Es hatte sich in den letzten Wochen bereits angedeutet und jetzt ist es offensichtlich. Große Teile der Politik in Bund und Ländern stecken im Kampf gegen die Corona-Pandemie fest. Trotz aller Anstrengungen und Ankündigungen wird die Impfstoff-Versorgung erst einmal hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Das Problem sind dabei gar nicht die Lieferungen an sich. Denn normalerweise braucht die Entwicklung eines Impfstoffs etwa zehn Jahre, und vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass schon jetzt verschiedene Seren zur Verfügung stehen.
Das Problem ist die Erwartungshaltung, die von verschiedenen Politikern geweckt wurde. Äußerungen von Gesundheitsminister Jens Spahn und anderen legten nahe, dass im ersten Quartal schon ein Großteil der Bevölkerung geimpft sein wird und Rest zügig ebenfalls eine Spritze bekommt. Inzwischen zeigt sich, dass es so wohl nicht kommen wird.
Impfgipfel: Die Geduld ist bald ganz erschöpft
Anstatt das klar zu kommunizieren, wird hilflos hektische Betriebsamkeit demonstriert. Eine Verlautbarung folgt der nächsten, im Kanzleramt werden bei einem sogenannten Impfgipfel Firmenchefs, Lobbyisten und Politiker zusammengetrommelt, die aber auch nicht viel ausrichten können, denn neuer Impfstoff fällt eben nicht vom Himmel. Hinzu kommt die Profilierungssucht einzelner Politiker.
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller etwa forderte vor dem „Impfgipfel“ von Kanzlerin Angela Merkel einen „nationalen Impfplan“ mit den verfügbaren Impfstoffen. Ausgerechnet Müller, der sich im Tandem mit seiner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci gerade nach Kräften blamierte, als er eine völlig illusorische Impfstoff-Produktion in Berlin ankündigte.
Die Bundesregierung bedankte sich am Montag bei all denjenigen, die in den letzten Wochen diszipliniert zur Senkung der Neuansteckungen beitrugen. Deren Geduld allerdings ist schon strapaziert.
Wenn es weitere Ankündigungen, Impfgipfel, Arbeitskreise und was auch immer gibt, denen keine Ergebnisse folgen, ist sie gar bald erschöpft. Das jedoch wäre die denkbar schlechteste Ausgangslage für den langen Corona-Weg, der noch zu gehen ist.
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