Proteste von Atomkraft-Gegnern halten den Castor-Transport mit radioaktivem Atom-Müll nach Gorleben weiter auf. In Harlingen in Niedersachsen sei eine Blockade der Gleise zwar ausgelöst worden, sagte ein Sprecher der Polizei am heutigen Sonntag. In Vastorf bei Lüneburg hätten sich jedoch vier Menschen im Gleisbett angekettet. Auch im weiter östlich gelegenen Hitzacker ketteten sich demnach drei Gegner an. Die Weiterfahrt des Zugs sei daher bislang nicht absehbar.
Castor-Transport in Harlingen blockiert
Sechs Fakten zum Castor-Transport
Elf Spezialbehälter werden wie im vergangenen Jahr zunächst mit dem Zug, dann per Tieflader nach Gorleben transportiert. In jedem Castor stecken 28 Glaskokillen mit radioaktiven Abfällen aus deutschen Atomkraftwerken.
Rund 1200 Kilometer lang ist die Strecke vom französischen La Hague bis nach Gorleben. Die letzte Etappe auf der Straße von Dannenberg bis zum Zwischenlager beträgt etwa 20 Kilometer.
Rund 20 000 Polizisten sollen nach Angaben der Polizei Lüneburg den Castortransport schützen. 12 000 Beamte werden von der Landespolizei eingesetzt, etwa 8000 von der Bundespolizei aus ganz Deutschland.
Etwa 16 000 Demonstranten werden am letzten Novemberwochenende gegen den Atommülltransport protestieren, schätzt die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.
Dieses Jahr rollt der letzte Castortransport mit hoch radioaktivem Atommüll aus Frankreich nach Gorleben. Zwischen 2014 und 2017 plant das niedersächsische Umweltministerium, weitere 21 Behälter mit Atommüll aus dem britischen Sellafield nach Deutschland zu holen.
102 Behälter mit Atommüll und abgebrannten Brennelementen lagern derzeit im Zwischenlager Gorleben.
In Harlingen hatten in der Nacht nach Polizeiangaben etwa 3500 Menschen die Schienen blockiert oder sich an Protesten rund um die Blockade beteiligt. Die Atomkraftgegner sprachen von bis zu 5000 Menschen. Die Räumung durch die Polizei verlief schleppend. Hauke Nissen, ein Sprecher der Gruppe WiderSetzen, die zu der Schienenblockade aufgerufen hatte, sprach von einem ruhigen Ablauf der Räumung. Es habe vereinzelt Übergriffe gegen Blockierer gegeben, einige seien "gezerrt und gezogen" worden. Jedoch sei die Räumung ruhiger verlaufen als erwartet.
Polizei im Dauereinsatz
Nissen befand sich selbst am Sonntagmorgen in Polizeigewahrsam auf einem Feld nahe den zuvor besetzten Gleisen. Das durch Polizeiautos abgesperrte Areal lag unter freiem Himmel. Nissen übte scharfe Kritik daran, dass die von der Polizei weggetragenen Blockierer ihre Rucksäcke auf den Schienen lassen mussten. In dem Polizeikessel würden Decken knapp. Viele hätten in ihren Taschen Decken oder andere Dinge, die sie nun dringend bräuchten. Es herrschten starke Windböen und ein Nieselregen habe eingesetzt.
Räumung lief ruhig und geordnet
Ein Polizeisprecher vor Ort sagte, die Räumung sei sowohl von Seiten der Polizei als auch der Demonstranten "ruhig und geordnet" verlaufen. Dem Sprecher zufolge wurden alle diejenigen, die der Aufforderung zum Räumen der Gleise nicht folgten, in die sogenannte Außengewahrsamstelle gebracht. Sie sollen einem Richter vorgeführt werden. Nissen schätzte die Zahl der in Gewahrsam genommenen Demonstranten auf etwa 2000. Die Gefangenensammelstelle auf freiem Feld bezeichnete er als "illegal".
Castoren aus La Hague
Der Zug mit den elf Castoren aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague war am Samstagabend im Güterbahnhof Maschen südlich von Hamburg umrangiert worden, um seine Fahrt nach Lüneburg in entgegengesetzter Richtung fortzusetzen. Nach Angaben der Blockierer stand er am Morgen weiter in Maschen. AFP