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Covid19

13.02.2020

China bekommt die Coronavirus-Krise nicht in den Griff

Fiebermessung bei einer Passantin in Wuhan: China bekommt das Coronavirus nicht in Griff.
Bild: Xiao Yijiu/XinHua, dpa

Mehr als 200 Tote an einem Tag - die Zahl der Coronavirus-Infizierten steigt stark an. In Bayern dagegen durfte der erste Patient nach Hause.

Im Kampf gegen das Coronavirus tritt die chinesische Regierung auf der Stelle. Während in Bayern der erste von 14 Patienten als geheilt aus der Klinik entlassen wurde, nimmt die Lage in China dramatische Züge an. Nach 254 weiteren Todesfällen innerhalb eines Tages sind dort insgesamt bereits mehr als 1300 Menschen ums Leben gekommen. Auch die Zahl der neu Infizierten ist stark gestiegen – um mehr als 15.000 auf nahezu 60.000. Das hat auch mit einer neuen Methode zu tun, nach der die Corona-Fälle gezählt werden. War dafür bisher ein DNA-Test nötig, reicht es nun aus, wenn ein Arzt eine Infektion anhand der Symptome oder einer Computertomografie bestätigen kann.

Für Deutschland sieht das Robert-Koch-Institut noch keinen weiteren Handlungsbedarf. „An unserer Bewertung der Gefährdungslage hat sich nichts geändert“, betonte eine Sprecherin des Instituts, das für die Erkennung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten zuständig ist, gegenüber unserer Redaktion. Gegenwärtig gebe es keine Anzeichen für eine weitere Ausbreitung der Viren. Gleichwohl halten es die Fachleute für möglich, dass sich das Virus zu einer weltweiten Seuche ausweitet. Auch das deutsche Gesundheitssystem könnte dadurch schwer unter Stress geraten.

Coronavirus: Pharma-Experten warnen vor Antibiotika-Engpässen in Deutschland

Gesundheitsminister Jens Spahn befürchtet wegen der Epidemie neue Arzneimittel-Engpässe in Europa. Seit Tagen warnen Pharma-Experten bereits davor, dass Produktionsausfälle in der besonders betroffenen Provinz Hubei in China zu großen Problemen bei der Versorgung mit Antibiotika in Deutschland führen könnten. Weltweit sei die Pharmabranche in der Wirkstoff-Produktion von China abhängig, betonte auch Spahn. Europa lebe im Moment nur noch von den Vorräten.

China bekommt die Coronavirus-Krise nicht in den Griff

Zwar bemühten sich die Gesundheitsminister der EU am Donnerstag, aufkommender Nervosität entgegenzutreten. Trotzdem hat die Gemeinschaft in den Krisenmodus geschaltet. Die zuständige Kommissarin Stella Kyriakides bot an, die Schutzausrüstung von Kliniken und Quarantänestationen zentral durch die EU zu beschaffen, auch ein Krisen-Team wurde installiert. Doch woher dieses Team Medikamente bekommen will, falls China als Lieferant ausfällt, blieb offen. Sollte die Epidemie auf Europa übergreifen, müsse auch über weitergehende Maßnahmen wie Grenzschließungen geredet werden, sagte der kroatische Gesundheitsminister Vili Beros: „Aber dafür ist es jetzt zu früh.“

Betroffene Region in China: Wegen Coronavirus-Krise Gouverneur abgesetzt

In China sind nach wie vor viele Schulen, Universitäten und Betriebe geschlossen. Die drastischsten Einschränkungen hat die Stadt Shiyan in der Provinz Hubei ausgegeben: Dort dürfen sämtliche Bewohner bis auf einige Ausnahmen nicht einmal mehr ihre Wohnungen verlassen. Den Krankenhäusern hat die Regierung verboten, Informationen über die Zahl der angesteckten Ärzte und Pfleger zu veröffentlichen.

In Wuhan wurden zwei Männer festgenommen, nachdem sie Videoaufnahmen von Krankenhäusern veröffentlicht hatten, auf denen auf den Gängen herumliegende Leichensäcke zu sehen waren. Den Bürgermeister von Wuhan und den Gouverneur der umliegenden Provinz Hubei hat die Regierung abgesetzt.

In Japan ist erstmals ein mit dem neuen Virus infizierter Mensch gestorben. Nach Behördenangaben handelt es sich bei dem Opfer um eine ältere Frau. Bislang sind in Japan mehr als 200 Infektionsfälle bestätigt – vor allem Passagiere und Crewmitglieder eines Kreuzfahrtschiffes, das unter Quarantäne gestellt ist.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Wo bleibt der Impfstoff?

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