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Klimastreik: Spott und Ignoranz bestärken die Schüler sogar

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Kommentar Von Sarah Ritschel
01.02.2019

Seit Wochen gehen Jugendliche zur Schulzeit fürs Klima auf die Straße. Bald wird sich von selbst zeigen, wie ernst es ihnen ist. Sollen die Alten ruhig reden.

Jeden Freitag wird die Kluft tiefer. Auf einer Seite des Grabens stehen die Schüler, die mit Protesten während der Schulzeit mehr Klimaschutz fordern und buchstäblich für ihre Zukunft demonstrieren – so wie an diesem Freitag in München, wo in der dritten Woche in Folge rund 1000 Schüler in den Klimastreik traten. Auf der anderen Seite stehen die Kritiker, die deren Engagement zerreden und ins Lächerliche ziehen.

Warum wir den Klimastreik der Schüler und Studenten ernst nehmen sollten

Am schlimmsten sind Menschen, die sagen, die Jugendlichen hätten keine Ahnung und seien nur Marionetten der linksgrünen Öko-Lobby. Das ist anmaßend, verächtlich und zeigt, welche Meinung diese Leute von Kindern ganz generell haben. Viele meinen das vielleicht gar nicht so und haben in Wirklichkeit schlicht Angst um ihre Existenz, mancher Landwirt zum Beispiel.

Wer der nachfolgenden Generation aber ernsthaft jede Mündigkeit abspricht, schreibt die Zukunft unseres Landes ab. Jeder Politiker, der jetzt nur auf die Schulpflicht pocht, bestätigt das Bild, das die sogenannte Generation Z vom Politikbetrieb in Deutschland hat. Einem Betrieb, der von Männern ab knapp 50 Jahren ohne Migrationshintergrund und mit hohem Bildungsgrad dominiert wird.

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Einem Betrieb, in dem junge Abgeordnete nicht wegen ihrer Inhalte bewundert werden, sondern weil sie mit ihrem jugendlichen Aussehen zwischen all den Best-Agern so sehr auffallen. Einem Betrieb, in dem sich Jugendliche nicht wiederfinden und in dem sie sich erst gar nicht engagieren wollen.

Man kann der Generation Z vorwerfen, dass ihr so lange so vieles egal war. Aber jetzt steht sie auf und geht auf die Straße. Unser größter Fehler wäre es, die Proteste gleich wieder kleinzureden.

Natürlich heben bei den Streiks auch Schüler ihre Plakate, die keine Lust auf Unterricht haben und die sich keine Gedanken machen, wie viel Strom exzessive Netflix-Nutzung braucht. Aber Tausende in der Fridays-For-Future-Bewegung denken anders. Sind sie die Mehrheit?

Das wird sich bald daran zeigen, ob die Demo-Bereitschaft sinkt. Menschen halten es nicht lange durch, etwas zu fordern, was sie selbst nicht beherzigen. Entweder sie hören auf damit und gehen wieder zur Schule – oder sie werden im Idealfall doch zu Klimaschützern, treten vielleicht einer Umweltorganisation wie Greenpeace bei.

Wer die Klimaproteste der Schüler kleinredet, macht sie nur stärker

Natürlich stimmt es nicht, wenn die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg sagt, die Erwachsenen täten rein gar nichts für den Klimaschutz. Sie planen den Kohleausstieg, verabschieden CO2-Grenzwerte für Flugzeuge und internationale Verträge gegen die Erderwärmung. Greta Thunberg ist schlau genug, um das zu wissen.

Aber erstens ist die Zuspitzung ein Mittel des Protests und zweitens geht den Jugendlichen alles viel zu langsam. Der Eindruck ist sicher nicht falsch, wenn der globale Kohlenstoffdioxid-Ausstoß steigt und steigt, obwohl sich 1997 im Kyoto-Protokoll rund 190 Staaten das Gegenteil vorgenommen hatten. Und wenn man hört, dass bis 2050 mehr Plastik als Fische in den Weltmeeren schwimmen wird.

Dann sind die Schüler von den Klimastreiks vielleicht Mitte 40, haben Kinder und Enkel. Jede Mutter und jeder Vater, jede Oma und jeder Opa würde alles tun, damit es die eigenen Kinder und Enkel mal gut haben: Geld anlegen, Bausparvertrag abschließen, Selbstvertrauen impfen – oder etwa nicht?

