Michelle Müntefering will in die Politik und hat dafür schon die erste Hürde genommen. Die Frau des früheren SPD-Chefs Franz Müntefering hat beim SPD-Unterbezirksparteitag in Herne am Dienstagabend die große Mehrheit an Stimmen bekommen. 85 Parteimitglieder stimmten für Michelle Müntefering als Direktkandidatrin. Der Wahlkreis 141 Herne/Bochum II gilt seit Jahrzehnten als sicheres Sprungbrett ins Parlament.
Michelle Müntefering bekam die meisten Stimmen
Damit ließ Michelle Müntefering ihre Konkurrenten hinter sich. Die Herner Stadtverordnete Anke Hildebrand und der Chefredakteur der Parteizeitung "Vorwärts", Uwe Knüpfer, kamen auf 53 beziehungsweise 18 Stimmen. Die Entscheidung fällt am kommenden Dienstag bei einer Wahlkreiskonferenz.
Michelle Müntefering will eigenes politisches Profil zeigen
Die Ochsentour schützte Michelle Müntefering aber nicht vor Kritik. Sie wollte ein eigenes politisches Profil zeigen - und nicht nur als die junge Frau vom Franz gelten. Bei ihrer Vorstellungsrede in Herne gab sie sich entsprechend kämpferisch und versprach den Delegierten, sich in Berlin für das Ruhrgebiet einsetzen zu wollen: "Lasst uns gemeinsam auf die Räuberleiter stellen, um die Dinge anzupacken." Der ehemalige Vorsitzende der SPD drückte ganz hinten im Saal als Gast seiner Frau die Daumen - erfolgreich. Ob der 72-Jährige selbst bei der Wahl 2013 noch einmal antritt, ist offen.
Kandidatur Münteferings
Über die Kandidatur von Michelle Müntefering entscheidet zwar endgültig erst eine Wahlkreiskonferenz am 18. September, bei der dann auch Bochumer Delegierte mitstimmen. Wegen einer Zwei-Drittel-Mehrheit der Herner Genossen dürfte dabei aber nichts mehr schiefgehen.
Erfahrung und Weltgewandtheit statt jahrelanger Politik vor Ort in Herne: Damit warb Knüpfer bei seiner Vorstellung für sich. Die Stimmung im Saal aber war deutlich gegen ihn. Der ehemalige Chefredakteur der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" hatte sich entgegen einer internen Wahlkreis-Vereinbarung erst kurz vor Schluss ins Rennen um den begehrten Platz begeben.
Da wurmte so manchen in Herne, denn so kam der Journalist um viele Vorstellungsrunden in den Ortsvereinen herum. Für Michelle Müntefering und Anke Hildenbrand galt das nicht. Sie waren getingelt und hatten sich der Basis gestellt. afp/dpa/AZ