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Berliner Charité: Die Wunderheilung: Ärzte besiegen HIV-Virus

Berliner Charité

Die Wunderheilung: Ärzte besiegen HIV-Virus

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    Arzt Gero Hütter beantwortet Fragen zur erfolgreichen Stammzell-Transplantation aneinem Leukämie-Patienen mit HIV-Infektion.
    Arzt Gero Hütter beantwortet Fragen zur erfolgreichen Stammzell-Transplantation aneinem Leukämie-Patienen mit HIV-Infektion.

    Wenn beim Thema Aids von "Durchbruch" die Rede ist oder gar von "Heilung", sind Fachleute skeptisch: "Wahrscheinlich eine Ente", meint ein Klinikarzt, der gestern auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn die Schlagzeile der Bild-Zeitung gelesen hatte: "Welt-Sensation! Deutscher Arzt heilt Aids-Kranken."

    Die Immunschwächekrankheit, an der weltweit rund 40 Millionen Menschen leiden, gilt bislang als unheilbar. Zwar ist es gelungen, die Lebenserwartung von infizierten Patienten innerhalb von zehn Jahren um 13 Jahre zu steigern. Doch das Erbgut der HI-Viren kann nach bisherigem Verständnis nicht mehr aus dem Organismus entfernt werden. Die Folge: Aids-Patienten müssen lebenslang mit Medikamenten therapiert werden.

    Vor diesem Hintergrund erscheint der Erfolg, den der Berliner Arzt Dr. Gero Hütter (39) bei einem 42 Jahre alten Amerikaner erzielte, tatsächlich wie eine Sensation. Der Patient, der an Leukämie litt und bei dem die HIV-Infektion seit zehn Jahren bekannt war, ist nach Chemotherapie und Stammzellen-Transplantation frei von HIV. Zumindest im Blut des Patienten konnte das Virus seit fast zwei Jahren nicht mehr nachgewiesen werden. Gero Hütter, der im Campus Benjamin Franklin der Berliner Charité in der Tumormedizin arbeitet, hatte allerdings für seinen Patienten einen besonderen Knochenmarkspender gesucht: einen, der dank einer bestimmten Genmutation (sie heißt Delta 32 auf dem Rezeptor CCR5) gegen Aids resistent ist.

    Der Schutzeffekt der Mutation gegen die Immunschwäche ist erst seit wenigen Jahren bekannt. Unter weißen Amerikanern und Europäern kommt sie bei einem von 1000 Menschen vor, erläuterte das Team um Prof. Eckart Thiel gestern bei einer Pressekonferenz.

    Eine Verkettung glücklicher Umstände kam dem Amerikaner, der in Berlin lebt und seit drei Jahren in der Charité behandelt wird, zu Hilfe: Unter 60 in Frage kommenden Knochenmarkspendern - statt der sonst üblichen ein bis fünf - fand sich einer mit der Mutation. "Diesen Spender haben wir mit der Hoffnung ausgewählt, dass nach der Transplantation seiner Stammzellen auch die HIV-Infektion verschwinden könnte", sagte Gero Hütter. Aids war bei dem Patienten noch nicht ausgebrochen und die Leukämie war keine direkte Folge der HIV-Infektion.

    Nach der Knochenmarktransplantation wurde die medikamentöse Behandlung des Patienten zunächst eingestellt, da die Mediziner befürchteten, sie könnte zu einer Abstoßungsreaktion des gespendeten Knochenmarks führen. Normalerweise führt die Absetzung der Medikamente innerhalb weniger Wochen zum Ausbruch von Aids. Doch genau das geschah wunderbarerweise nicht. Gero Hütter will deshalb keine falschen Hoffnungen wecken. "Weder jetzt noch in naher Zukunft ist das Verfahren geeignet, HIV-Patienten zu behandeln", betont der junge Mediziner, den der Rummel offenbar überraschte.

    Als "Nebeneffekt" der Leukämiebehandlung hält der Augsburger Krebsspezialist Professor Günter Schlimok, Chefarzt der II. Medizinischen Klinik am Klinikum, den Erfolgsbericht aus Berlin für durchaus nachvollziehbar. Mit der Einschränkung allerdings, dass es sich wohl um einen speziellen Einzelfall handelt, in dem der Patient möglicherweise außerhalb des blutbildenden Gewebes im Organismus keine Aids-Viren trug. Ob der 42-jährige Amerikaner aber tatsächlich für den Rest seines Lebens als resistent gegen Aids gelten kann, ist umstritten.

    "Das ist sicherlich keine Heilung", meint Prof. Norbert Brockmeyer von der Ruhr-Universität Bochum, der Sprecher des Kompetenznetzes HIV/Aids. Selbst wenn das Virus im Blut nicht nachweisbar sei, könne es sich zum Beispiel im Lymphgewebe oder in der Milz verstecken. Er glaubt auch nicht, dass der Berliner Fall den vielen anderen Betroffenen weiterhelfen kann. Allein in Deutschland leben zurzeit rund 40 000 HIV-Infizierte, pro Jahr sterben etwa 600 an Infektionen und Tumoren als Folge der Immunschwäche. Besonders verbreitet ist Aids in Afrika. Südlich der Sahara leben 26 Millionen Menschen mit einer HIV-Infektion. Auch in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion ist Aids seit Anfang der 1990er Jahre parallel zur Ausbreitung der Drogensucht zur Epidemie geworden.

    Das Glück, mit der Berliner Methode erfolgreich behandelt zu werden, wäre wohl mit dem Auffinden einer Stecknadel im Heuhaufen vergleichbar: Nur bis zu drei Prozent aller Knochenmarkspender hätten auch die nötige HIV-Resistenz, so Brockmeyer. Außerdem sei eine Knochenmarktransplantation immer mit großen Nebenwirkungen und Risiken verbunden. Der Wissenschaft werde die Berliner Entdeckung aber neuen Auftrieb geben, besonders der Gen-Therapie.

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