Ulf Merbold (70) war im Jahr 1983 der erste bundesdeutsche Astronaut im Weltall: "An diesem Tag war ich in Noordwijk in den Niederlanden. Dort habe ich längere Zeit am Technologiezentrum der Europäischen Weltraumorganisation Esa gearbeitet. Es ging um das Wissenschaftslabor Columbus, das ja für die Internationale Raumstation ISS entwickelt worden ist. Weil ich den ganzen Tag über gut beschäftigt war, habe ich erst am Abend im Fernsehen von der Katastrophe erfahren. Das war so unglaublich, das lag so jenseits meiner Vorstellungskraft, dass ich bis heute nicht nachvollziehen kann, was in den Köpfen dieser Terroristen vorgegangen ist.
Was ich auch noch in Erinnerung habe, sind die Fernsehbilder von dem Augenblick, als der amerikanische Präsident Bush von dem Desaster erfuhr. Dieses starre Gesicht, als man ihm das Unvorstellbare ins Ohr flüsterte. Wie ihm die Gesichtszüge dann entglitten sind. Wahrscheinlich hätte ich genauso reagiert. Viel zu wenig wird heute von dem vierten Flugzeug gesprochen, das in der Gewalt der Terroristen war und das mutige Passagiere zum Absturz brachten, bevor es noch größeren Schaden anrichten konnte. Die Menschen hatten keine Chance, sind aber trotzdem nicht wie das Karnickel vor der Schlange gesessen.
Wenn das politische Führungspersonal auch mal die Erde von oben sehen könnte – diesen kleinen Planeten, der dann keine Grenzen hat – und selbst erleben würde, dass man den Globus in 90 Minuten umrunden kann, dann glaube ich, würden sich auch Einstellungen und Haltungen ändern lassen. Bei den Terroristen vom 11. September hätte ich allerdings meine Zweifel. Was sie getan haben, lag so weit außerhalb des normalen menschlichen Verhaltens, dass auch unser Blauer Planet sie wohl nicht davon abgehalten hätte, dieses Grauen über die Menschen zu bringen." (ioa)