In Schweden sieht jeder irgendwann rot. Beim Blick auf die Häuser. Denn die erstrahlen auffallend häufig in dieser Signalfarbe, wenn auch in einer matten Ausführung. Was bei Filmen und Serien aus dem skandinavischen Land ins Auge sticht, lässt sich auch bei einem Besuch in Schweden beobachten. Wir versuchen, dem Hintergrund des roten Häuser-Phänomens auf den Grund zu gehen.
Warum sind Häuser in Schweden oft rot?
Wie das Portal eksjohus schreibt, hat das typische Schwedenhaus mit dem dunklen Rotton seine Wurzeln in Smaland, einer ländlichen Region im Süden des Landes. Die rote Farbe geht jedoch auf die Stadt Falun zurück, daher wird auch oft von "Falunrot" oder eben "Schwedenrot" gesprochen.
Falun lebte einst vor allem vom Kupferbau. Zeitweise sollen im dortigen Bergwerk mehr als zwei Drittel des weltweit im Umlauf befindlichen Kupfererzes gefördert worden sein.
Und damit nähern wir uns der eigentlichen Frage an. Denn für den roten Anstrich der Holzhäuser wurde ein Abfallprodukt der Kupferförderung, das sich unter anderem aus Kupfer und Eisenoxid zusammensetzt, verwendet. Ein cleverer Kniff.
Zwar habe es mit der seit 1616 gezielt gewonnenen Pigmentmischung mehrere Fehlversuche gegeben, doch letztlich konnte durch gemeinsames Aufkochen mit Wasser und Stärke aus dem Pigment eine Anstrichfarbe konstruiert werden. Offiziell gilt 1764 als Geburtsjahr von Falunrot.
Der Originalname lautet laut nordisch.info "Falu Rödfärg". Diese Bezeichnung hat sich die Herstellerfirma "Stora Kopparbergs Bergslags AB" aus Falun als Markenzeichen eintragen lassen.
Ein Grund, warum viele Schweden schon vor langer Zeit ihre Häuser mit der Farbe versehen wollten, soll mit einem Vergleich mit dem Mitteleuropa zusammenhängen. Denn Falunrot ähnelt vom Aussehen her den Backsteinen, die südlich von Schweden in vielen Ländern damals die wohlhabenden Bevölkerungsschichten zum Bau ihrer Häuser nutzten. Mit den Jahren stieg auch der Wert der Schwedenhäuser, laut wohnen-tipps24 sind diese "teils teurer als ein Neubauapartment in den vornehmsten Straßen von München".
Zur Beliebtheit sollen aber auch Maler wie Carl Larsson, der aus der Nähe von Falun stammt, beigetragen haben. Der Künstler wurde in der Zeit der schwedischen Nationalromantik im ausgehenden 19. Jahrhundert vor allem mit Bildern seiner Familie - Frau Karin und acht Kinder - sowie dem Wohnhaus berühmt.
Dem Bericht von eksjohus zufolge hat sich an der Beliebtheit von Falunrot nichts geändert: "Bis heute ist der Farbton in allen Gesellschaftsschichten beliebt und wird weiterhin als Standardfarbe beim Bau von Holzhäusern angeboten."
Übrigens: In den Bergwerken und Gruben, die den Siegeszug von Falunrot überhaupt erst ermöglichten, wird seit 1992 kein Kupfer mehr abgebaut. Die Kupfermine wurde neun Jahre später ebenso wie drei Arbeiterviertel aus dem 17. Jahrhundert und die Industrielandschaft in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.
Warum ist das Falunrot als Hausfarbe so praktisch?
Das Portal eksjohus erklärt hierzu, die Nutzung von Falunrot würde auf Dauer Renovierungskosten sparen. Denn: "Aufgrund der chemischen Zusammensetzung lässt sich die Farbe besser auf unbehandeltem, aber auch auf bereits verwittertem Holz auftragen." Dies sei bei anderen Farben nicht der Fall, weil diese von verwittertem Holz stärker aufgesogen würden - folglich müsste öfter nachgestrichen werden.
Wie nordisch.info ausführt, schützt der besondere Farbstoff die Hauswand auch vor Pilzbefall. Obendrein absorbieren die Pigmente von Falunrot den größten Teil der UV-Strahlung.
Welche Alternativen gibt es zu Falunrot?
Während sich Falunrot laut wohnen-tipps24 auch in Norwegen durchsetzte, weil Schweden lange Zeit eine Besetzungsmacht des westlichen Nachbarn war, gibt es in der Heimat auch gefragte Alternativen. So werden demnach vom Falunrot-Erfinder auch Falungrau und Falunschwarz als Hausfarben angeboten. Letztere ist gerade in Waldgebieten als Außenfarbe der Häuser beliebt.