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Interview
24.11.2017

Ilse Aigner: "Geschlossenheit in den Vordergrund rücken"

"Wir müssen nach vorne blicken", sagt die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner.
Foto: Sven Hoppe, dpa (Archivfoto)

Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner über einen denkwürdigen Tag, den Streit um die Spitzenämter und ihre eigenen Chancen.

Frau Aigner, die CSU hat am Donnerstag einen langen und denkwürdigen Tag hinter sich gebracht. Wie geht es jetzt weiter?

Ilse Aigner: Nach den vergangenen Wochen, in denen Geduld und Nerven strapaziert wurden, hat der Donnerstag gezeigt, dass in unserer Partei jetzt wieder Geschlossenheit im Vordergrund steht. Wir müssen nach vorne blicken. Das ist das Entscheidende.

Glauben Sie wirklich, dass der Burgfriede hält?

Aigner: Ich hoffe es und ich werde dazu meinen Beitrag leisten. Wir haben noch ein Stück Arbeit vor uns. Aber der Zusammenhalt ist immer unsere Stärke gewesen. Darauf sollte sich jetzt jeder besinnen.

CSU-Chef Horst Seehofer hatte Klarheit versprochen. Jetzt gibt es eine Kommission mit Barbara Stamm, Edmund Stoiber und Theo Waigel, die sich um die zukünftige personelle Aufstellung an der Spitze der Partei kümmern soll. Was halten Sie davon?

Aigner: Grundsätzlich ist es gut, wenn man auf den Rat von Barbara Stamm und den beiden Ehrenvorsitzenden hört. Die drei kennen die Partei sehr genau. Es war immer der Wunsch von allen, dass man nicht übereinander, sondern miteinander redet. Jetzt können alle einbezogen werden und wir können geordnet und zielgerichtet zu einer Zukunftslösung kommen, hinter der dann alle stehen.

Was ist da eigentlich so schwierig. Es geht doch nur um die Frage, ob und wann Seehofer seine Ämter übergibt und an wen?

Aigner: Ganz so einfach ist das nicht. Man muss dazu schon überlegen, wie man nicht nur Parteigremien, Fraktion und Landes- und Europagruppe einbindet, sondern wie man auch die Bürger mit einer bestmöglichen Formation überzeugt. Wenn im Herbst kommenden Jahres gewählt wird, dann sind die Bürger das Maß aller Dinge. Sie müssen uns vor allem vertrauen, damit sie uns wieder wählen. Sie müssen bei uns den Willen erkennen, dass wir uns um die Sachthemen kümmern, die die Menschen bewegen.

Worin genau besteht dann nach Ihrem Verständnis die Aufgabe der Kommission?

Aigner: Die Kommission soll nichts entscheiden, sondern lediglich eine Entscheidung vorbereiten. Es geht darum, eine Lösung zu finden, die von allen getragen wird. Ich meine damit alle Gliederungen der Partei: die Bezirksvorsitzenden, die Frauenunion, die Junge Union, die Seniorenunion, alle Arbeitsgemeinschaften und natürlich auch Landes- sowie Europagruppe und Landtagsfraktion.

Von der Geschlossenheit einmal abgesehen – was ist aus Ihrer Sicht noch wichtig?

Aigner: Das ist schon sehr viel, wie bei der Bundestagswahl zu sehen war, bei der CDU und CSU eben nicht ganz geschlossen aufgetreten sind. Wichtig ist mir aber auch, dass die offenen Fragen jetzt innerhalb eines überschaubaren Zeitraums geklärt werden. Wir haben – was ja auch ein Grund für unser aktuelles Problem ist – zu lange hin und her diskutiert.

Jetzt soll es eine gemeinsame Lösung mit einem gemeinsamen Personaltableau geben. Ihr Kollege, Finanzminister Söder, ist ja nicht der einzige Aspirant. Wie sehen Sie Ihre eigenen Chancen?

Aigner: Auch darüber werden die Gespräche geführt werden. Ich hoffe, dass wir im Konsens mit möglichst allen Beteiligten zu einer guten Lösung kommen.

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