Wenige Minuten vor dem Abflug nach Paris wurde Dominique Strauss-Kahn von US-Beamten auf dem New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen aus eine Air-France-Maschine geholt und festgenommen. Der Chef des Internationalen Währungsfonds ist in den USA wegen versuchter Vergewaltigung, sexueller Belästigung und Freiheitsberaubung angeklagt worden.Dominique Strauss-Kahn soll eine 32 Jahre alte Hotelangestellte sexuell bedrängt zu haben. Das teilte die Polizei in New York mit. In Frankreich, wo Strauss-Kahn als Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2012 gehandelt wird, reagierte die Politik geschockt.
Medienbericht: Strauss-Kahn zwang Zimmermädchen zum Oralsex
Wie das Zimmermädchen laut Polizei aussagte, habe der 62 Jahre alte Strauss-Kahn sie belästigt, als er nackt aus der Dusche gekommen sei. Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf die Aussage der 32-Jährigen, das Zimmermädchen habe Strauss-Kahns Suite in dem Glauben betreten, dass diese leer sei. Während sie im Flur arbeitete, sei der IWF-Chef nackt aus dem Badezimmer gekommen. Dominique Strauss-Kahn habe sie ins Schlafzimmer aufs Bett gezogen und die Tür abgeschlossen. Das Zimmermädchen habe sich losgerissen, doch Strauss-Kahn habe sie ins Badezimmer gezerrt und sie ein zweites Mal sexuell bedrängt. Laut dem Fernsehsender MSNBC zwang er die Frau, die schließlich fliehen konnte, im Badezimmer zum Oralsex und versuchte, sie zu entkleiden. Polizeikreisen zufolge verließ Strauss-Kahn das Hotel Sofitel überstürzt.
Noch am Sonntag sollte Strauss-Kahn einem Haftrichter vorgeführt werden. Sein Anwalt erklärte, sein Mandant werde auf nicht schuldig plädieren.
Strauss-Kahn ist seit November 2007 Direktor der 186 Mitgliedsstaaten zählenden Organisation, die über die Stabilität des internationalen Finanzsystems wacht. Im Bemühen, die Wogen zu glätten, erklärte der IWF, trotz der Vorwürfe gegen Strauss-Kahn bleibe er "vollkommen handlungsfähig".
Der Vorfall könnte auch den Fahrplan für die Eindämmung der Euro-Schuldenkrise durcheinander bringen. "Die Affäre kommt zu einem schlechten Zeitpunkt", sagte ein EU-Diplomat am Sonntag in Brüssel mit Blick auf die Verhandlungen über das Hilfspaket für Portugal und mögliche neue Hilfen für Griechenland, an denen der IWF beteiligt ist. Strauss-Kahn sollte ursprünglich am Sonntag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin empfangen werden. Am Montag sollte er an einem Treffen der Finanzminister der Euro-Gruppe in Brüssel teilnehmen.
Die Chefin der französischen Sozialisten zeigte sich erschüttert von den Vorwürfen gegen Strauss-Kahn. Die Nachricht sei "ein Donnerschlag", sagte Martine Aubry. Sie mahnte, für den IWF-Chef müsse während der Ermittlungen die Unschuldsvermutung gelten. Die Chefin der rechtspopulistischen Front National, Marine Le Pen, erklärte, Strauss-Kahn sei mit seiner Anklage "endgültig als Kandidat für das höchste Amt im Staat diskreditiert". Umfragen zufolge lag "DSK", wie er in seiner Heimat genannt wird, in der Wählergunst zuletzt vor dem konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy. Ein Sprecher von Sarkozys Regierung warnte vor einer Vorverurteilung des IWF-Chefs.
Bereits 2008 hatte Strauss-Kahn wegen einer Affäre mit einer Mitarbeiterin beim IWF Schlagzeilen gemacht. Der Währungsfonds sprach ihn nach einer externen Untersuchung vom Vorwurf frei, Druck auf die Frau ausgeübt zu haben. afp