Heutzutage wollen viele Menschen „gesehen“ werden, vor allem, wenn sie einer Minderheit angehören – was nichts anders heißt, als akzeptiert zu werden. Andere wiederum wollen einfach nur angeschaut werden, im Mittelpunkt stehen und berühmt dafür sein, berühmt zu sein. Das ist die Welt der glamourösen „It-Girls“ vom Schlage Paris Hilton, deren Prominenz darauf beruht, dank reicher Herkunft mit den Reichen und Schönen abzuhängen. In derselben Liga spielt auch Kim Kardashian, die allererste Bekanntheit durch ein privates Sex-Video erlangte und sich seither clever vermarktet hat. Das ist It-Girl-Weltliga.
Pony Hübner („mit langem O“) war hingegen nur Bundesliga und jetzt ist sie in der Versenkung weitgehend verschwunden – bis ihr Auto im Neckar versinkt und mit ihm ihre kleine Tochter. Der Sohn war ebenfalls an Bord, bleibt aber nicht auffindbar. Wer hat den Wagen gefahren, war es eine missglückte Entführung? Das ist die Ausgangslage in diesem Stuttgarter „Tatort“ mit dem arg bemühten Wortspiel „Ex-It“ um eine einstige Ikone der Regenbogenpresse (Sonntag, ARD, 20.15 Uhr).
„Tatort“ aus Stuttgart: Auftritt für einen Kotzbrocken mit Herz
Zu dieser wurde Pony Hübner von ihrem Ehemann gemacht, der von sich selbst in einem Interview gesagt hat, er sei „irgendwas zwischen Verleger, Social Media Manager und Arschloch“. Mit seinen bunten Klatsch-Schundblättern ließ er seine Frau Pony (Kim Riedle) nach oben schreiben, bis er sie fallen ließ und sie ihren It-Girl-Status einbüßte („Wenn du nur 10.000 Follower hast, bist du unsichtbar.“). Hans Löw, in seinen Rollen auf diese Art von Kotzbrocken abonniert, spielt den Ehemann wieder wunderbar widerlich, aber auch so, dass man das Gefühl bekommt, in seiner Brust schlägt auch ein Herz und rattert nicht nur eine Registrierkasse.
Vordergründig dreht sich die Arbeit des Stuttgarter Fahnder-Duos Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) um eine mögliche Entführung des Sohns, doch zügig verwandeln sie sich in Paartherapeuten, denen das Ehepaar Hübner ihre frostige Beziehung aufdröselt. Dafür nimmt sich der Film extrem viel Zeit und bringt die Handlung zeitweilig völlig zum Erliegen. Ohnehin ist das hier weniger ein echter Krimi als vielmehr die Analyse einer Beziehung, die dem Ruhm und dem Kommerz geopfert wurde. Das Stärkste an dieser Folge ist Kim Riedle, die mit sanfter Stimme und bezauberndem Lächeln Ponys Abgründe offenbart. Das kann diese träge Folge aber nicht mehr retten.
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