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Spanien hat eine Ziegen-Feuerwehr

Spanien

Im Kampf gegen Waldbrände: Spanien hat eine Ziegen-Feuerwehr

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    Die Ziegenherde der Stadt Mataró auf dem Weg zum Waldeinsatz: Indem sie das Unterholz abgrasen, reduzieren die Tiere die Brandgefahr.
    Die Ziegenherde der Stadt Mataró auf dem Weg zum Waldeinsatz: Indem sie das Unterholz abgrasen, reduzieren die Tiere die Brandgefahr. Foto: Stadtverwaltung Mataró

    Der globale Klimawandel verursacht immer extremere Hitzewellen, führt zu ausgetrockneten Naturlandschaften und gigantischen Waldbränden, die zunehmend schwer zu löschen sind. In Spanien zeigt sich das derzeit besonders drastisch: Das Land erlebt die schlimmste Feuerkatastrophe seit Jahrzehnten. Deshalb suchen Gemeinden nach neuen Strategien der Vorbeugung. Eine davon klingt zunächst ungewöhnlich: Ziegen als Feuerwehr.

    Immer mehr Orte im ganzen Land setzen inzwischen auf die vierbeinigen Helfer. Mit großem Appetit fressen sich die Ziegenherden durch Gestrüpp in den Wäldern und durch hohes Gras auf brachliegenden Feldern – und bremsen damit die Ausdehnung von Bränden.

    Jede Ziege frisst 2,5 Kilo trockenes Pflanzenmaterial am Tag

    Eigentlich ist dies eine uralte Methode, mit der jahrhundertelang die Naturlandschaft sauber gehalten wurde. Es ist eine Methode, die in Vergessenheit geraten ist. Doch angesichts verwilderter Wälder und steigender Brandgefahr erlebt der Ziegeneinsatz neuerdings ein Comeback in Spanien. Ein Beispiel ist das andalusische Dorf Benarrabá in der südspanischen Provinz Málaga. Dort stehen inzwischen 50 Tiere als städtische Angestellte im Dienst. „Sie sind wie Motorsensen, nur ohne Benzin und Lärm“, lobt der örtliche Bauernverband. Jede Ziege frisst im Schnitt 2,5 Kilo trockenes Pflanzenmaterial pro Tag und düngt mit ihren Hinterlassenschaften auch gleich den Boden.

    Das sei ein Pionierprojekt, sagt Bürgermeister Silvestre Barroso. In seinem Dorf leben rund 2000 Menschen. „Wir sind die erste Gemeinde in Spanien, die über eine städtische Ziegenherde verfügt.“ Die Ortsverwaltung habe die Ziegen gekauft und sogar einen Hirten angestellt. Der Ziegeneinsatz sei ein öffentlicher Dienst wie die Müllabfuhr. Der Hirte ist ein Einwanderer aus Afrika, er stammt aus der von Marokko besetzten Westsahara und wurde in einem EU-Kurs zum Hirten ausgebildet. Auf dem spanischen Arbeitsmarkt hatte sich niemand für die Stelle gefunden.

    Ein Löschflugzeug im Einsatz während eines Waldbrandes im Ort Anllarinos Del Sil.
    Ein Löschflugzeug im Einsatz während eines Waldbrandes im Ort Anllarinos Del Sil. Foto: Xuan Cueto, Europa Press/dpa

    Die Kosten des Experiments trägt zum Teil Brüssel: Die Europäische Union subventioniert das Projekt, das zur Waldbrandprävention beiträgt, der Landflucht entgegensteuert und auch den Erhalt eines aussterbenden Berufs fördert. Der Bauernverband hofft, dass möglichst vielen Gemeinden diese Idee als Anregung dient.

    In der Umgebung von Benarrabá wüteten in den vergangenen Jahren mehrere Großbrände. Verstärkt wurde die Feuergefahr durch das Sterben der Forst- und Landwirtschaft: Immer mehr Gehöfte werden aufgegeben, die Landschaft verwildert. Genau dort setzen die tierischen Brandbekämpfer an. Und das Modell macht Schule. Auch in den Wäldern um Madrid und Barcelona, auf Teneriffa sowie im zentralspanischen Kastilien sind inzwischen wieder Herden im Einsatz.

    Besonders weit geht die nordostspanische Region Katalonien. Dort wurden die „Ramats de Foc“ – die Ziegenherden zur Feuerbekämpfung – sogar mit einem Gütesiegel ausgezeichnet. Käse, der aus der Milch dieser Tiere gemacht wird, trägt ein besonderes Etikett. Das hilft bei der Vermarktung: „Wer unseren Käse kauft, rettet nebenbei die Wälder“, werben die Hirten. „Das Ziel des Gütesiegels ist, die positive Leistung der Feuerziegen für die Konsumenten sichtbar zu machen.“

    Ziegen in Spanien reduzieren Brandgefahr im Unterholz

    Auch im Rathaus der katalanischen Stadt Mataró nahe Barcelona lobt man den Einsatz der tierischen Helfer. Mataró hat keine eigene Ziegenherde gekauft, sondern arbeitet mit Viehhirten zusammen, die gegen Entgelt ihre Tiere zur Verfügung stellen. „Das Projekt ist ein voller Erfolg“, sagt José Antonio Ricis, Landwirtschaftsdezernent von Mataró. „Die Beweidung verbessert die Bodenqualität, fördert die Regeneration der Vegetation und steigert die Biodiversität“, heißt es in einer Mitteilung des Rathauses. „Durch das Freihalten des Unterholzes reduziert die Herde die Brandgefahr, verringert die Ausbreitungsgeschwindigkeit möglicher Flammen und trägt zur Sicherheit des Waldes bei.“

    Während das Meckern im Rathaus eher unerwünscht ist, gilt es bei den vierbeinigen Mitarbeitern als gutes Zeichen. „Wenn Ziegen meckern, heißt das, dass es ihnen gut geht und sie glücklich sind“, lautet eine alte Hirtenweisheit. Sie meckern, weil sie einfach tun, was sie am meisten lieben: fressen. Und die Bevölkerung Matarós? Geht ihr die Meckerei vor der Haustür nicht auf die Nerven? Ganz im Gegenteil: Sie sind begeistert. „Es ist schöner, Ziegen zu sehen“, sagte eine Anwohnerin, „als lärmende Mähmaschinen zu hören.“

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