch erstmals ein Medikament in Deutschland gegen Fettleber zugelassen.

    VAN THIEL: Das stimmt, es handelt sich um den Wirkstoff Resmetirom. Dieses Medikament ist aber verschreibungspflichtig und nur für schwere Fälle zugelassen, wo die Fettleber entzündet, schon erkennbar geschädigt ist und Lebensstiländerungen nicht reichen. Das Medikament wird in solchen Fällen in hepatologischen Schwerpunktpraxen oder Leberambulanzen verschrieben. Nur Medikamente einzunehmen, ist also auch hier nicht die Lösung.

    Zur Person

    Ingo van Thiel, 53, ist seit 26 Jahren als Patientenberater und Redakteur bei der Deutschen Leberhilfe e.V.. Der Verein wurde 1987 von Patienten gegründet und klärt bundesweit über Lebererkrankungen auf.

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