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Syrien

09.10.2019

Die Türkei startet ihre Militäroffensive in Syrien

Ein Soldat der "Freien Syrischen Armee", die von der Türkei unterstützt wird, beim Training an einem schweren Maschinengewehr. Am Mittwoch hat die Offensive in Nordsyrien begonnen.
Bild: Str, dpa (Archiv)

Die Türkei hat ihre angekündigte Offensive in Syrien gestartet, die sich gegen die Kurdenmiliz YPG richtet. Am Ende könnte das die Terrororganisation IS stärken.

Kampfjets in der Luft, gewaltige Explosionen am Boden: Die Türkei hat ihre angekündigte Intervention im Nordosten Syriens gestartet und damit eine neue Fluchtwelle in dem Bürgerkriegsland ausgelöst. Die Luftwaffe bombardierte am Mittwoch mehrere Stützpunkte der syrischen Kurdenmiliz YPG. Am Abend stießen auch Bodentruppen auf syrisches Gebiet vor.

Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, der Einsatz solle den „Terror-Korridor“ der YPG zerschlagen und gleichzeitig die Voraussetzungen für die Einrichtung einer „Sicherheitszone“ zur Rückführung von Millionen syrischer Flüchtlinge aus der Türkei schaffen. Die EU rief die Türkei auf, die Intervention abzubrechen. Erdogan dürfte den Appell ignorieren – doch der Einmarsch könnte der Türkei neue Probleme bringen.

Operation der Türkei in Syrien heißt "Quelle des Friedens"

Auf Antrag von Frankreich und Großbritannien soll sich an diesem Donnerstag der UN-Sicherheitsrat mit dem Thema befassen. Bundesaußenminister Heiko Maas verurteilte die Offensive „auf das Schärfste“. Selbst US-Präsident Donald Trump, der vor wenigen Tagen den Abzug der US-Truppen aus Nord-Syrien angeordnet und den Türken damit grünes Licht für einen Einmarsch gegeben hatte, nannte die Offensive eine „schlechte Idee“.

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Aufhalten konnte Trump den türkischen Einsatz damit aber nicht. Erste türkische Angriffe richteten sich gegen YPG-Stellungen und -Munitionsdepots in Ras al-Ain, Qamisli und Tel Abyad. Die Luftangriffe und der Artilleriebeschuss bereiteten den Einmarsch von Bodentruppen nach Syrien hinein vor, der laut dem türkischen Verteidigungsministerium gegen 21.30 Uhr MESZ begann. Die von der YPG dominierte syrische Streitmacht SDF meldete, mehrere tausend Menschen seien vor dem türkischen Beschuss aus Ras al-Ain geflohen.

Unmittelbar nach Beginn der Offensive warfen sich beide Seiten gegenseitig vor, Zivilisten in Gefahr zu bringen. Türkische Medien berichteten, die YPG habe als Antwort auf die türkischen Luftangriffe die türkische Stadt Ceylanpinar beschossen. Kurdische Quellen meldeten, die türkischen Kampfjets hätten zivile Wohngebiete bombardiert. Dabei seien zwei Menschen ums Leben gekommen.

Nach Medienberichten flohen Zivilisten vor dem türkischen Beschuss ins Landesinnere von Syrien. Schon vor dem Beginn der Bombardements waren in der Region rund 700.000 Menschen von der Versorgung durch die UNO abhängig – ihre Lage könnte sich jetzt verschlimmern.

Bei der Operation mit dem Namen „Quelle des Friedens“ sollen türkische Einheiten und Ankara-treue Rebellenverbände aus Syrien bis zu 30 Kilometer tief auf syrisches Territorium vorstoßen. Der Angriff soll einen Keil in das Herrschaftsgebiet der YPG treiben. Der erste Grenzübertritt türkischer Truppen wurde in vorwiegend von Arabern bewohnten Gegenden auf der syrischen Seite der Grenze erwartet. Dort hätten die türkischen Soldaten weniger Widerstand zu erwarten als in kurdischen Gebieten.

Trump machte Weg für türkische Offensive in Syrien frei

Trumps Entscheidung zum US-Truppenrückzug hatte in Washington viel Kritik ausgelöst, weil die YPG der wichtigste Verbündete der USA im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) war. Die Türkei dagegen sieht die YPG als Terrorgruppe, weil sie ein Ableger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ist.

US-Politiker bereiten nach eigenen Angaben neue Sanktionen gegen die Türkei vor, um Ankara für den Angriff auf die YPG zu bestrafen. Erdogan werde einen „hohen Preis“ zahlen, sagte Senator Lindsey Graham. Auch sonst hat die Türkei kaum Unterstützer in der internationalen Gemeinschaft.

Erdogan erteilte seinen an der Grenze aufgebotenen Truppen den Marschbefehl an einem symbolträchtigen Tag. Genau vor 21 Jahren, am 9. Oktober 1998, war PKK-Chef Abdullah Öcalan durch militärischen Druck der Türkei auf Syrien zur Flucht aus Damaskus gezwungen worden, wo er damals wohnte. Wenige Monate später wurde Öcalan in Kenia gefasst und in der Türkei vor Gericht gestellt; er sitzt eine lebenslange Haftstrafe ab.

Die Türkei hatte bereits zweimal zuvor – 2016 und 2018 – kurdische Gebiete in Nordsyrien besetzt. Die beiden früheren Operationen richteten sich gegen die Städte Dscharablus und Afrin westlich des Euphrat. Die Angriffe am Mittwoch waren das erste Mal, dass die Türkei auch östlich des Euphrat gegen die YPG vorging.

Bei einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, seinem wichtigsten Partner im Syrien-Konflikt, warb Erdogan am Mittwoch um Unterstützung für die Intervention. Moskau ist gegen die Militäraktion und will erreichen, dass die Türkei mit der syrischen Zentralregierung in Damaskus kooperiert.

Der IS könnte von der Offensive profitieren

Neue Spannungen und Konflikte im Osten Syriens könnten auch durch ein Wiedererstarken des IS entstehen. Die YPG hatte angekündigt, im Falle eines türkischen Einmarsches ihre Truppen im Anti-IS-Einsatz zu reduzieren, um gegen die Truppen Ankaras zu kämpfen. Zudem könnten zehntausende IS-Gefangene in bisher von der YPG bewachten Internierungslagern freikommen. Der IS bereitet seit Monaten ein Comeback vor. Selbstmordattentäter der Dschihadisten griffen am Mittwoch Stellungen der YPG in der Stadt Rakka an.

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10.10.2019

Die Kurden waren halt zu erfolgreich gegen den IS .... das kann der sunnitische Sultan halt nicht dulden.

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09.10.2019

Schlimm, dass Erdogan sich erneut als Tyrann und Mordbrenner aufführt.
Und leider haben wir im Westen keine Kraft, ihm in den Arm zu fallen. Hoffentlich distanzieren sich wenigstens einige bei uns lebende türkische Mitbürger von diesen Verbrechen.
Raimund Kamm

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09.10.2019

Widerliche Kriegsanstifterei vor den Augen der ganzen Welt. Ich fühle mich unwillkürlich an den Einmarsch in die Tschechoslowakei 1938 erinnert. Jeder, der das rechtfertigt oder unterstützt, ist mitschuldig.

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