Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler beharrt trotz des Widerstandes der Union auf einer Abschaffung der Praxisgebühr für Arztbesuche. "Die große Mehrheit der Bürger will die Praxisgebühr nicht mehr", sagte der Bundeswirtschaftsminister dem "Hamburger Abendblatt" (Samstag).
Rösler und die Praxisgebühr
Das ist Philipp Rösler
Philipp Rösler wurde wahrscheinlich am 24. Februar 1973 in Khán Hyng, einem vietnamesischen Dorf südlich von Saigon, geboren. Er war gerade neun Monate alt, als er von einer norddeutschen Familie adoptiert wurde. Bis dahin hatte er in einem katholischen Waisenhaus gelebt.
Als sich seine Adoptiveltern trennten, blieb er bei seinem Vater, einem Hubschrauberpiloten, Berufssoldaten und Fluglehrer der Bundeswehr. Die Mutter wanderte nach Südamerika aus.
1992 machte Philipp Rösler an der Lutherschule Hannover sein Abitur. Anschließend wurde er Sanitätsoffizieranwärter bei der Bundeswehr, bevor er an der Medizinischen Hochschule Hannover schließlich Humanmedizin studierte. 2002 promivierte er zum Dr. med.
Rösler trat 1992 der FDP bei. Seit 1996 gehört er zum Landesvorstand der FDP Niedersachsen. Im selben Jahr wurde er Landesvorsitzender der Jungen Liberalen Niedersachen. Er behielt das Amt bis 1999.
Im Jahr 2000 trat er durch seine Taufe der römisch-katholischen Kirche bei. Seit 2008 zählt Rösler zur Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.
Von 2000 bis 2004 war Philipp Rösler ehrenamtlicher Generalsekretär der FDP Niedersachsen. Ab 2003 verdingte er sich als Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion in Niedersachsen und als Mitglied im niedersächsischen Landtag.
Seit 2002 ist er mit der Ärztin Wiebke Rösler verheiratet. Das Paar hat am 28. Oktober 2008 die Zwillingstöchter Grietje und Gesche bekommen. Die Familie lebt in Isernhagen in der Nähe von Hannover.
Im Februar 2009 wurde er schließlich Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sowie stellvertretender Ministerpräsident in Niedersachsen. Acht Monate später übernahm er das Gesundheitsministerium und im Mai 2011 das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.
Philipp Rösler ist Bundesvorsitzender der FDP und seit Mai 2011 der Stellvertreter von Angela Merkel.
2006 suchte Rösler zum ersten Mal sein Geburtsland auf. Laut eigener Aussage entsprach er damit dem Wunsch seiner Frau, die "gern wissen wollte, woher ich komme".
Es gebe einen Überschuss im Gesundheitsfonds, "den wir den Versicherten zurückgeben müssen". Dies wäre auch ein Beitrag zur Entbürokratisierung im Gesundheitswesen. "Mit einer Basta-Politik kann man meiner Ansicht nach komplexe Fragen nicht klären. Wir werden weiter das Gespräch mit allen Beteiligten führen", kündigte Rösler an.
FDP-Chef Philipp Rösler bleibt stur
Argumentationshilfe erhielt die FDP vom Nationalen Normenkontrollrat, der die Bundesregierung beim Bürokratieabbau berät und kontrolliert. Nach seiner Schätzung verursacht die Verwaltung der Praxisgebühr rund 300 Millionen Euro Kosten im Jahr. "Allein das ist ein guter Grund, das Verfahren der Praxisgebühr einer eingehenden Prüfung zu unterziehen und zu untersuchen, inwieweit Vereinfachungen möglich sind", sagte der Vorsitzende des Gremiums, Johannes Ludewig, dem Nachrichtenmagazin "Focus".
Abschaffung der Praxisgebühr
Die Kassen erzielen durch die Praxisgebühr rund zwei Milliarden Euro an Einnahmen im Jahr. Die Debatte wurde angeheizt, weil die gesetzliche Krankenversicherung - also Kassen und Gesundheitsfonds - derzeit ein Finanzpolster von 19,5 Milliarden Euro hat. 4,4 Milliarden Euro aus dem Fonds sind nicht gebunden. Hierauf hat die Politik Zugriff.