Für Baden-Württembergs Christdemokraten ist es eine Premiere. Heute fahren 400 Delegierte zum Parteitag nach Ludwigsburg und wissen erstmals nicht, wer danach ihr neuer Chef sein wird. Eine Kampfabstimmung um den Vorsitz hat es in der 40-jährigen Geschichte der Südwest-CDU noch nie gegeben. Um die Nachfolge von Stefan Mappus kämpfen der Heilbronner Bundestagsabgeordnete Thomas Strobl (51 Jahre) und der Landtagsabgeordnete Winfried Mack (45) aus Ellwangen.
Ex-Ministerpräsident Mappus selbst liebäugelt nach einem Bericht des Handelsblatts mit einem Wechsel in die Wirtschaft. Er soll offenbar für den Darmstädter Pharmakonzern Merck nach Südamerika gehen, um dort eine Aufgabe im Vertriebsbereich zu übernehmen. Wie es heißt, liegt ihm noch ein zweites Angebot vor. Er selbst sagte: „Ich führe derzeit in Ruhe eine Reihe von Gesprächen und über diese wiederum spreche ich nur mit meiner Frau und mit niemandem sonst.“
Gesucht wird bei der CDU ein politischer Sanierer, der vier Monate nach dem Verlust der Macht die Phase der Orientierungslosigkeit beendet und die Partei neu positioniert. Für dieses Ziel blockte der Landesvorstand mehrfach Forderungen nach einem Mitgliederentscheid über den Vorsitzenden ab. Die Mehrheit wollte keine Personaldebatte bis Herbst.
Seit der Wahlniederlage praktisch führungslos
Die CDU dümpelt seit der Landtagswahl am 27. März führungslos vor sich hin. „Am Dienstag diskutieren die Leute ein Thema, am Mittwoch das Gegenteil davon“, fasst ein Führungsmann seine Eindrücke zusammen. Die Mitglieder seien „zutiefst verunsichert“, ja sogar „aufgewühlt“. Ziemlich einig ist man sich zwischen Mannheim und Konstanz allenfalls in der Kritik an der Bundes-CDU und da besonders an der bildungspolitischen Kehrtwende mit der Abschaffung der Hauptschule. Deshalb wird der Auftritt von Kanzlerin Angela Merkel mit großer Spannung erwartet.
Strobl und Mack haben in den letzten Wochen einen Vorstellungsmarathon in der Partei absolviert. Inhaltlich liegen die beiden Bewerber in vielen Fragen nicht so weit auseinander. Strobl wirbt mit seinen Kontakten in Berlin. Mack präsentiert sich als Mann der Basis. „Der Landesvorsitzende muss eine dialogorientierte Politik glaubwürdig rüberbringen“, sagt er.
Strobl hat mit seiner größeren programmatischen Schärfe gepunktet. Aber niemand vermag präzise einzuschätzen, wie stark ihm die Delegierten die Wahlschlappe anlasten. Als Generalsekretär hat er eng mit Mappus zusammengearbeitet. Dabei zählt er eigentlich zu der Truppe um Alt-Ministerpräsident Günther Oettinger und den Landtagsfraktionschef Peter Hauk. Im überkommenen Lagerschema war Mack bis zur Landtagswahl einer der treuesten Mappus-Unterstützer und gehört ins alte Teufel-Lager.