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Klimawandel
16.10.2021

Zweithöchster CO2-Zuwachs aller Zeiten: Wie das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen wäre

Wie Internationale Energieagentur betrachtet Solarenergie als eine Kernlösung im Kampf gegen den Klimawandel.
Foto: Patrick Pleul, dpa

Um die Folgen des Klimawandels zu begrenzen, müssten weniger fossile Energieträger verbrannt werden. Stattdessen steigen die Emissionen. Doch noch wäre ein Gegensteuern möglich.

Die Corona-Pandemie rang die Weltwirtschaft im Jahr 2020 nieder. Sie verursachte die schwerste globale Wirtschaftskrise der jüngeren Geschichte. Selbst das vermochte es nicht, in Kombination mit den weltweiten Anstrengungen gegen den Klimawandel, wie sie im Pariser Klimaabkommen beschlossen wurden, den Ausstoß von CO2 zu verringern - im Gegenteil. Er stieg im vergangenen Jahr. Und der jährliche Anstieg der Emissionen war sogar der zweitstärkste der Geschichte, wie es von der Internationalen Energieagentur (IEA) heißt.

Zwar seien erneuerbare Energien massiv ausgebaut worden und Elektro-Autos hätten Verkaufsrekorde gebrochen, allerdings habe die schnelle wirtschaftliche Erholung von der Pandemie den Effekt zunichte gemacht. Die hohe Nachfrage nach Öl und Gas zeige sich aktuell auch in den deutlich gestiegenen Preisen.

Versprechen der Politik reichen nicht aus

Die IEA hat verschiedene Szenarien berechnet, wie sich der Energiesektor entwickeln könnte: Eines geht von einem Plan aus, mit dem das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens erreichbar wäre, eines geht von den Zusagen der Politik aus, ein anderes von der Politik, wie sie in der Realität gemacht wird. Das Ergebnis: Selbst wenn die Staaten ihre Zusagen einhalten würden, würden der Gas- und Ölverbrauch in den nächsten Jahren steigen oder stagnieren, dabei müsste er eigentlich sinken.

Noch dazu ist von einem Bevölkerungszuwachs von zwei Milliarden Menschen in den nächsten 30 Jahren auszugehen. Gleichzeitig steige der Lebensstandard in den meisten Ländern der Erde. "Das heutige Energiesystem ist nicht in der Lage, diesen Anforderungen gerecht zu werden", schreibt die IEA. "Eine Revolution niedriger Emissionen ist längst überfällig."

Die Energieagentur betrachtet die Atomkraft als eine von mehreren Möglichkeiten, um emissionsarm Energie zu erzeugen.
Foto: Julian Stratenschulte, dpa

Der Bericht namens "World Energy Outlook" erscheint jährlich – doch dieses Jahr mit Blick auf einen besonderen Anlass. Am 31. Oktober beginnt die Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen. Dort sollen die Weichen für die weltweite Bekämpfung des Klimawandels gestellt werden. Das erklärte Ziel der Konferenz: einen gemeinsamen Weg zum 1,5-Grad-Ziel zu finden.

Doch nach Berechnungen der IEA genügen die heutigen Versprechen der Nationalstaaten nur, um 20 Prozent der notwendigen CO2-Einsparungen zu erreichen. Anders gewendet: Die Welt müsste ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel verfünffachen, um das 1,5-Grad-Ziel nicht zu verfehlen.

Pro-Kopf-Ausstoß ist in Deutschland höher als in China

Dabei unterscheidet sich der Trend von Land zu Land stark. China war 2019 nach Zahlen des Global Carbon Atlas mit 10.175 Megatonnen CO2 pro Jahr mittlerweile der größte Emittent der Erde. Im Jahr 2000 stieß das Land noch 3349 Megatonnen aus – ein Plus von 204 Prozent. Deutschland demgegenüber emittierte damals 900 Megatonnen, im Jahr 2019 noch 702. Das entspricht einem Rückgang von 22 Prozent. Betrachtet man, wie viel CO2 pro Einwohner ausgestoßen wird, sieht die Sache anders aus. In Deutschland sind es 8,4 Tonnen pro Kopf und Jahr, in China 7,1. Der weltweite Durchschnitt beträgt sogar nur 4,72 Tonnen pro Person.

Um diesen Ausstoß zu senken, nennt die Internationale Energieagentur vier Schritte: Erstens müssten emissionsarme Energien ausgebaut werden, besonders Solar- und Windenergie, wo akzeptabel auch Atomkraft. Zweitens müsse Energie effizienter genutzt werden. Drittens müsse das Entweichen von Methan bei der Gewinnung fossiler Energien reduziert werden. Das Gas sei ein Treiber des Klimawandels und werde zu einem großen Teil durch Lecks bei Öl- und Gasgewinnung freigesetzt. Viertens müssten neue Technologien erforscht werden. Einige seien heute schon entwickelt und könnten zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen, befänden sich aber noch Prototypenstadium.

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