Jetzt hofft auch Franken auf ein Fußballmärchen. Ganz Franken? Nein, es bleibt wohl eine Minderheit. Die nordbayerische Szene beherrscht der große FC aus der Nachbarstadt Nürnberg. Von dort blickt man mit einer gewissen Verachtung auf das kleinere „Färdd“ – obwohl hier wie dort Bratwürste gegessen werden und beide Städte einst durch die erste deutsche Eisenbahn, heute durch die U-Bahn engstens miteinander verbunden sind.
Fürth gewann in der Früzeit des Fußball drei Meistertitel
Die Antipathie beruht aber auf Gegenseitigkeit. Stets war es ein Festtag in Bayerns siebtgrößter Stadt (115000 Einwohner), wenn die „Kleeblätter“ den „Club“ im Frankenderby schlagen konnten. Doch in der kommenden Saison wird dieses Duell erstmals in der Bundesliga stattfinden – für Fürth, das in der Frühzeit des Fußballs drei deutsche Meistertitel gewann (1914, 1926, 1929 – Nürnberg war neunmal Meister), eine nicht hoch genug zu veranschlagende Genugtuung.
Der Verein, der das Kleeblatt-Symbol seiner Heimatstadt im Wappen führt, ist nach der frühen Hochform tief gefallen. Erst Mitte der 1990er Jahre wendete sich das Blatt, als sich der Traditionsverein mit der Fußballabteilung des TSV Vestenbergsgreuth vereinigte. Diese „Greuther“ aus dem Nachbarlandkreis Erlangen-Höchstadt hatten zuvor Furore gemacht, als sie am 14. August 1994 den FC Bayern München aus dem Pokalwettbewerb schossen.
Der Verein startete eine selbstironische Tour
Die neue „SpVgg Greuther Fürth“ spielte seither meist auf hohem Niveau in der 2. Bundesliga. Weil es immer knapp schiefging, startete der Verein selbstironisch die „Unaufsteigbar-Tour“. Ausgerechnet diese hat jetzt in die oberste Spielklasse geführt.
Der Kleeblatt-Erfolg hat mindestens drei Väter: Präsident Helmut Hack, 62, Geschäftsführer eines international tätigen Tee-Konzerns aus Vestenbergsgreuth, hatte die Idee mit der Fusion der Vereine und stellte die Weichen auf Erfolg. Manager Rachid Azzouzi, 41, früherer marokkanischer Nationalspieler, hat zunächst als Spieler und seit 2005 als sportlicher Leiter, Manager und Mitglied der Geschäftsführung den Erfolgskurs verfestigt. Und Trainer „Mike“ Büskens, 44, einst erfolgreicher Spieler bei Schalke, hat in der kurzen Zeit seit Dezember 2009 die Mannschaft um jenes Quäntchen verbessert, das den Aufstieg gebracht hat. Wenn er jetzt noch in der Bundesliga Fürth zum Derby-Sieg führt... Winfried Züfle