Newsticker
Alexander Dobrindt bleibt Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag
  1. Startseite
  2. Politik
  3. Corona-Pandemie: Wie hoch war die Übersterblichkeit im Corona-Jahr 2020?

Corona-Pandemie
30.01.2021

Wie hoch war die Übersterblichkeit im Corona-Jahr 2020?

In Zeiten besonders vieler Corona-Toten ist manches Krematorium überlastet. Die Pandemie schlägt sich auch in der Gesamtstatistik der Todesfälle in Deutschland nieder.
Foto: Julian Stratenschulte, dpa (Symbolbild)

Zehntausende Menschen sind in Deutschland an einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Eine Grafik zeigt die Übersterblichkeit im Jahr 2020.

Volle Intensivstationen, Pfleger und Ärzte am Limit, überlastete Krematorien: Bilder wie diese prägten das Jahr 2020. Noch immer warnen Mediziner vor einem Kollaps des Gesundheitssystems. Und doch ist regelmäßig ein vermeintliches Argument von Kritikern der Corona-Maßnahmen zu hören: Die meisten Todesfälle hätte es auch ohne Corona gegeben. Zahlen des Statistischen Bundesamts legen nun nahe, dass dies nicht so ist - und sich die Zehntausenden Corona-Toten in Deutschland auch in der Übersterblichkeit widerspiegeln.

Corona verursachte wohl Übersterblichkeit in Deutschland

Genau 982.489 Menschen sind nach den amtlichen Zahlen 2020 in Deutschland gestorben. Damit starben 48.100 Menschen mehr als durchschnittlich in den Jahren 2016 bis 2019. Die sogenannte Übersterblichkeit beträgt damit rund fünf Prozent. Der Wert wird herangezogen, um die tatsächliche Auswirkung etwa von Pandemien auf die Sterblichkeit in einem Land zu messen. Dabei fließen auch Nebenffekte ein - etwa weil die Kontaktbeschränkungen auch die Verbreitung anderer Infektionskrankheiten wie die Grippe gehemmt haben.

"Die gestiegenen Sterbefallzahlen im Jahr 2020 sind größtenteils auf eine Zunahme von Sterbefällen in der Altersgruppe der ab 80-Jährigen zurückzuführen", heißt es von den Statistikern der Bundesbehörde. Besonders deutlich hinterließ Corona in den Monaten Spuren in der Todesstatistik, in denen die Infektionen besonders hoch waren - gerade im Dezember. Nach dem statistischen Bundesamt starben mit 106.607 Menschen 29 Prozent mehr als in den durchschnittlichen Vorjahresmonaten. Das ist die höchste Zahl von Todesfällen in einem Dezember seit 1969, als die sogenannte Hong-Kong-Grippe die Sterbestatistik in die Höhe schnellen ließ. Noch deutlicher tritt der Effekt in Corona-Hotspots wie Sachsen zutage: Hier starben im Dezember 2020 mehr als doppelt so viele Menschen wie in den Vorjahresmonaten.

Mehrere Effekte beeinflussten Übersterblichkeit im Jahr 2020

Das Statistische Bundesamt weist auf mehrere Besonderheiten im Jahr 2020 hin: Erstens war die Auswirkung der Grippe im ersten Quartal vergleichsweise gering. Im April zeigte sich mit dem Anstieg der Corona-Todesfälle auch in der Gesamtstatistik ein deutlicher Anstieg. Während der wärmeren Monate - als in Deutschland niedrige Corona-Fallzahlen herrschten - lagen die Todesfälle bis zum Hitzemonat August auf durchschnittlichem Niveau. Ab Oktober zeigte sich mit einem Anwachsen der zweiten Corona-Welle eine deutliche Übersterblichkeit.

