Startseite
Icon Pfeil nach unten
Panorama
Icon Pfeil nach unten

Sprache: Wulffen, riestern, lafontainieren

Sprache

Wulffen, riestern, lafontainieren

  • |
  • |
  • |
    Hacker verunstalteten kürzlich die Webseite von Karl-Theodor zu Guttenberg, nachdem er "getortet" worden war. Die Angreifer ernannten den CSU-Politiker zum "Kuchenminister".
    Hacker verunstalteten kürzlich die Webseite von Karl-Theodor zu Guttenberg, nachdem er "getortet" worden war. Die Angreifer ernannten den CSU-Politiker zum "Kuchenminister". Foto: AZ/Screenshot

    Deutschland „wulfft“ und „guttenbergt“ und neuerdings wird sogar "getortet". Unfreiwillig stehen Politiker Pate für immer neue Verben. Neu ist diese Art der Wortschöpfung allerdings nicht, sagt der Leiter der Duden-Redaktion Werner Scholze-Stubenrecht. „Schon früher wurde ein Tor ,gemüllert‘, das war als Kompliment an den ehemaligen Bayern-Stürmer Gerd Müller zu verstehen. Heute sind die Neuschöpfungen allerdings eher weniger schmeichelhaft.“

    Schon länger wird geharzt und gemerkelt

    Das Wort „wulffen“ tauchte in der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff auf. Es steht unter anderem für das Vollreden eines Anrufbeantworters oder schnorren. „Guttenbergen“ steht für Abschreiben. „Getortet“ wurde jüngst Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, als eine Torte in seinem Gesicht landete. Schon vorher wurde geharzt (bewusstes Leben auf Kosten des Staates) und geriestert (zusätzliche Rente), lafontainiert (Hals über Kopf abhauen) oder gemerkelt (viel reden, wenig sagen).

    „Ein weiterer Unterschied zu früher ist die rasante Verbreitung der neuen Verben durch Blogs und Chat-Rooms im Internet“, sagt Scholze-Stubenrecht. Ob sie deswegen Eingang in den Duden fänden, müsse sich allerdings noch zeigen. „Die wenigsten Begriffe schaffen es auf Dauer in den deutschen Sprachgebrauch.“ Ausnahmen seien beispielsweise die Verben „röntgen“ oder „morsen“, die von dem Namen des Physikers Wilhelm Conrad Röntgen beziehungsweise des Entwicklers des ersten brauchbaren Morseapparats, Samuel Morse, abgeleitet worden seien. „Wenn wir in ein bis zwei Jahren noch ,wulffen‘ oder ,guttenbergen‘, dann ist der Zeitpunkt gekommen, um über eine Aufnahme der Begriffe in den Duden zu entscheiden“, erklärt Scholze-Stubenrecht.

    Begriffe verschwinden so schnell, wie sie aufgetaucht sind

    Entscheidend sei, dass die neuen Verben tatsächlich auch verwendet würden und nicht nur darüber geschrieben werde. „Linguistisch ist alles erlaubt, ob es einem gefällt, ist eine andere Frage“. Der Chef der Duden-Redaktion schließt nicht aus, dass die Menschen der häufigen Neuschöpfungen schnell überdrüssig werden könnten. Die Begriffe könnten also genauso schnell wieder verschwinden, wie sie aufgetaucht seien. „Selbst das ,gemüllerte‘ Tor hat es bisher nicht in den Duden geschafft“. AZ, dpa

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden