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Jahresbericht Amnesty International
25.02.2015

Amnesty spricht von Horrorjahr: Enthauptungen und Massenhinrichtungen

Amnesty International bewertet das Jahr 2014 als niederschmetternd und katastrophal.
Foto: Safin Hamed afp

Amnesty International beschreibt 2014 als ein besonders niederschmetterndes und katastrophales Jahr. Die internationale Gemeinschaft sei angesichts der neuen Gewalt überfordert.

Für Amnesty International  war 2014 ein besonders verhängnisvolles Jahr. Für die Organisation war das vergangene Jahr "katastrophal" und niederschmetternd".In der Mitteilung zum Jahresbericht von Amnesty International heißt es, dass angesichts der neuen Art von Gewalt, die von Gruppen wie dem IS und Boko Haram ausgeht, die internationale Gemeinschaft überfordert sei.

Versklavte Mädchen und Frauen, Massenhinrichtungen vor Kinderaugen, zu Propagandazwecken gefilmte Enthauptungen: Der Terror in Syrien und im Irak ist derzeit für Amnesty International eine der größten Bedrohungen für die Menschenrechte überhaupt, mit Auswirkungen über die Region hinaus - auch auf die Menschenrechte in Europa und den USA

Amnesty im Jahresbericht: Wachsende Macht der IS besorgniserregend

"Besonders besorgniserregend ist die wachsende Macht nicht-staatlicher Gruppen, darunter die Gruppe, die sich selbst Islamischer Staat (IS) nennt", heißt es in der Mitteilung zum Jahresbericht der Organisation, die Verstöße gegen Menschenrechte in 160 Ländern untersucht hat. Auch Boko Haram in Nigeria und Al-Shabaab in Somalia gehören zu den Gruppierungen, die quasi-staatliche Strukturen anstreben und nicht an etablierten Landesgrenzen haltmachen. Die Gewalt, die von ihnen ausgeht, habe zugenommen, schreibt Amnesty nüchtern.

Doch nicht nur Terroristen quälten die Bevölkerung mit Anschlägen, Morden und Folter. Praktisch im selben Atemzug nennen die Menschenrechtler die Reaktionen von Regierungen. "Von Baga (im nigerianischen Bundesstaat Borno) bis Bagdad (im Irak) haben Regierungschefs versucht, Menschenrechtsverletzung zu rechtfertigen mit Reden von der Notwendigkeit, die Welt "sicher" zu machen", kritisiert Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty.

Amnesty International: IS lenkt von Gewalt der syrischen Regierung ab

Beispiel Syrien: Die Schreckenstaten des IS hätten für eine Weile abgelenkt von der Gewalt der syrischen Regierungskräfte, heißt es. Diese setzten Fassbomben ein, griffen Krankenhäuser an und blockierten die Versorgung Unbeteiligter mit Nahrung, Wasser und Medikamenten. Den Fassbomben-Vorwurf hat Präsident Baschar al-Assad erst vor rund zwei Wochen in einem BBC-Interview als "kindisch" zurückgewiesen. Allerdings erheben ihn auch andere Gruppen, etwa Human Rights Watch.

In Nigeria leidet die Bevölkerung ebenfalls unter staatlicher Gewalt. "Gemeinden, die seit Jahren von Boko Haram terrorisiert werden, sind zunehmend Übergriffen der staatlichen Sicherheitskräfte ausgesetzt, die regelmäßig mit außergerichtlichen Tötungen, willkürlichen Massenfestnahmen und Folter geantwortet haben", schreibt Amnesty. 

Im Irak habe die Regierung angesichts des Terrors schiitische Milizen auf sunnitische Gemeinden "losgelassen", die angeblich mit dem IS sympathisierten. Alleine von Januar bis Oktober habe der Konflikt im Irak 10 000 Zivilisten das Leben gekostet. Auch unter der neuen Regierung kämen bei Luftangriffen auf IS-Gebiete Zivilisten um.

"Globale Antwort war beschämend und wirkungslos"

Die internationale Gemeinschaft findet keine Antwort auf die Gewaltexzesse, militärisches Eingreifen stoppt die Spirale der Gewalt bislang nicht. "Die globale Antwort auf Konflikte und Misshandlungen durch Staaten und bewaffnete Gruppen war beschämend und wirkungslos", beklagt Generalsekretär Shetty. 

"Trostlos" sei der Ausblick auf das laufende Jahr, wenn sich daran nichts ändere: Mehr Zivilisten, die unter der quasi-staatlichen Herrschaft brutaler Terrorgruppen leben müssen, mehr Flüchtlinge. Aber auch mehr Überwachung im Westen, wo Regierungen und Geheimdienste den "Krieg gegen den Terror" als Vorwand nutzten, um die eigene Bevölkerung zu bespitzeln. 

Aber was sollen sie stattdessen tun? Darauf liefert der Amnesty-Bericht auch keine Antwort. Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats sollen auf ihr Vetorecht verzichten, so lautet die einzige konkrete Forderung - sie richtet sich gegen Moskau und Peking, die immer wieder Resolutionsentwürfe zum Syrien-Konflikt gestoppt haben. Dass sie ihr Recht auf ein Nein verbindlich aufgeben, scheint unrealistisch. dpa/AZ

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