Eine Hausärztin verabreicht in Naila einem Patienten eine Impfung gegen Covid-19.

Hausärzte impfen nach Ostern: Mehr Dosen für Grenzgebiete

Foto: Nicolas Armer, dpa

Zunächst sollen Hausärzte nur an einem Tag pro Woche Corona-Impfungen geben. Erst Ende April steht der Impfstoff in großer Zahl zur Verfügung. Grenzgebiete zu Tschechien sollen mehr bekommen.

Direkt nach den Osterfeiertagen sollen die Deutschen leichter an eine Corona-Impfung kommen. Dann, so haben es Bund und Länder am Freitag beschlossen, werden auch die Arztpraxen die Spritzen verabreichen. „Die Devise lautet: Impfen, impfen, impfen“, gab Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als Parole nach mehrstündigen Gesprächen aus.

Die Hoffnung auf schnelle Fortschritte im Kampf gegen das Virus dämpfte Merkel nur wenige Minuten danach. Sie will den Lockdown wieder verschärfen, wenn sie am Montag mit den Länderchefs erneut zusammengeschaltet wird. Die Kanzlerin begründete das mit dem sich rapide ausbreitenden Erreger „Deshalb ist es gut, dass wir eine Notbremse vereinbart hatten“, sagte sie. „Wir werden auch von dieser Notbremse Gebrauch machen müssen.“ Im Klartext heißt das, dass die leichten Lockerungen teils oder vollständig wieder zurückgenommen werden müssen. Konkret wurde Merkel nicht.

Corona-Impfung: Sollte die EU den Impfstoff Sputnik V bestellen?

Der Druck auf ihre Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder war wegen der schleppenden Corona-Impfungen und den starren Verordnungen stetig gewachsen. Merkel räumte ein, dass die berühmt-berüchtigte deutsche Gründlichkeit schon bald durch deutsche Flexibilität ergänzt werden soll. Dennoch wird bei den 50 000 Arztpraxen im Land zunächst nur wenig Serum eintreffen.

In der Woche beginnend mit dem Ostermontag sollen laut Beschluss insgesamt rund eine Million Impfdosen an die Praxen geliefert werden. In den beiden nachfolgenden Wochen ist ebenfalls jeweils diese Menge eingeplant. Erst Ende April soll dann die Kapazität gesteigert werden auf dann drei Millionen Einheiten des Corona-Gegenmittels.

„Die Anzahl der Impfdosen pro Praxis wird jedoch zu Beginn erst langsam aufwachsen und nur für eine Impfsprechstunde pro Woche beziehungsweise die Impfung besonders vulnerabler Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehen“, heißt es in dem Beschluss. Vorgesehen sind demnach pro Woche zunächst 20 Einheiten Impfstoff je Praxis. Die Hausärzte sollen zunächst Patienten impfen, die nur schwer ihre Wohnung verlassen können oder die von Vorerkrankungen geschwächt sind. Grundsätzlich soll die Impfreihenfolge gelten. Jüngere müssen sich also gedulden.

Die große Zahl der Corona-Spritzen soll weiterhin in den Impfzentren gegeben werden. Die Länder, die eine Beteiligung der Praxen im April für verfrüht halten, können das für ihr Bundesland explizit entscheiden und die Praxen später einbinden.

Impfgipfel: Grenzgebiete zu Tschechien sollen mehr Corona-Impfstoff bekommen

Bayern, Sachsen und Thüringen bekommen wegen ihrer großen Nähe zum Hochrisiko-Land Tschechien zusätzliche Kontingente des Impfstoffs von Biontech. Bayern erhält zum Beispiel 100.000 Dosen. Auch Rheinland-Pfalz und das Saarland erhalten mehr Serum, weil sie an ein Hochrisikogebiet in Frankreich grenzen. Damit sollen die in Grenznähe um sich greifenden Ausbrüche des Erregers eingedämmt werden.

Grundsätzlich halten Bund und Länder daran fest, bis zum Sommer allen Bürgern „ein Impfangebot machen zu können“. Weil das Serum von AstraZeneca wieder verimpft werden darf, ist das Versprechen erfüllbar. Wäre es beim Stopp geblieben, hätte der deutsche Impfplan schwer gelitten. Wie stark das Vertrauen in den Impfstoff durch die Thrombose-Fälle abgenommen hat, ist gegenwärtig nicht zu beantworten. Um die Zweifel abzuschwächen, hat sich der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vor laufenden Kameras damit impfen lassen. Die Kanzlerin bekräftigte, sich auch mit diesem Mittel impfen zu lassen, wenn sie an der Reihe ist.

AstraZeneca wird wieder geimpft: Doch der Impfstoff bleibt in Deutschland knapp

Der Mediziner Andreas Greinacher von der Universität Greifswald vermutet, dass nach einer Impfung mit AstraZeneca in Einzelfällen die Blutplättchen aktiviert werden. Das wiederum könnte zu den schwerwiegenden Thrombosen in der Hirnvene führen.

AstraZeneca wird in den kommenden Wochen wegen Exportbeschränkungen in den USA und Großbritannien weniger an die EU-Staaten liefern, als in Aussicht gestellt. Deshalb bleibt Impfstoff auch in Deutschland generell knapp.

Mehrere deutsche Ministerpräsidenten sprechen sich aus diesem Grunde dafür aus, den russischen Impfstoff Sputnik V einzukaufen oder in der EU herzustellen. Dazu zählt auch Markus Söder (CSU) aus Bayern. Die Prüfung des Wirkstoffs durch die Europäische Arzneimittelbehörde läuft.

Hergestellt werden könnte das Serum im Südwesten Bayerns, im schwäbischen Illertissen. Das Unternehmen R-Pharm investiere mehr als 30 Millionen Euro in den Ausbau der Produktion, teilte das bayerische Gesundheitsministerium mit. Jeder Impfstoff, der zugelassen werde, sei ein Lichtblick sagte Minister Klaus Holetschek (CSU).

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