Beim Teutates! Diese Meldung dürfte Latein-Liebhaber wie mich, sogenannte Latin-Lover, weltweit schockiert haben: Der Vatikan schreibt Latein nicht mehr als erste Amtssprache vor. Dieser Sehnsuchtsort für klassische Philologen, an dem es sogar Geldautomaten in lateinischer Sprache (sic!) gibt, erklärt nun die Mutter vieler heutiger Sprachen zur lingua non grata?
Gut, ganz so schlimm ist es (noch) nicht. Ein Großteil des Status – der Plural im Deutschen lautet übrigens Status mit langem U und nicht etwa Stati und schon gar nicht Statusse – Quo bleibt erhalten und man darf jederzeit weiter Latein sprechen. Trotzdem: Für die de facto tote Sprache ist die Entscheidung in Rom ein weiterer schwerer Schlag.
Latein wird auch ohne den Vatikan weiterleben – und das ist gut so
Wer hingegen ganz gelassen reagieren dürfte, ist die lateinische Sprache selbst. In den knapp 3000 Jahren ihrer Existenz hat sie viele Sprecherinnen und Sprecher überlebt, Hochphasen und Sprachveränderungen erlebt und bis heute vor allem in den romanischen, aber auch in vielen anderen Sprachen der Welt weitergelebt. Immer in dem vollen Bewusstsein, vielleicht irgendwann sterben zu müssen. Memento mori eben.
Bis es aber so weit ist, empfinden Latin-Lover weiter große Freude daran, wenn sie im Alltag Wortursprünge aus dem Lateinischen entdecken. Zum Beispiel in schwedischen oder Ingolstädter Automarken, beim Angeben im Bekanntenkreis (glauben Sie mir, das lässt einen wahnsinnig sympathisch wirken – sympathisch kommt jedoch aus dem Altgriechischen), wenn neue gefeierte Serien erscheinen, die plötzlich „Pluribus“ heißen et cetera. Latein wird weiterleben – ad infinitum. Das schreibe ich bona fide.
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