Irgendwann ist jeder kleine Satz voller Bedeutung. Es muss etwa in der Mitte des Falls sein, da kann Faber (Jörg Hartmann) sich nicht mehr auf die Ermittlungen konzentrieren. Mit einer Mischung aus Nicht-Glauben-Wollen, Rührung und Schmerz gilt sein Blick nur noch Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger). Eben hat Faber herausgefunden, dass er wohl wieder eine Kollegin verliert. Eine, zu der er Vertrauen gefasst hat, die er seine einzige Freundin nennt. Und dass er selbst mit daran schuld ist, weil er wieder einmal zu sehr „dieser scheiß Faber“ war, wie Herzog ihm an den Kopf wirft.
Er versucht, den Abschied noch abzuwenden, wartet mit zwei Kaffees im Auto vor ihrer Haustür. So wie er früher seine geliebte Martina Bönisch jeden Morgen abgeholt hatte. Doch es ist unvermeidlich: „Schmerz“ (ARD, Sonntag, 20.15 Uhr) ist Stefanie Reinspergers letzter „Tatort“. Der grüne alte Parka wird wieder Fabers treuester Partner sein.
Mordkommissionsleiterin Klasnić wird wichtiger im „Tatort“
Um dem grandiosen Kammerspiel zwischen den Kommissaren inhaltlich etwas entgegenzusetzen, ermitteln sie diesmal in einem besonders krassen Fall (Regie: Torsten C. Fischer, Buch: Jürgen Werner). Mehrere Morde im Rotlichtmilieu, die Opfer sind osteuropäische Kriegsverbrecher. Einer der Toten, wegen seiner Gräueltaten nennt man ihn den „Schänder“, hatte kurz vor seinem Tod eine bosnische Prostituierte bei sich: Maria Novak (Lorena Jurić). Sie quartiert sich bei der Leiterin der Mordkommission, Ira Klasnić (Alessija Lause), ein. Die ist ebenfalls Bosnierin, ihre Kriegstraumata sind nur verdrängt statt verwunden. Kontakte zu einem rachsüchtigen bosnischen Clan rücken Klasnić ins Zentrum des Falls. Und so, wie Rosa Herzog laut Faber „sehen kann, ob jemand lügt“, kann man als Zuschauer sehen, dass hier wohl jemand Profil für die Zukunft gewinnen soll. „Wir sind jetzt ein Team und haben uns alle lieb“, orakelt Faber dann auch schon mal sarkastisch.
Der Fall um Schuld und Selbstjustiz im langen Schatten des Jugoslawienkriegs ist spannend, erfordert aber auch die Aufmerksamkeit eines Adlers, um nicht durcheinanderzukommen. Vor allem, weil die Rückblenden auf den immer noch ungeklärten Mord am unsympathischen KTU-Leiter Haller – Fabers Erzfeind – das Gedächtnis arg auf die Probe stellen. Wie soll man das hinkriegen, wenn einen gleichzeitig auf dem Sofa der Abschiedsschmerz übermannt? Man hat Rosa Herzog ins Herz geschlossen und möchte sie nicht mehr daraus entlassen. Doch es hilft ja nichts, Stefanie Reinsperger will sich auf ihr Engagement am Wiener Burgtheater und auf neue Projekte konzentrieren. „Ein Teil von mir bleibt bei Rosa und in Dortmund“, sagt die 38-Jährige. Das tröstet leider kaum.
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