Zahl der Todesfälle wäre auch in einem normalen Jahr etwas gestiegen

Zu beachten ist, dass 2020 ein Schaltjahr war - was die Zahl der Todesfälle rechnerisch um 3.000 steigen lässt. In einem normalen Jahr hätte das Statistische Bundesamt zudem mit einem Anstieg der Todesfälle um ein bis zwei Prozent gerechnet. Das liegt daran, dass sich die Altersstruktur der Bevölkerung ändert. Allerdings rechnet die Behörde damit, dass der tatsächliche Anstieg der Todeszahlen von fünf Prozent wegen Nachmeldungen wohl noch auf sechs Prozent steigt.

 

In anderen europäischen Ländern lag die Übersterblichkeit wesentlich höher: In Belgien etwa bei 17 Prozent, in England bei 15 Prozent, in Schweden bei elf Prozent. Österreich verzeichnet ebenfalls eine Zunahme der Todesfälle um elf Prozent, Frankreich um sieben Prozent. Besonders das Vereinigte Königreich ist durch die ansteckendere Corona-Variante hart von der Pandemie betroffen.

 

Lesen Sie dazu auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

31.01.2021

MARTIN G:
Im Zusammenhang mit dieser Pandemie sind viele Menschen auch daran gestorben, dass sie z. B. nicht mehr oder zu spät aus Angst zum Arzt oder ins Krankenhaus gegangen sind.
Ich bin nur dagegen, dass in den Medien und der Politik immer wieder Zahlen genannt werden, die nicht unmittelbar damit zu tun haben. Deswegen habe ich auch geschrieben, dass es MIT und nicht AN Corona heißt.
Wenn man dann schon die Statistik liest, bzw. bemüht, sollte man nicht ein Jahr dann mit auf einmal dem Durchschnitt von 4 Jahren vergleichen.

Permalink
31.01.2021

Wo steht denn im Artikel etwas davon dass die Übersterblichkeit NUR mit Corona zusammenhängt?
"Dabei fließen auch Nebenffekte ein - etwa weil die Kontaktbeschränkungen auch die Verbreitung anderer Infektionskrankheiten wie die Grippe gehemmt haben."

"Wenn man dann schon die Statistik liest, bzw. bemüht, sollte man nicht ein Jahr dann mit auf einmal dem Durchschnitt von 4 Jahren vergleichen."
Doch, genau das muss man tun! Wenn ich ein Jahr mit dem Durchschnitt der vergangenen Jahre vergleiche kommt ja gerade der Unterschied zum tragen! Aber wenn Sie das nicht wollen: 2018: 932 272 - 2020: 982 489 = Mehr als 50 000 Tote mehr - Noch schlimmer! 2016: 910 902 - 2020: 982 489 = Sogar schon über 70 000 mehr! Was passiert denn da!
Mit einzelnen Jahren zu rechnen ist also hahnebüchen!

Und was sie meinen:
"Im Zusammenhang mit dieser Pandemie sind viele Menschen auch daran gestorben, dass sie z. B. nicht mehr oder zu spät aus Angst zum Arzt oder ins Krankenhaus gegangen sind." - Da können sie mich Haarspalterisch nennen, aber das sind für mich so gesehen durchaus auch "Corona-bedingte Todesfälle".
Um mal einen etwas unpassenden Vergleich zu bringen: Wenn ich im Krieg verhungere weil es kein Essen gibt, sterbe ich dann für sie also nicht AM Krieg, sondern MIT dem Krieg?

Permalink
31.01.2021

Ohne das Virus verharmlosen zu wollen, aber es sind nicht Zehntausende an einer Coronainfektion gestorben, sondern MIT einer Coronainfektion. Das ist ein Unterschied.

Permalink
31.01.2021

Ich bin jetzt nicht unbedingt der große Statistiker, vielleicht können Sie mir ja helfen:
Wenn in einem Jahr statistisch mehr Menschen gestorben sind (Übersterblichkeit), und in diesem Jahr gleichzeitig eine ansteckende Viruserkrankung umgeht. Kann es dann nicht sein, dass die Viruserkrankung damit zu tun hat?
Oder sind ihrer Meinung nach einfach 48000 mehr Menschen von Leitern gefallen und haben sich tödlich verschluckt die zufällig auch Corona hatten?

Permalink