Zehntausende Schüler haben das Gefühl, dass auch der Klimaschutz zu dieser Vorsorge zählt. Je früher sie etwas dafür tun, desto besser. Ein Sparbuch nützt ja auch mehr, je eher man darauf einzahlt.

Aber sollen all die Klimaleugner und Misanthropen ruhig weiter alles lächerlich machen. Entweder sie behalten recht – oder sie machen Fridays For Future nur stärker.

Einen ausführlichen Beitrag über die Proteste, an denen sich auch Schüler aus Augsburg beteiligt haben, lesen Sie hier: Tausende Schüler demonstrieren: Freitags geht es um die Zukunft

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03.02.2019

"Männern ab knapp 50 Jahren ohne Migrationshintergrund und mit hohem Bildungsgrad dominiert wird."
Wie sexistisch und altersdiskriminierend ist das denn? Dieser Kommentar diskreditiert sich selber.

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02.02.2019

Es ist das gute Recht der Jugendlichen zu demonstrieren. Nur, warum muss dies am Freitag sein? Hat man am Samstag oder Sonntag andere Pläne??

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02.02.2019

Weil Schwache und ihre Anliegen meistens erst wahr und wichtig genommen werden, wenn sie streiken.

Raimund Kamm

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02.02.2019

>> Auf der anderen Seite stehen die Kritiker, die deren Engagement zerreden und ins Lächerliche ziehen. <<

Diese Äußerung ist pauschal und unfair; es gibt auch differenzierte Positionen, die vorallem die vielfache politische Ausrichtung der Proteste kritisieren.

Sie hatten doch selbst darüber berichtet:

https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Tausende-Schueler-demonstrieren-Freitags-geht-es-um-die-Zukunft-id53347476.html

>> „Burn borders, not cole!“ – „Verbrennt Grenzen, keine Kohle!“, lautet die Botschaft auf dem alten Laken. Mit dem Megafon gibt Ikbal die Parole vor: „Anticapitalista!“ Die Menge hinter ihm wiederholt den Ruf.
...
„Es ist wichtig, dass wir die Kämpfe verbinden“, ergänzt Tobias. „Gegen den Rechtsruck. Gegen den Kapitalismus. Für die Umwelt.“ <<

Das ist nun mal die Situation über die man sprechen muss; das ist die Ausgangslage wo viele Menschen eine Zusammenarbeit mit solchen Kräften ablehnen. Das ist der Punkt wo Freiheit und Demokratie in Gefahr geraten.

>> Aber sollen all die Klimaleugner und Misanthropen ruhig weiter alles lächerlich machen.<<

Sie werden mit solchen pauschalen Beleidigungen global keinen Erfolg haben.

https://de.wikipedia.org/wiki/Misanthropie

>> Eine solche Person wird Misanthrop („Menschenhasser“, „Menschenfeind“) genannt. <<

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02.02.2019

Zur Ergänzung:

>> Einem Betrieb, der von Männern ab knapp 50 Jahren ohne Migrationshintergrund und mit hohem Bildungsgrad dominiert wird. <<

Das kann ich nicht nachvollziehen; Frau Merkel als Kanzlerin und langjährige Parteivorsitzende sowie Frau Nahles als Parteivorsitzende rufen da eher nach einer differenzierten Betrachtung.

Und das mit dem Migrationshintergrund ist auch so eine Behauptung - ja halt nicht aus Afrika oder der arabischen Welt, aber gerade wenn man die Bevölkerungszusammensetzung in Augsburg betrachtet? Ach so, für die Linken sind ja Migranten aus Osteuropa/ex dt. Ostgebieten meist eine ganz schlimme Zumutung - egal wann die kamen - die sind doch meist "Rächts".

Gruß vom Ü50 Halbtschechen ;-)

Permalink
02.02.2019

Liebe Sarah Ritschel, mein großes Lob für Ihren Kommentar: Sehr gut geschrieben und die Situation bestens beschrieben. Die Jugend geht nicht aus Jux und Tollerei auf die Straße bei diesem Schmuddelwetter, sie will uns Alte - uns ALLE - aufrütteln ehe es zu spät ist.

Na klar wird es immer Menschen geben die alles zerreden, alles Positive negativ sehen. Ich bin stolz auf die mutige Enkelgeneration.

Vielen Dank - und weiter so am Ball bleiben. Positive Berichterstattung tut uns allen gut.
Liebe Grüße aus "Nerle"

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