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Tatort-Kolumne
22.01.2022

Ein fast perfektes Verbrechen im fast perfekten Saarbrücker "Tatort"

Ronald Hinzpeter ist einer von vier "Tatort"-Kritikern unserer Redaktion.

Die Saarbrücker Kripo ermittelt in den eigenen Reihen: Der diabolische Vater von Kommissar Schürk ist tot - und der Sohn in Haft. Packend.

Schon lange gab es im Fernsehen wohl keinen mieseren Vater mehr als diesen Roland Schürk (Torsten Michaelis). Er hat seinen Sohn Adam (Daniel Sträßer) früher in hässlicher Regelmäßigkeit barbarisch vertrimmt und gedemütigt. Selbst jetzt, als sein einstiges Opfer zum grimmigen Kriminalbeamten geworden ist, lässt er nicht von ihm ab. Allerdings piesackt er ihn nicht mehr mit dem Ledergürtel, dafür mit dämonischer Finesse. Doch ist das ein Grund, den Vater umzubringen? Zumindest sieht es danach aus, und der Gesetzeshüter muss erst mal zu den Gesetzesbrechern in Untersuchungshaft.

In diesem dritten Fall des jungen und selten munter gestimmten Saarbrücker "Tatort"-Teams mit dem Titel „Das Herz der Schlange“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) müssen sich Schürk und Teampartner Leo Holzer (Vladimir Burlakov), mit dem ihn ein dunkles Geheimnis verbindet, wieder mit der Vergangenheit herumschlagen. Die droht immer noch, die Zukunft der beiden zu zerstören. Es ist der „König“, der unsichtbar ihre Gegenwart beherrscht. So lautete einst der Spitzname des grässlichen Roland Schürk. Doch jetzt ist der König tot – und nichts wird besser. Denn sein gewaltsames Dahinscheiden mit einer Kugel im Bauch droht den Sohn in den Abgrund zu reißen und damit dieses Saarbrücker Kripo-Quartett zu sprengen.

Die saarländischen "Tatort"-Hauptkommissare, Adam Schürk (Daniel Sträßer, links) und Leo Hölzer (Vladimir Burlakov).
Foto: Manuela Meyer Peter Liwoski/Saarländischer Rundfunk, dpa

Das hat schon in den ersten beiden Folgen geglänzt und dem „Tatort“ aus dem kleinsten Bundesland eine notwendige Frischzellenkur verpasst. Mittlerweile rücken die beiden Männer Schürk und Holzer ein wenig zur Seite, damit auch die Ermittlerinnen Esther Baumann (Brigitte Urhausen) und Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer) etwas mehr Platz bekommen. Den nutzt vor allem Pia Heinrich, die bei massivem Schlafmangel auch mal rabiat agiert.

Noch eine Leiche im "Tatort" aus Saarbrücken

Alle drei Geschichten leben aus der Vergangenheit heraus. Diese ganz besonders, denn nun wird klar, warum der Vater eines Polizisten sich so ein ultramodernes Beton-Heim leisten und die Wände mit Bildern dekorieren kann, die verdächtig nach dem deutschen Großkünstler Gerhard Richter aussehen.

Und dann ist da ja noch eine andere Leiche, die zunächst nichts mit dem Familiendrama im Hause Schürk zu tun zu haben scheint, aber die Krimihandlung in Gang bringt. Natürlich gibt es einen Zusammenhang, der vielleicht etwas konstruiert wirkt, was aber absolut nicht stört in dieser Story über ein fast perfektes Verbrechen.

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Autor Hendrik Hölzemann, der schon die ersten beiden Folgen geschrieben hat, knüpft nahtlos an die bisherige Erzählung an. Auch „Das Herz der Schlange“ verdichtet er zu einem packenden Drama, das so viele 08/15-„Tatorte“ und sonstige handelsübliche TV-Krimis hinter sich lässt.

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