Einen weiteren Superlativ hat das legendäre Aztekenstadion sicher, wenn am Donnerstag um 13.00 Uhr Ortszeit der WM-Anpfiff erfolgt. Zum dritten Mal wird in dem Fußball-Tempel in über 2.200 Metern über dem Meeresspiegel eine WM-Endrunde eröffnet. Gastgeber Mexiko spielt gegen den 2010er-Gastgeber Südafrika. Kein anderes Stadion kann da mithalten. Aber auch sonst schrieb das Stadion im südlichen Stadtteil Santa Úrsula Coapa, in dem schon 19 WM-Spiele - auch ein Rekord - stattfanden, große Geschichten.
Die erste Gelbe Karte im Fußball
Es ist der 31. Mai 1970. Mexiko spielt gegen die damalige Sowjetunion. Die Partie vor über 107.000 Zuschauern endete mit einem 0:0. In Erinnerung blieb eher die erste Gelbe Karte, die im Fußball gezeigt wurde. In der 31. Minute wurde Kachi Assatiani verwarnt - vom deutschen Bundesliga-Schiedsrichter Kurt Tschenscher. Insgesamt verwarnte er sogar fünf Spieler.
Das Jahrhundertspiel
Halbfinale 1970: Deutschland gegen Italien. Die DFB-Elf hatte sich zuvor schon auf dramatische Weise gegen England durchgesetzt und die Three Lions damit entthront. Was dann aber auch wieder vor über 100.000 Zuschauer im Aztekenstadion passierte, definierte Fußball-Drama noch mal neu. „Niemand hat das Spiel vergessen“, sagte der 2021 gestorbene Torjäger Gerd Müller: „Das macht mich immer noch verrückt, ich habe mich bis heute nicht davon erholt.“
Müllers Doppelpack reichte nicht. Deutschland verlor 3:4 - nach Verlängerung. In der Nachspielzeit hatte Italien-Profi Karl-Heinz Schnellinger bei sengender Hitze den frühen Rückstand durch Roberto Boninsegna (8.) ausgeglichen. Müller traf dann in der 94. Minute zum 2:1 für Deutschland. Tarcisio Burgnich glich vier Minuten später aus. Luigi Riva (104.) brachte dann Italien wieder in Führung. Müller glich aus (110.). Aber nur eine Minute später besiegte Gianni Rivera (111.) das Aus der deutschen Mannschaft.
Die FIFA selbst nennt es „das Jahrhundertspiel“. Im Finale unterlag Italien Brasilien mit 1:4 - und Pelé feierte mit Sombrero.
Das Jahrhunderttor
WM 1986, Viertelfinale, Argentinien gegen England. Ein Duell auch mit großer politischer Sprengkraft. Vier Jahre nach dem Falklandkrieg zwischen den beiden Nationen trafen sie auf dem Rasen des Aztekenstadions aufeinander. Und der 2:1-Erfolg der Südamerikaner wurde zur großen Show des Diego Armando Maradona - oder auch: der Hand Gottes.
Der Reihe nach: Knapp 115.000 Zuschauer im Stadion erleben, wie Maradona die Argentinier in der 51. Minute in Führung bringt - per Kopfball? Der 1,65 Meter große Maradona im Luftduell gegen die fast 20 Zentimeter größere englische Torwart-Legende Peter Shilton? Wie soll das gehen? Mit der „Hand Gottes“, wie Maradona später verriet. Videoreferees gab es damals nicht, das Tor zählt.
Was Maradona vier Minuten nach einem ersten Treffer machte, wurde dann erst recht zum Treffer für Fußball-Ewigkeit: Maradona bekommt den Ball noch in der eigenen Hälfte, düpiert praktisch mit einer Drehung Peter Beardsley und Peter Reid und nimmt dann Tempo auf. Der nächste Engländer, den er stehen lässt, ist Terry Butcher, danach ist Terry Fenwick dran. Alle hilflos. Genau wie Shilton, der aus seinem Tor geeilt ist. Maradona läuft an ihm vorbei und schieb den Ball fast schon im Fallen über die Linie.
Die deutschen Tränen
Maradona war noch nicht fertig. Im Finale wartete nun die deutsche Nationalmannschaft. Es ist der 29. Juni 1986. Der Anstoß erfolgte um 12.00 Uhr mittags Ortszeit in Mexiko-Stadt. José Brown brachte Argentinien in der 23. Minute in Führung. Jorge Valdano erhöhte nach der Pause (55.). Die Sonne brennt unerbittlich, vor 114.600 Zuschauern im Aztekenstadion kämpft sich die deutsche Mannschaft unter Trainer Franz Beckenbauer, 1970 als Spieler beim Drama am gleichen Ort gegen Italien dabei, zurück.
Karl-Heinz Rummenigge (74.) und Rudi Völler (80.) trafen. Der Jubel währte aber nur kurz: In der 83. Minute machte Jorge Burruchaga nach einem Traumpass von Maradona mit seinem Tor den Triumph der Argentinier und die Tränen der Deutschen perfekt.
Nicht nur großer Fußball - auch ein Papst war schon da
Sportlich bleibt einer der großen Momente Bob Beamons Weitsprung-Weltrekord 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt. In der dünnen Höhenluft macht er einen damals unfassbaren Satz auf 8,90 Meter. Er verbesserte den Rekord von Jesse Owens aus dem Jahr 1935 damals um 55 Zentimeter und hielt ihn für über zwei Jahrzehnte. 1991 bei den Spielen in Tokio sprang Beamons amerikanischer Landsmann Mike Powell aber auf 8,95 Meter.
Auch ein Papst war schon im Aztekenstadion. Im Januar 1999 hielt Papst Johannes Paul II. dort eine Andacht vor über 100.000 Menschen.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren